Serie Unsere Bundestagskandidaten: Die Frau, die bürgernahen Wahlkampf liebt

Serie Unsere Bundestagskandidaten : Die Frau, die bürgernahen Wahlkampf liebt

Die CDU-Bundestagsabgeordnete will das 2009 im Wimpernschlag-Finale gewonnene Mandat im Wahlkreis 113 verteidigen. Sie glaubt an Sieg, denn: "Ich spüre das." Sie gilt als "linke" CDU-Frau und ist nun im Bundesvorstand.

Sabine Weiss liebt Wahlkampf. Besonders wenn's in die heiße Phase geht. Und noch mehr, wenn ausgezählt ist. Die zurückliegenden drei Rennen hat sie allesamt gewonnen. Die Freude war umso größer, weil kaum jemand drauf gewettet hätte. Im "roten Rathaus" Dinslaken entriss sie den Genossen das Abonnement auf den Bürgermeister-Sessel und gewann zweimal. Und vor vier Jahren brachte sie auf Anhieb das beinahe historische Kunststück fertig, den roten Bundestagswahlkreis 113 Wesel schwarz zu färben — mit hauchdünnem Vorsprung zwar, aber nach einer 44 Jahre langen Durststrecke für die CDU. Sabine Weiss löste mit 351 Stimmen Vorsprung auf Dr. Ulrich Krüger die Fahrkarte nach Berlin.

"Das wird wieder spannend. Aber ich will's toppen", sagt Sabine Weiss (55) sportlich selbstbewusst. "Ich spüre, dass es klappt." Der Gedanke, dass es am 22. September umgekehrt ausgehen könnte, sei ihr zu keinem Zeitpunkt durch den Kopf gegangen. "Ich werde wieder vorne sein", sagt sie mit freundlicher Überzeugung. Nur dass sie diesmal nicht in eine rote Bastion eindringen, sondern schwarzes Terrain verteidigen muss. Dass sie das auch kann, hat sie als Dinslakener Bürgermeisterin bewiesen.

Das Format, erfolgreich in angestammten SPD-Pfründen zu fischen, war's aber dennoch wohl nicht, das der Juristin in Berlin den Ruf eingebracht hat, eine "linke CDU-Frau" zu sein. Die Schublade ging auf, als sie im Sommer 2012 mit zwölf weiteren Unions-Abgeordneten im Bundestag die steuerliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren forderte und später zu denen zählte, die das Betreuungsgeld für Eltern, die ihre jungen Kinder noch nicht in den Kindergarten geben möchten, für keine so gute Idee hielten.

Das Attribut "rot" nennt sie "irgendwie witzig". "Aber es passt nicht", findet Sabine Weiss. Wohl passe es, in einer Volkspartei seine Position zu vertreten. Aber nur so lange, bis die Diskussion intern abgeschlossen und in der Fraktion abgestimmt worden sei. Dann gelte die vereinbarte Linie. "Anders würde es im Parlament nicht funktionieren", sagte sie. Das habe nichts mit Zwang zu tun, mehr mit Disziplin.

Sabine Weiss räumt offen ein, dass sie nach dem Wahlsieg vor vier Jahren mit einem mulmigen Gefühl in die Bundeshauptstadt gefahren sei. "Das ist eine völlig andere Welt als die, die ich bis dahin kannte." Sie ist in der anderen Welt angekommen, hat sich behauptet und redet mit. "Es war wie im Studium, ich musste lernen." Als die Lektion saß, "dass alle nur mit Wasser kochen", war's gut. Die Partei weiß es zu schätzen. Sabine Weiss ist in den Bundesvorstand aufgerückt.

Sie gehört zwar nicht zum engeren Kreis um Bundeskanzlerin Angela Merkel, treffe sie aber doch ab und an. Sabine Weiss erzählt, dass die Kanzlerin eine aufmerksame Zuhörerin sei und "wenn der Kopf frei ist", auch persönlich interessiert sei. Die Abgeordnete erzählt von einem Treffen der Landesgruppe im Kanzleramt. Sie habe rechts von Bundestagspräsident Lammert gesessen und Angela Merkel links. Als sich in Lammerts Rücken ihre Blicke trafen, sei ihr eingefallen, dass ihre Mutter sie gebeten hatte, die Kanzlerin zu grüßen. Das habe sie getan, so Weiss, und Angela Merkel habe sehr interessiert nach der 82-Jährigen gefragt, die am Hamborner Markt noch immer eines der ältesten Duisburger Einzelhandelsgeschäfte für Spiel- und Haushaltswaren führt. Ein schöner Moment im geschäftsmäßigen Berliner Betrieb.

Der werde sonst meist von der Finanzkrise im Euro-Raum dominiert. Sabine Weiss hat sich in ihrer ersten Legislaturperiode schwerpunktmäßig mit Entwicklungshilfepolitik befasst. Das hat damit zu tun, dass sie sich seit vielen Jahren um ein Dorf auf den Philippinen kümmert, das sie einmal im Jahr besucht. "Ich wohne dann in einer Bambushütte. Das erdet und ist Balsam für Leib und Seele." Als ehemalige Bürgermeisterin gehört sie zudem der Arbeitsgemeinschaft Kommunalpolitik an. Im neuen Bundestag will sie noch näher ran an die richtig wichtigen Dinge. Konkreter wird sie noch nicht.

Um dahin zu kommen, muss sie erst mal den Wahlkreis verteidigen. Auf Platz 21 der Landesliste will sich die 55-Jährige nicht verlassen. Der hätte beim vorigen Mal nicht gereicht. So setzt sie weiter auf ihre bewährte Wahlkampfstärke, Leute im persönlichen Gespräch zu erreichen, ihnen glaubhaft zu vermitteln, dass sie sich als "Anwältin" sieht — gerade auch für vermeintlich kleine Leute. Auf soziale Netzwerke setzt sie nur bedingt. Den Internet-Wahlkampf überlässt sie den jugendlichen Wahlhelfern. Eine eigene Facebook-Seite hat sie nicht. "Das wäre nicht echt, nicht authentisch", sagt die CDU-Politikerin.

(RP)