Demo als Zeichen gegen Hetze und Hass in Moers

Moers : Demo als Zeichen gegen Hetze und Hass

Moerser reagieren auf die Nazi-Schmierereien vom Wochenende. Ein Aufruf des Bündnisses für Toleranz richtet sich auch gegen die AFD.

Die Nazi-Schmierereien vom vergangenen Wochenende haben viele Menschen empört. Bereits zum dritten Mal waren Stolpersteine mit Farbe beschmiert worden, zudem hinterließen die Täter Schriftzüge mit Nazi-Parolen, Hakenkreuzen und ausländerfeindlichen Inhalten. Ein geplantes Vorgehen scheint vorzuliegen; der Staatsschutz ermittelt. Jetzt wollen Moerser auf die Straße gehen, um gegen Hetze und Hass zu protestieren. Wie berichtet, hat das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage für Dienstag zu einer Demonstration aufgerufen. Der Verein „Erinnern für die Zukunft“, der sich von dem Aufruf zunächst überrascht gezeigt hatte, erklärte am Donnerstag, er werde sich an der Demo beteiligen. Im Verein hat sich ein neuer Arbeitskreis Rechtsextremismus gebildet, am Mittwochabend kamen 24 Mitglieder zu einer Versammlung des Kreises zusammen, Hans Hanke vom Bündnis für Toleranz war Gast des Treffens. „Was er gesagt hat, hat uns überzeugt“, sagte Bernhard Schmidt vom Vereinsvorstand nach der Sitzung. Mitglieder von „Erinnern für die Zukunft“ wollen am Dienstag Flugblätter mit dem Signet „Moers ist bunt, nicht braun“ verteilen, auf denen über die wiederholte Schändung der Stolpersteine informiert wird.

Ursprünglicher Anlass für die geplante Demonstration sind allerdings nicht die Nazi-Schmierereien vom Wochenende. Die Demo wird offenbar schon seit längerer Zeit geplant und richtet sich gegen die AFD, die sich regelmäßig in Moers trifft. Es wird kolportiert, dass beim nächsten Treffen am Dienstagabend in der Gaststätte Piccolo ein AFD-Ortsverband aus der Taufe gehoben werden soll. AFD-Kreissprecher Renatus Rieger stritt das gegenüber unserer Zeitung ab. Die Gründung eines Ortsverbandes sei für Ende des Jahres geplant. Gast des Treffens am Dienstag ist der AFD-Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk, der vor einiger Zeit zu einem Boykott türkischer Läden in Deutschland aufrief. Im Juli war Martin Renner, der dem Rechtsaußen-Flügel der Partei zugerechnet wird, zum AFD-Stammtisch in Moers eingeladen.

„Auch in Moers versammeln sich Menschen, um rechten Hasspredigern, die Angst schüren, zuzuhören“, heißt es in dem Demo-Aufruf, der zunächst für Missverständnisse gesorgt hatte, weil er textlich ganz auf die AFD abzielt, bei Facebook aber mit einem Foto der Nazi-Schmierereien bebildert ist. „Das hat miteinander nichts zu tun“, stellte am Donnerstag Hans Hanke gegenüber unserer Redaktion klar. Der SPD-Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim, der eine Teilnahme an der Protestveranstaltung zugesagt hat, betonte: „Ich werde mich nicht auf eine Demo gegen die AFD stellen.“ Er wolle gegen Hass und Hetze und die Schändung der Stolpersteine protestieren. Ähnlich äußerte sich Ratsmitglied Claus Peter Küster (Grafschafter), der die Demonstration ebenfalls unterstützen will.

„Wir wollen rechtsradikales Denken und Handeln nicht hinnehmen. Wir wollen, dass Moers eine weltoffene und tolerante Stadt bleibt. Wir treten für eine wehrhafte Demokratie ein“, heißt es weiter in dem Aufruf des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. Die Demonstration beginnt am Dienstag, 28. August, um 18.30 Uhr am Königlichen Hof.