Band-Contest : Indie-Pop für eine bessere Welt

Die Einmann-Band JIP unterlegt ihre Songs mit sozialkritischen und persönlichen Texten, um damit anzuecken.

Im Song „Assholes Fly“ ist der Refrain eine Frage: „Where Is Our Better World?“ Die Zuhörer wissen, wer gemeint ist, die fliegen, auch wenn die Präsidenten Donald Trump, Vladimir Putin oder Kim Jong Un nicht namentlich genannt sind, die für die Band JIP für die machtbesessenen Egoisten stehen, die Menschenrechte missachten und Rassismus fördern. In den Sozialen Medien lässt sich der Song nicht finden. „Facebook hält den Song nicht für politisch neutral“, erzählt Jörg Klotzbach. „Ich halte das für Zensur, die der Kunstfreiheit widerspricht.“

Er ist zurzeit die Band JIP, die zunächst eine Familiengruppe war, als sie 2011 gegründet wurde. Der Name der Band besteht aus den Anfangsbuchstaben seiner Kinder. „Mittlerweile sind sie ausgestiegen“, erzählt Jörg Klotzbach, der heute die Einmann-Band JIP ist, in der er zu Gitarre und Cajon singt. „Wahrscheinlich ist es ganz normal, sich von den Eltern abzugrenzen.“

Auch er grenzte sich von der Generation seiner Eltern ab, nachdem er als 14-Jähriger am 15. September 1980 ein Konzert der Gruppe Kiss in der Dortmunder Westfalenhalle besucht hatte, das gleich zweimal kurzfristig verlegt worden war. „Gitarren haben gebrannt, Musiker sind durch die Halle geflogen und die Konfettikanonen waren im Einsatz“, erinnert sich der einstige Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Rheinhausen an das Erlebnis, für das er 20 Mark für die Konzertkarte ausgegeben hatte.

Nach dem Konzert gründeten Mitschüler und er eine Schülerband, lernten aber nicht auf E-Gitarren „I Was Made For Lovin‘ You“ zu spielen, sondern auf Akustik-Gitarren Akkorde zu greifen. „Wir haben in unterschiedlichen Musikschulen gelernt“, blickt Jörg Klotzbach zurück. „Als Schülerband sind wir nie aufgetreten.“

Während seines Studiums schloss er sich einer Rheinhausener Rockband an, um über weitere Gruppen Mitte der 90er Jahre zur Brit-Pop-Gruppe „Look No Sheep“ in Mülheim an der Ruhr zu wechseln. „Wir waren gefragt“, blickt der Musiker zurück. „Die Veranstalter haben bei uns angerufen. Doch als der Sänger ausgestiegen ist, war alles vorbei.“

So legte Jörg Klotzbach, der als Fachkraft für Veranstaltungstechnik und Musikfan alle drei Seiten der Bühnenwelt kennt, eine Pause ein. Doch der Sonsbecker, der er seit 20 Jahren ist, konnte ohne Auftritte nicht leben. „Ich singe, um meinen unendlichen Spaß am Musikmachen weiterzugeben“, erzählt er. „Einmal habe ich schon als Straßenmusiker in Shanghai in China gespielt, als ich dort beruflich unterwegs war. Ich spiele einfach gerne.“

Vor acht Jahren gründete er die Band JIP, um wieder zur Akustikgitarre zurückzukehren.

„Ich schreibe die Songs selbst“, erzählt er über seine Lieder, mit denen er nicht selten aneckt. „Sie sind politisch, sozialkritisch und oft persönlich. Sie wollen wachrütteln, nachdenklich machen. In den Songs geht es um machtbesessene Egoisten, um den Kampf gegen Ausgrenzung, Rassismus und Umweltzerstörung, aber auch um Hoffnung und Liebe, um eine friedlichere Welt.“

Musikalisch verbindet Jörg Klotzbach die Aussagen, die alle seine Songs auf Englisch haben, mit Indie-Pop, Folk und Rock. Beispielsweise auch wenn der Sänger und Songschreiber am 29. Juni beim vierten Acoustic Plaza in Xanten auftritt.

Er hat dieses Konzert auf der Heinz-Trauten-Promenade im Hafen der Xantener Südsee, das um 19 Uhr beginnt, auch selbst organisiert: „Akustische Gitarrenmusik ist nicht Mainstream, hat aber seine Fans.“

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