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Moers: "Das Sicherheitsgefühl der Menschen ist sehr wichtig"

Moers : "Das Sicherheitsgefühl der Menschen ist sehr wichtig"

Michael Klein will mit dem Verein IFIKS über Kriminalprävention informieren und beraten.

Fragen zur Sicherheit und Kriminalprävention haben es Michael Klein angetan. "Ich habe eine hohe Affinität zu dem Thema", sagt der Scherpenberger über sich. Als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Düsseldorf hat er lange Zeit die Geschäfte des Kriminalpräventiven Rats in der Landeshauptstadt geführt. Derzeit studiert der 49-Jährige berufsbegleitend Kriminologie und Polizeiwissenschaft in Bochum.

Klein ist zudem geschäftsführender Vorsitzender des Instituts für Integrierte Kommunale Sicherheitspolitik und Präventionsmanagement (IFIKS), eines Vereins, den er zusammen mit sechs Gleichgesinnten gegründet hat. Der Verein will rund um das Thema Sicherheit und Kriminalprävention beraten und informieren. "Mittelfristig wollen wir Workshops und Seminare zum Selbstkostenpreis anbieten", sagt der 49-Jährige, der aus Düsseldorf stammt und vor einem Jahr mit Frau und vier Kindern nach Moers gezogen ist.

Der Wohnraum in der Grafenstadt sei vergleichsweise preiswert und die Lebensqualität hoch, findet Klein. Am Sicherheitsgefühl der Menschen lasse sich allerdings noch arbeiten. Bestes Beispiel: Die Debatte nach Einführung der Nachtabschaltung der Laternen. Die Initiative "Licht an!" findet regen Zulauf, viele fürchten eine Zunahme der Kriminalität, manche meinen, dies bereits registrieren zu können. "Es ist legitim, wenn eine Stadt Geld sparen will", sagt Klein angesichts der Bürgerproteste. Aber das Bedürfnis nach Licht sitze tief in der menschlichen Seele. "Mit der Nachtabschaltung hat sich Moers einen Bärendienst erwiesen."

Das Sicherheitsgefühl der Menschen sei in der Kriminologie "mindestens genauso wichtig" wie die tatsächliche Sicherheitslage. Es gebe Studien, die zeigten, dass das Sicherheitsgefühl Wirkung auf die Kriminalität habe: Wer sich sicher fühlt, werde "nicht so schnell Opfer" - zum Beispiel weil er gegenüber anderen selbstbewusster auftritt. Dagegen könne ein Gefühl der Unsicherheit zu "merkwürdigen Reaktionen" führen. Klein nennt Viertel in Berlin, die als "No-go-Areas" gelten. "Dort halte sich nur noch Randgruppen auf. Sie tun keinem etwas, aber trotzdem fühlen sich die Menschen unsicher."

Die Information der Menschen sei wichtig. Natürlich sei es falsch, nun jedes nächtliche Delikt auf die Abschaltung der Laternen zurückzuführen. Aber die Angst müsse ernst genommen werden, ebenso wie wie die Tatsache, dass viele ältere Frauen sich fürchten, von Kriminellen überfallen zu werden, während statistisch betrachtet vor allem junge Männer Opfer von Gewalt würden. Oder die Angst vor nächtlichen Hauseinbrüchen, obwohl Einbrecher meist tagsüber kommen.

Am Donnerstag wird Michael Klein Gast der Mitgliederversammlung der CDU Moers sein. "Braucht Moers wieder einen kriminalpräventiven Rat?" lautet der Titel seines Vortrags. 2011 wurde das bei manchen als Quasselbude verschrieene Gremium in Moers abgeschafft - eine Sparmaßnahme. "Ich finde es nützlich, über so ein Gremium die Akteure zu vernetzen", sagt Klein. Er lenkt den Blick auf den Kriminalpräventiven Rat in Düsseldorf, wo regelmäßig Fraktionen, Polizei, Fachämter, Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Seniorenvertreter und andere Gruppen über Probleme "von Taschendiebstahl bis zum Missbrauch von Kindern" diskutieren und gemeinsam nach Abhilfen suchen. Ein eigener Etat stehe für die Umsetzung von Maßnahmen zur Verfügung. Nicht nur zum Schutz von Opfern, so Klein, sondern auch, um Menschen eine Chance zu eröffnen, nicht in die Kriminalität abzugleiten.

(RP)