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Moers: „Das riecht nach Abzocke“

Moers : „Das riecht nach Abzocke“

Vor allem ältere Besucher des Wochenmarktes, die mit dem Rad kommen, nutzen gerne die Abkürzung durch den Park. Doch das ist verboten - und wird von den beiden Fahrradpolizisten streng überwacht und geahndet.

Zweimal in der Woche ist in der Moerser Innenstadt Markt — dienstags und freitags. Dann ist die Stadt voll, und Autofahrer finden nur mit Glück einen Parkplatz. Also kommen viele mit dem Fahrrad zum Markt. So macht es auch Marlene Gehringer. Die Rentnerin kommt immer auf dem Rad zu ihrem wöchentlichen Marktbesuch. Das kann jetzt aber teuer werden — zumindest wenn sie durch den Park fährt. Dort herrscht nämlich ein Fahrverbot für Radler.

Gezieltes Warten

Dass besonders an diesen beiden Tagen viele Radfahrer in der Grafschaft unterwegs sind, ist auch der Polizei nicht verborgen geblieben. Die beiden Moerser Fahrradpolizisten patrouillieren auch im Park. Die Fahrradstreife sei besonders dienstags und freitags Vormittags verstärkt in und um den Stadtpark zu sehen, sagen Radfahrer. Marlene Gehringer kommt es so vor, als würden die Fahrradpolizisten auf die Marktkunden warten, die nach dem Einkauf nichtsahnend mit ihren Taschen auf dem Rad durch den Park nach Hause radeln. "Das riecht nach Abzocke", sagt auch Radfahrer Willi Sauerborn.

Dass Radfahrverbot im Schlosspark stößt besonders bei älteren Radfahrern auf Unverständnis. "Der Park ist morgens doch fast menschenleer. Da behindere ich doch niemanden", sagt Marlene Gehringer. Radler, die etwa aus Hülsdonk in die Stadt zum Markt fahren möchten, müssen durch das Fahrverbot im Park einen weiten Umweg in Kauf nehmen, möchten sie kein Bußgeld riskieren. An Markttagen nutzen trotzdem viele — besonders ältere Menschen — die Abkürzung durch den Park. Allerdings ist das Radfahren im Park nun einmal verboten, und die Kontrollen rein rechtlich legitim, sagt Sabine Vetter, Polizei-Pressesprecherin. "Dass die Kollegen gezielt Streife im Park fahren, um Radler abzukassieren, stimmt definitiv nicht." Es ginge allein um die Verkehrssicherheit.

"Aber am Wochenende, wenn Jugendliche mit ihren Mofas hier durchfahren, ist keiner von den Fahrradpolizisten zu sehen. Es ist ja auch einfacher, ältere Menschen abzukassieren, als sich am Wochenende mit Jugendlichen auseinanderzusetzen", sagt ein Anwohner des Stadtparks. "Die älteren Menschen wollen doch nur zügig und sicher mit dem Rad zum Markt, statt einen großen Umweg in Kauf zu nehmen", ergänzt Willi Sauerborn, dem das Park-Fahrverbot gar nicht bekannt war. "Davon weiß ich gar nichts. Schilder habe ich keine gesehen." Der Rentner wohnt auf der Filderstraße und kommt immer mit dem Rad durch den Park zum Markt. Sauerborn: "Ich fahre doch nicht extra einen Riesenumweg." Angemerkt

(RP)