Unsere Woche: Das Desinteresse an der Wahl

Unsere Woche : Das Desinteresse an der Wahl

Die Bürger von Neukirchen-Vluyn sind am 13. September aufgerufen, ihren Bürgermeister zu wählen. Bis dahin ist es noch einige Zeit hin, und der Wahlkampf ist noch nicht in die heiße, eigentlich noch nicht einmal in die warme Phase geraten. Die übrigen Parteien, die im Rat vertreten sind - Grüne, NV AUF geht's, FDP und Piraten - scheint der Wahlkampf auch kühl zu lassen. Dass sie keinen eigenen Bewerber für das Amt aufgestellt haben, ist nachvollziehbar. Dass sie keinen Kandidaten unterstützen wollen, zeigt ein erstaunliches Desinteresse. Wie sollen Nicht-Wähler motiviert werden, wenn offenbar selbst die Politiker keine Meinung zur Wahl haben? Spielt es denn gar keine Rolle, wer die Verwaltung der Stadt in den nächsten Jahren führen wird?

Der Bürger solle eigenständig entscheiden, dieser Satz war gleich von zwei der kleinen Parteien zu hören. Das klingt auf gönnerhafte Weise hehr und demokratisch. Aber es gehört auch zur Demokratie, dass Parteien zur Willensbildung des Volkes beitragen, wie es im Grundgesetz heißt.

Klaus Wallenstein, Chef der NV AUF geht's-Fraktion, erklärt gleich die ganze Wahl zum Witz: Egal, wer da oben sitze, bewegen könne man wegen der Strukturen in Bund und Land sowieso nichts. Warum macht jemand, der so denkt, überhaupt Politik? Wegen der bunten Luftballons an den Wahlständen?

Die FDP, sagte ihr Ortsvorsitzender Norbert Wehren, habe sich noch nicht erschienen. Für ihn ist der entscheidende Punkt die Frage, ob ein großer Nahversorger auf Niederberg entsteht. Den möchten Wehren und viele Geschäftsleute in Vluyn nicht, weil sie Folgen für den Handel im Ortskern fürchten.

Man kann Wehren natürlich vorwerfen, er mache Klientelpolitik, aber immerhin zeigt er damit, dass ihn wirklich interessiert, wofür der künftige Bürgermeister steht. Die kleinen Fraktionen kennen die beiden Kandidaten gut, sie haben oft mit ihnen beraten, sie können sie vermutlich besser fachlich und persönlich einschätzen als der Normalbürger. Warum nicht den Menschen klar sagen, wen von beiden man für den Besseren hält? stefan.gilsbach@rheinische-post.de

(RP)
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