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Coronavirus verunsichert die Moerser

Coronavirus : Ansturm auf Atemschutzmasken

Coronavirus: Am Donnerstag traf sich ein Koordinationskreis im Kreishaus Wesel. Bisher gibt es keinen bestätigten Fall im Kreis. Atemschutzmasken und Desinfektionmittel seien so gefragt, wie nie, berichtet Apotheker Simon Krivec.

Normalerweise verkauft Simon Krivec, Inhaber der Adler-Apotheke in Moers, in seiner Apotheke rund 20 Atemschutzmasken in einer Woche. „Seit Anfang dieser Woche haben wir bereits rund 2000 Stück verkauft“, berichtet der Apotheker. Viele Menschen seien verunsichert wegen des Coronavirus und fragen nach Rat, wie man sich am besten schützen könne. Oder eben nach Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel. Dabei gäbe es keine sicheren Belege dafür, dass ein Mundschutz gesunden Menschen als allgemeine Vorsichtsmaßnahme Schutz bietet. „Das sagen wir auch unseren Kunden“, so Krivec. „Viel sinnvoller ist ein gute Handhygiene, die sogenannte ‚Husten- und Nies-Etikette’ sowie Abstandhalten zu Erkrankten.“ Diese Schritte seien aber auch zum Schutz vor Grippe und Infekten angeraten.

„Derzeit haben wir bei uns noch sowohl Mundschutz als auch Desinfektionsmittel vorrätig, geben diese aber nur noch kontingentiert raus. Wir müssen auch unseren eigenen Bedarf decken können. Zum einen müssen die Mitarbeiter ausreichend geschützt werden und zum anderen ist der Bedarf bei uns eh schon recht hoch, da wir selbst Medikamente herstellen und dabei höchste Hygienemaßnahmen einhalten müssen.“ Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel seien derzeit nur schwer erhältlich und die Preise dafür seien in den letzten Wochen rapide gestiegen. „Desinfektionsmittel stellen wir daher nun selbst her. Die WHO gibt Leitlinien, welche Stoffe zur Herstellung verwendet werden müssen.“

Dr. Med. Petra Niewind-Knepper ist Fachärztin für Allgemeinmedizin. In ihrer Praxis am Moerser Neumarkt kam bis jetzt noch kein Patient, der befürchtete, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben. „Es gab aber Patienten, die verunsichert waren und um Rat bezüglich Reisen oder Schutzmaßnahmen baten“, berichtet die Ärztin. Für den Fall, dass wirklich mal ein Verdachtsfall in der Praxis auftauchen sollte, sei man mit Schutzkitteln und -masken ausgerüstet.

Nach den inzwischen sechs bestätigten Fällen in Nordrhein-Westfalen und einem ersten Verdachtsfall in Moers (wir berichteten) wächst die Sorge vor dem Coronavirus. Im Kreishaus Wesel kam am Donnerstag ein Koordinierungskreis, bestehend aus Gefahrenabwehr, Gesundheitswesen und Pressestelle zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. „Zunächst wurde die aktuelle Lage sowohl in ganz NRW als auch im Kreis aufbereitet“, so Anja Schulte, Pressesprecherin des Kreis Wesel. „Wir haben bis zum jetzigen Stand keinen bestätigten Corona-Fall.“ Das Gesundheitswesen informierte die Teilnehmer über den Ablauf bei einem Corona-Verdachtsfall.

Demnach wird zunächst ein Abstrich bei der betroffenen Person genommen und dieser an ein Labor zur Untersuchung geschickt. Eine Liste mit zuständigen Laboren wurde den Ärzten und Krankenhäusern übermittelt. Die Ergebnisse der Laboruntersuchung werden an das Gesundheitsamt übermittelt. Hier werden die Ergebnisse verifiziert und an das LZG (Landeszentrum Gesundheit) Nordrhein-Westfalen übermittelt. In Absprache mit dem LZG wird dann das weitere Vorgehen besprochen.

„Je nach Lage wird individuell entschieden, ob eine häusliche Quarantäne oder ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll ist“, so Schulte. „Das hängt davon ab wie der Gesundheitszustand des Patienten ist und ob es zu behandelnde Symptome gibt.“ Sollte es zu einer großen Anzahl infizierter Menschen im Kreis kommen, müsse die Lage neu beurteilt werden.

Auch die Niag ist mit einem ausführlichen Notfallplan auf Epidemien und ähnliches vorbereitet. „Hiermit stellen wir vor allem den Betrieb im ÖPNV sicher, zum Beispiel bei Ausfällen in der Mitarbeiterschaft. Und natürlich informieren wir unsere Fahrerinnen und Fahrer über die Gefährdungen und das richtige Verhalten. Zugleich halten wir engen Kontakt zu den Behörden im Kreis, um schnell und abgestimmt handeln zu können. Sollten zum Beispiel Schulen geschlossen werden, hätte das Rückwirkungen auf den ÖPNV“, so die Pressestelle der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe.