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Coronavirus: Verdachtsfall in Moers im Krankenhaus Bethanien

Krankenhaus Bethanien : Corona: Erster Verdachtsfall in Moers

Ein Neukirchen-Vluyner ist am Bethanien-Krankenhaus untersucht worden. Der Abstrich wird an der Charité in Berlin untersucht.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich weiter rasant aus. Nachdem am Dienstag bei einem Ehepaar aus Erkelenz das Virus nachgewiesen worden war, gibt es nun einen Verdachtsfall in Moers. Ein Mann aus Neukirchen-Vluyn, Jahrgang 1976, der im „Risikogebiet“ in Italien auf Geschäftsreise war, hat am Mittwoch das Bethanien-Krankenhaus aufgesucht. Dort wurde ihm ein Abstrich genommen, der zur Charité in Berlin geschickt wurde. In ein bis zwei Tagen wisse man, ob es sich tatsächlich um eine Corona-Infektion handelt. Außerdem wurde bei dem Mann eine CT-Untersuchung der Lunge vorgenommen. Dabei sei nichts Auffälliges entdeckt worden.

Bei den meisten Corona-Patienten sei eine leichte Reaktion der Lunge zu beobachten. Sie sei bei dem Patienten nicht feststellbar gewesen, so Bethanien-Pressesprecherin Kathrin Stepanow. Auch habe er kein Fieber gehabt. Deshalb wurde der Mann als nicht behandlungsbedürftig eingestuft und wieder nach Hause geschickt. Er solle jeglichen Kontakt zu anderen Menschen meiden und zu Hause in Quarantäne bleiben. Nur bei einem Behandlungsbedarf würde er im Krankenhaus aufgenommen und die betreffende Station isoliert.

Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Bethanien-Krankenhaus in Moers. Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Gefährlich sei die Corona-Infektion bei Risiko-Patienten mit Vorerkrankungen beziehungsweise dann, wenn eine Lungenentzündung zu den grippeähnlichen Symptomen hinzukomme. Ansonsten sei die Corona-Infektion nicht gefährlicher als eine normale Grippe.

Thomas Voshaar, Chefarzt und Ärztlicher Direktor am Bethanien-Krankenhaus, ist ein Spezialist für Lungenkrankheiten. Er zeigt sich wenig überrascht über die schnelle Ausbreitung des Virus: „In der heutigen Welt ist es nahezu unmöglich, dass eine ansteckende Krankheit lokal beschränkt bleibt. Man konnte davon ausgehen, dass das Virus nicht an den Alpen Halt macht und somit auch nach Deutschland kommt.“ Ebenso sei es nicht verwunderlich, dass jetzt Fälle auftauchen, bei denen man nicht genau sagen könne, wo und wie sich die Personen angesteckt haben.

Das Bethanien-Krankenhaus sei allerdings gut vorbereitet. „Wir haben wöchentliche Sitzungen, bei denen das Coronavirus Thema ist.“ Unabhängig von offiziellen Vorgaben wurden in der Klinik bereits eine große Anzahl Schutzkittel, Schutzmasken und spezielle Antibiotika für den Ernstfall eingelagert. „Das gefährliche bei der Erkrankung ist, dass sich sehr häufig andere bakterielle Erreger wie Pneumokokken auf die Lungen setzen. Daher bekommen alle Patienten mit einer Virus-Lungenentzündung vom ersten Tag an Antibiotika verabreicht.“

Seit der Sars-Epidemie 2002/03 werden in der Lungenklinik Bethanien zusätzliche Beatmungsgeräte gelagert. „Insgesamt sind wir nun mit 60 Stück ausgestattet, das sind drei- bis viermal so viele wie in anderen Kliniken.“

Für den Fall, dass es in Moers und Umgebung sehr viele Fälle mit dem neuen Virus geben sollte, sieht Voshaar nur eine Chance: „Ich persönlich glaube, wenn es wirklich ernst werden sollte, dann müsste man hier im Umkreis Moers und Kamp-Lintfort ein Krankenhaus einrichten, das ausschließlich Corona-Patienten behandelt. Alle anderen Patienten müssten in andere umliegende Krankenhäuser gebracht werden.“ Sonst sei eine weitere Ausbreitung im Krankenhaus nicht zu verhindern.

Grund zur Panik sieht Voshaar nach wie vor nicht, aber es sei wichtig, dass auf Kreisebene Gespräche geführt werden und dabei alle Szenarien durchgespielt werden. Nur so sei man gut vorbereitet und könne der Verunsicherung entgegenwirken. Am Donnerstag wird ein Krisenstab des Kreis Wesel tagen.

Wichtig ist es aus Sicht des Krankenhauses Bethanien, dass Menschen, die befürchten, an Corona erkrankt zu sein, nicht den Haupteingang des Krankenhauses nutzen. Sie sollten unbedingt anrufen (Telefon 02841 200-0), bevor sie kommen, dann werden sie an einem Hintereingang von Mitarbeitern der Zentralen Notfallambulanz in Schutzkleidung abgeholt und in ein spezielles Untersuchungszimmer geleitet, um eine Ausbreitung des Virus zu vermeiden.