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Corona verschäft Müll-Problem in Moers

Container und Mülltonnen quellen über : Corona verschärft Müll-Problem in Moers

Während des Lockdowns ist die Abfallmenge in der Grafenstadt deutlich gestiegen. Besonders das Altpapier bereitet den Mitarbeitern des Entsorgers Enni Probleme. Gleich doppelt kollabiert ist die Altkleidersammlung.

Die Grafenstadt hat ein Müll-Problem – sehr lange schon. Während Entsorger, Verwaltung und Politik in Moers daran arbeiten, selbiges in den Griff zu bekommen und für mehr Stadtsauberkeit zu sorgen, scheint die Corona-Pandemie die Lage verschärft zu haben. Fest steht jedenfalls: Während des Lockdowns ist die Abfallmenge in Moers deutlich gestiegen sind. „Offenbar haben viele Menschen die Zeit zu Hause genutzt, um Keller oder Dachboden aufzuräumen“, sagt Enni-Sprecherin Katja Nießen. „Zumindest war und ist die Sperrgutabfuhr sehr stark nachgefragt.“

Auch die Restmülltonnen waren in den vergangenen Monaten so voll wie lange nicht. Ulrich Kempken, bei der Enni Stadt & Service Abteilungsleiter für Entsorgung und Reinigung, schätzt das Plus auf rund 20 Prozent. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Home-Office und Einschränkungen im Privatleben führen dazu, dass viele mehr Zeit zu Hause verbringen. Restaurantbesuche fallen weg, der Weg in die Kantine ebenso, und viele kochen deutlich häufiger als früher. Das Ergebnis: Die private Müllmenge steigt.

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Gleich doppelt kollabiert ist die Altkleidersammlung: Wegen Corona wurden wochenlang überall Schränke ausgemistet, Kleiderberge verstopften die Container. „Die Lager waren voll, die Preis gingen runter“, sagt Nießen. Gleichzeitig haben Abnehmer Bestellungen storniert. Die Grenzschließungen setzten der Branche zu, denn Altkleider aus Deutschland gehen nicht selten nach Osteuropa oder Afrika. „Die Container der gewerblichen Altkleidersammler sind in Moers mittlerweile alle abgebaut“, sagt Nießen. Die Enni selbst stellt in der Grafenstadt noch 100 Container an rund 60 Standorten. Laut Ulrich Kempken haben sich die Erlöse für das Unternehmen im Vergleich zur Vor-Coronazeit halbiert.

Durch mehr Onlinebestellungen gestiegen ist derweil die Menge an Kartonagen. „Weil es in Moers, anders als bei Glas und Altkleidung, keine Depot-Behälter für Papiermüll gibt, haben viele Kunden ihr Altpapier einfach neben die Blaue Tonne gestellt“, sagt Nießen. „Unsere Mitarbeiter dürfen solche losen Beistellungen aus Gründen des Arbeitsschutzes aber nicht mehr mitnehmen.“ Diesbezüglich sei es in den vergangenen Wochen vermehrt zu Unverständnis bei den Bürgern und zu Beschwerden im Kundencenter gekommen, sagt die Enni-Sprecherin. „Es gilt jedoch: Wenn die blaue Tonne vor der eigenen Haustür voll ist, gibt es die Möglichkeit, den Papiermüll auf dem Kreislaufwirtschaftshof entsorgen.“

Auch auf Letzteren hatte der Lockdown direkte Auswirkungen. Am Jostenhof war der Andrang vorübergehend so groß, dass die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden konnten. In der Konsequenz musste die Enni den Hof für rund vier Wochen komplett schließen. Danach öffnete er zunächst für Grünschnitt und Altpapier, inzwischen können Bürger dort wieder nach vorheriger Terminvergabe sämtliche Abfallarten entsorgen.