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Corona setzt dem Moerser Tierheim zu

Feste mussten abgesagt werden : Corona setzt dem Moerser Tierheim zu

Wegen der Pandemie mussten Feste abgesagt werden. Dadurch fehlen Einnahmen. Das Team arbeitet in zwei getrennten Gruppen. So soll die Betreuung der Tiere nach einer eventuellen Infektion sichergestellt werden.

Aslan ist fünf Jahre alt und lebt seit gut einem Jahr im Moerser Tierheim. Der Kangal-Mischling ist aus sogenannter Sicherstellung: Das Kreis-Veterinäramt hatte das vernachlässigte Tier von einem Schrottplatz geholt und ins Tierheim gebracht. Anfangs war Aslan ein reiner Angsthund, versteckte sich sofort in seinem Zwinger, sobald sich ihm jemand näherte und Schlüssel klimperten. Peter Kuhn, Vorsitzender des Tierschutzvereins Moers und Umgebung, vermutet, dass Aslan immer wieder mit einer Futterschale oder einem Schlüssel geschlagen wurde. Mit dem Kangal-Mischling leben zur Zeit drei weitere Hunde im Moerser Tierheim: Der Cane Corsa Kurt (4), die Pitbull-Hündn Juna (3) und Boxer-Mischlingshündin Bärbel (3). Hinzu kommen rund 30 Katzen und diverses Geflügel.

Vielleicht nimmt das Ehepaar Aslan bei sich auf, das am Donnerstagnachmittag viel Zeit mit dem Hund auf dem großen Gelände am Tierheim verbrachte. Die beiden waren schon länger auf der Suche nach einem Hund, haben sich telefonisch gemeldet. Denn einfach hinfahren und sich die Tiere angucken, das geht seit dem 15. März nicht mehr: Wegen der Corona-Pandemie ist das Heim geschlossen. Wann es wieder öffnen kann, ist ungewiss.

„Corona hat uns zugesetzt“, sagt Peter Kuhn, Vorsitzender des Tierschutzvereins Moers. Das traditionelle Frühjahrsfest und jetzt auch das Sommerfest mussten abgesagt werden, beide Feste auf den drei Freilaufwiesen des Tierheimes am Peschkenhof sind Plattform zum Austausch für die 800 Mitglieder des Tierschutzvereins Moers und Umgebung. Und sie bringen Geld in die Vereinskasse. „Wir haben immer gut umgesetzt. Die Absage wegen Corona hat uns viele Tausend Euro an Einnahmen gekostet“.

Wegen des Virus, der anscheinend auch Tiere treffen kann (in den Niederlanden haben sich viele Nerze mit Covid-19 infiziert), würden zurzeit auch weniger Tiere gebracht: Fundtiere würden zwar gemeldet, viele Finder sagten aber direkt, sie wollten den gefundenen Hund oder die Katze bei sich zu Hause behalten. Denn viele Menschen hatten und haben plötzlich mehr Zeit, weil sie in Kurzarbeit waren und teils noch sind, die Kinder Schulen und Kindergärten nicht besuchen konnten und Beschäftigung brauchten. „Im Herbst schießen die Zahlen der Tiere, die gebracht werden, mit Sicherheit nach oben“, ist Tierheim-Leiterin Nicola Kreuzmann sicher. Denn wenn die Zeit des Homeoffice vorbei ist, Menschen wieder Vollzeit arbeiten gehen, Kinder zur Schule und in den Kindergarten, dann fehle vielen die Zeit, sich um ihr Tier zu kümmern.

Ihre größte Angst während der ersten Corona-Welle war, „dass sich einer von uns infiziert und wir alle unter Quarantäne gestellt werden“, sagt Kreuzmann. Damit das nicht passiert, wurde das Team aus sechs Tierpflegern und zwei Bufdis (junge Menschen im Bundesfreiwiligendienst) in zwei Gruppen geteilt, so dass die Versorgung der Tiere immer gewährleistet ist. Bisher ist alles gut gegangen, Covid-19 hat noch keinen erwischt. „Aber wenn wir tatsächlich mal in Quarantäne müssten, dann hätten wir alle uns 14 Tage hier im Tierheim einquartiert“. Genauer gesagt in dem Einfamilienhaus auf dem Gelände, das heute Geschäftsstelle des Tierschutzvereins ist und in dem alles vorhanden ist: Küche, Bad, Wohnzimmer, Schlafräume. „Die Versorgung der Tiere hatte und hat oberste Priorität“, so Nicola Kreuzmann und Peter Kuhn.