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Corona Moers: 79 Corona-Fälle in Dönerfabrik

Pandemie im Kreis Wesel : Schon 79 Corona-Fälle in Moerser Dönerproduktion

Seit Donnerstagvormittag stehen 43 Personen aus dem Betrieb und deren Umfeld unter Quarantäne. Circa 120 Testergebnisse stehen noch aus. So stellt sich derzeit die Corona-Lage in der Dönerproduktion Öztas dar. Die Produktionsstätte liegt im Moerser Gewerbegebiet.

Die Corona-Lage in der Moerser Dönerproduktion Öztas – und damit im Kreis Wesel – spitzt sich weiter zu: 79 der insgesamt 275 Mitarbeiter des Unternehmens wurden bereits positiv auf das Virus getestet. Das ist der Stand von Donnerstagnachmittag, 14.30 Uhr. Circa 120 Ergebnisse stehen laut der Kreisverwaltung Wesel noch aus.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass es in dem fleischverarbeitenden Betrieb, der Dönerspieße für Imbissbuden herstellt, mehrere Corona-Infektionen gibt. Zunächst war von elf Fällen die Rede, im Laufe des Tages stieg die Zahl auf 17. Am Mittwochvormittag ordnete das Kreisgesundheitsamt deshalb Reihentests aller anwesenden Mitarbeiter am Standort in Moers an. Rund 80 Ergebnisse lagen am Donnerstagnachmittag vor, 62 davon waren positiv. Insgesamt seien bei rund 200 Mitarbeitern Abstriche genommen worden, teilt der Kreis mit. Die Kontaktnachverfolgung laufe auf Hochtouren.

Konkret stehen seit Donnerstagvormittag 43 Personen aus dem Betrieb und deren Umfeld unter Quarantäne. Darunter, heißt es, seien die positiv getesteten Personen und Kontaktpersonen, keine weise bisher die Corona-typischen Symptome auf, nicht alle lebten in Moers beziehungsweise dem Kreis Wesel.

Die Stadt Moers hat am Donnerstag vorsorglich eine Gruppe in einem städtischen Kindergarten geschlossen. In der Kita selber habe es keinen Infektionsfall gegeben, wohl aber im Umfeld eines der Kinder, teilte Stadtsprecher Thorsten Schröder auf Anfrage mit. „Am Freitag wäre die Kita ohnehin in die Sommerferien gegangen.“

Die Gesamtzahl der insgesamt seit Beginn der Corona-Pandemie positiv Getesteten im Kreis Wesel liegt damit jetzt bei 762, die Sieben-Tage-inzidenz steigt auf aktuell 20,2. Am Mittwochmittag lag der Wert, der angibt, wie viele Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage bezogen auf jeweils 100.000 Einwohner gemeldet wurden, bei 5,4, am Dienstag bei 2,6.

„Die bisher vorliegenden Ergebnisse der Reihentestungen bei Öztas führen zu einem deutlichen und noch nicht dagewesenen Anstieg der Infektionszahlen im Kreis Wesel“, sagt Landrat Ansgar Müller. „Um eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus im Kreis Wesel zu verhindern, empfehle ich dringend allen Bürgerinnen und Bürgern, sich an die bekannten Abstands- und Hygieneregeln zu halten und Sozialkontakte möglichst einzuschränken.“

Am Freitag soll die Verarbeitung des noch vorhandenen Rohfleischs von einer kleinen Kernmannschaft bei Öztas abgeschlossen werden – „unter strengsten Hygienebedingungen“, wie es heißt. Danach wird der Betrieb zunächst komplett geschlossen.

Die zunächst 17 positiven Testergebnisse am Mittwoch hatten sich im Rahmen eines vom NRW-Arbeitsministerium vorgeschriebenen Reihentests aller Mitarbeiter in Schlachtbetrieben Anfang Mai ergeben. Seinerzeit seien bei Öztas keine Infektionen nachgewiesen worden sein, sagt der Kreis. Nachgetestet wurden jetzt Personen, die aufgrund von Urlaub und Kurzarbeit nicht am Haupttermin teilnehmen konnten. Die Mitarbeiter von Öztas seien direkt beim Unternehmen und lebten nicht in Sammelunterkünften.

Das bestätigt auch eine Mitarbeiterin des Unternehmens, die namentlich nicht genannt werden will, im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Hygiene- und Arbeitsbedingungen in der Fleischverarbeitung seien grundsätzlich gut, berichtet die Frau. Allerdings werde Arbeitnehmern aus ihrer Sicht der Eindruck vermittelt, auch mit leichteren Krankheits- beziehungsweise Erkältungssymptomen arbeiten zu können. Seit Anfang der Woche sei im Unternehmen bekannt gewesen, dass es Corona-Fälle gibt. Seither wurde bei den Mitarbeitern Fieber gemessen.

Peter Paic, Landratskandidat der SPD im Kreis Wesel, hat sich am Donnerstagmittag zur Berichterstattung zum Abstrichzentrum am Bethanien-Krankenhaus in Moers geäußert.

„Natürlich schockieren uns Bilder wie aus dem Kreis Gütersloh, aber gerade deshalb sollte nicht mit den Ängsten der Menschen im Kreis Wesel gespielt werden“, sagt Paic. „Anders als Bürgermeister Fleischhauer behauptet, hat der Kreis Wesel nicht die Schließung des Screening-Zentrums beordert, vielmehr endet die Beauftragung des Krankenhauses durch den Kreis in Folge einer Gesetzesänderung. Eine Weiterführung des Zentrums durch die kassenärztliche Vereinigung ist damit nicht ausgeschlossen.“ Paic betonte, dass die Kapazitäten der ansässigen Ärzte mehr als ausreichend seien. Die Verlagerung der Tests zurück zu den Ärzten sei ein Schritt in Richtung Normalität. Sollte es zu einer erneuten Verschärfung der Situation durch lokale Ausbrüche kommen, können innerhalb eines Tages die Kapazitäten der noch vorhandenen Testzentren in Dinslaken und Rheinberg wieder ausgebaut werden und Reihentestungen in großer Zahl erfolgen. Zusätzlich ständen mobile Teams zur Verfügung, die bei lokalen Befunden weiträumige Tests durchführen können, um einen erneuten Ausbruch zu verhindern.

Der Kreis Wesel hatte am Donnerstagmittag zunächst acht neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Für die linksrheinischen Städte und Gemeinden wurden folgende Zahlen veröffentlicht (Stand: 25. Juni, 12 Uhr): Alpen (Nachgewiesene Infektionen: 15, davon genesen: 15, gestorben: 0), Kamp-Lintfort (66 / 46 / 7), Moers (161 / 122 / 4), Neukirchen-Vluyn (42 / 38 / 3), Rheinberg (48 / 46 / 0), Sonsbeck (16 / 13 / 3) und Xanten (25 / 23 / 2). Kreisweit gab es am Donnerstagmittag 700 nachgewiesene Corona-Infektionen, davon 596 genesene und 25 gestorbene Personen, so die Kreis-Gesundheitsbehörde am Donnerstag, 12 Uhr. Zahlen, die sich jedoch dann im Laufe des Nachmittags stark veränderten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Corona-Ausbruch bei Döner-Hersteller in Moers