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Corona-Krise: Kreishandwerkerschaft appelliert in Moers an die Politik

Corona-Krise : Kreishandwerkerschaft appelliert an die Politik

Kreishandwerksmeister Günter Bode traf die Landtagsabgeordnete Charlotte Quik und den Landratskandidaten Ingo Brohl. Der „goldene Boden“ des Handwerks bekomme Risse, beklagte Bode. Die Corona-Krise habe die Probleme verschärft.

Kreishandwerksmeister Günter Bode bringt es gleich zu Beginn des Treffens mit Charlotte Quik, CDU-Landtagsabgeordnete, und Ingo Brohl, CDU-Landratskandidat aus Moers, auf den Punkt. Das Handwerk und seine Ausbildungsmöglichkeiten werden zunehmend Stiefkind der Gesellschaft, auch im ländlichen Kreis Wesel. Die Corona-Krise hat die Lage erheblich verschärft.

„Wir machen große Klimmzüge für die Durchschulung der Azubis. Die öffentliche Wahrnehmung für das Handwerk fehlt. Wir müssen uns mehr ins Bewusstsein bringen und das Image pflegen“, konstatiert Bode. „Wenn es allerdings um aktuell diskutierte Themen, wie jetzt zu Corona-Zeiten, um abgesagte Praktikumsplätze oder die veränderte Mehrwertsteuer geht, sind wir gefragt.“

Der bekanntlich „Goldene Boden“ des Handwerks bekommt zunehmend Risse. Aus verschiedenen Gründen. Die Zahl der Ausbildungsverträge ist rückläufig. Das Studium gibt sich für die gymnasialen Schulabgänger verlockender, wenngleich Talent wie Befähigung in eine gänzlich andere Richtung ausschlagen. Bode zum Fachkräftemangel: „Uns fehlen die Indianer, nicht nur die Häuptlinge.“ Auch müssten sich Ausbildungsbetriebe modern aufstellen, um für junge Menschen attraktiv zu sein. Bode: „Wir haben keinen Einfluss auf die Betriebe.“

Die Corona-Krise hat die aktuelle Situation noch verschärft. Friseure oder die Gastronomie haben enorme Einbrüche erlebt. Kritisch wird es in puncto Nachwuchs bei den Metzgern und Bäckern. Bereits abgeschlossene Ausbildungsverträge wurden gekündigt, weil die jeweiligen Betriebe eine gänzlich ungewisse Zukunft vermuten, zurückhaltend agieren und daher auf Sicht fahren.

„Da wird mir Angst“, sagt Bode. Die eigentliche Krise offenbare sich erst im Herbst. Stichworte wie Kurzarbeit fielen. Zwar habe die Wirtschafts- und Finanzkrise vor Jahren bewiesen, über welche Kompetenzen und welches Engagement das kleinteilig aufgestellte Handwerk in Kooperation mit den Bankinstituten verfüge, um den Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Auch jetzt sei das Handwerk noch gut „weggekommen“. Den Fokus legten sie im Verlauf des Gesprächs auf das in Moers ansässige Handwerkliche Bildungszentrum (HBZ), das sich im Umfeld des entstehenden Berufskolleg-Campus Moers behaupten muss. Der Kreis müsse agieren. Rund 1800 Auszubildende erleben zur Praxis im HBZ in Moers die entsprechenden Schulungseinheiten. In ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung, besuchen beispielsweise Kfz-Mechatroniker die Bildungseinrichtung für zehn Wochen, Auszubildende im Friseurhandwerk drei Wochen. Den Erhalt des HBZ wie auch die Ausbildungsmodule sichern die sieben Innungen durch ihre Beiträge.

Eine gebäudliche Modernisierung sei finanziell nicht zu stemmen, wenngleich der Standort am Campus-Gelände ideal sei. Bode: „Mit unserem Gebäude aus dem 1970er Jahren liegen wir links daneben.“ Daher sei es der erklärte Wunsch, vom Kreis Wesel, Land oder Bund finanziell mit bis zu drei Millionen Euro unterstützt zu werden. Die Politik sei bei dieser gefährlichen Gemengelage jetzt gefordert. Benninghoff wandte sich an die Politik: „Wir schaffen wir das nicht mehr alleine. Der Kreis gibt sich jedoch zurückhaltend.“