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Corona in Moers: 20 neue Fälle

Entwicklung der Pandemie : 20 neue Corona-Fälle in Moers

Die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Wesel lag am Montag bei 27,8. In der Grafenstadt gibt es weitere Infektionen an drei Schulen. Rund 100 Schüler wurden in Quarantäne geschickt. Ein Lagebericht.

Die Infektionslage spitzt sich zu, auch im Kreis Wesel und besonders in Moers. 72 Menschen sind im Kreis über das Wochenende positiv auf das Coronavirus getestet worden. „Das ist ein heftiger Sprung“, bestätigt Kreissprecher Max Holtschlag. Offenbar kommt dabei eine flächendeckende Entwicklung in der ganzen Region zum Tragen: „Nach der Information, die wir vom Gesundheitsamt haben, ist das nicht auf ein Cluster-Geschehen zurückzuführen“, sagt Holtschlag. „Alle Fälle sind Einzelfälle oder gehen zurück auf familiäre Häufungen und die Abstriche, die dann im Umfeld durchgeführt werden. Und natürlich auf Abstriche bei Lehrern und Erziehern.“

Allgemeine Entwicklung im Kreis Wesel Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr hat es im gesamten Kreis Wesel bis Montagmittag, 12 Uhr, 1586 Corona-Fälle gegeben. Bis Freitag wurden noch 1514 Fälle registriert. Von allen Betroffenen gelten 1280 Personen als wieder genesen. 33 Menschen aus dem Kreis Wesel sind gestorben. Derzeit gibt es also kreisweit 273 „aktive Fälle“, sprich Personen, die sich wegen einer nachgewiesenen Infektion in Quarantäne befinden. Die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz lag am Montag bei 27,8. Der Wert gibt an, wie viele neue Infektionen pro 100.000 Einwohner es innerhalb der letzten sieben Tage gegeben hat.

Städte und Gemeinden Für die linksrheinischen Städte und Gemeinden im Kreis stellt sich die Lage aktuell wir folgt dar: Alpen (nachgewiesene Infektionen: 25, davon genesen: 20. Gestorben: 0); Kamp-Lintfort (147/118/7); Moers (460/392/5); Neukirchen-Vluyn (85/68/5); Rheinberg (104/93/1); Xanten (70/54/3); Kreis Wesel insgesamt (1586/1280/33), aktuell in Quarantäne: 273.

Die Lage in Moers Allein in der Grafenstadt wurden demnach von Freitag auf Montag 20 neue Corona-Fälle registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Moers damit knapp unter 30. „Entscheidend für mögliche Einschränkungen ist aber nach wie vor der Blick auf den gesamten Kreis“, stellt Stadtsprecher Klaus Janczyk klar. „Das heißt: Werden dort die in der aktuellen Corona-Schutzverordnung hinterlegten Warnwerte von 35 beziehungsweise 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten, müssen sich Vertreter der Stadt, des Kreises, der Bezirksregierung und des Gesundheitsministeriums zusammensetzen, um über Maßnahmen zu beraten und festzulegen.“

Neue Fälle an Schulen Am Gymnasium Filder Benden in Moers wurde eine Lehrkraft positiv auf das Coronavirus getestete. Wie der Kreis am Montag mitteilte, wurde daraufhin für rund 70 Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse und mehrerer Spanisch-Kurse Quarantäne angeordnet. Am Mercator-Berufskolleg ist das Virus bei einer weiteren Person aus der Schülerschaft  festgestellt worden, die allerdings außerhalb des Kreises Wesel wohnt. Alle Personen aus dem Kursus „IN 92“ seien unter Quarantäne gestellt worden, teilt das Gesundheitsamt mit. An der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Moers wurde eine Lehrkraft positiv auf das Coronavirus getestet. Dort stehen seither rund 20 Schüler/innen unter Quarantäne.

Hochzeitscluster in Dinslaken Derweil ist die Nachverfolgung der Kontakte im Zusammenhang mit Infektionen nach einer großen Hochzeitsfeier in Venlo abgeschlossen. Die meisten der Betroffenen kamen aus Dinslaken, einige aber auch aus Moers. „Für uns ist dieses Cluster abgearbeitet“, sagt Kreis-Sprecherin Anja Schulte. Mögliche Infektionsketten, die sich nach diesem Ereignis ergeben haben könnten, seien inzwischen zu lang und zu unübersichtlich, als dass man sie noch feststellen könnte.

„Als wir von dieser Hochzeit erfahren haben, war die ja schon fast 14 Tage her“, erklärt Schulte. Danach habe man eine Reihe von Ansteckungen unter Gästen und „Sekundärinfektionen“ ausmachen können. Aber darüber hinaus könnte es unentdeckt zu Ansteckungsketten gekommen sein, und es gebe immer auch symptomfreie Betroffene: Wenn diese das Virus weitergeben, kommt niemand darauf, woher eine Erkrankung rührt. „Irgendwann, wenn die Infektionsketten so weit gehen, kann man das nicht mehr nachvollziehen“, schließt Schulte. „Wir können das nicht mehr eindeutig zuordnen.“

Landweite Regelungen NRW will angesichts der zahlreichen Corona-Fälle die Zahl der Anwesenden auf privaten Feiern in Gaststätten auf 50 begrenzen. Das kündigte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Sonntag nach einer Sondersitzung des nordrhein-westfälischen Kabinetts in Düsseldorf an.  Die  soll Regelung soll ab dem 1. November gelten.

Sobald die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt in NRW die 50er-Grenze überschreitet, sollen sich dort nur noch bis zu fünf Menschen aus verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen dürfen, kündigte Laschet an. Außerdem sollen in diesem Fall Öffnungszeiten von Kneipen und Restaurants eingeschränkt werden. Für öffentliche Veranstaltungen sollen strengere Obergrenzen für die Teilnehmerzahl gelten. Für Feiern in privaten Räumen soll die Teilnehmerzahl auf 25 begrenzt werden.

In Kommunen, die den sogenannten Vorwarn-Wert von 35 überschreiten, sollen zudem alle Altenheim-Bewohner und das Personal der Einrichtungen einmalig komplett auf das Virus getestet werden, kündigte der Ministerpräsident an. 

Kontrollen Es liegt beim Gesundheitsamt und gegebenenfalls bei den Kommunen, zu kontrollieren, ob Quarantäne-Bestimmungen eingehalten werden – wobei dafür erst einmal die personellen Ressourcen da sein müssen. „Im Moment haben wir sehr viel mit Kontaktverfolgungen zu tun“, sagt Anja Schulte. Nur, wenn daneben noch etwas Zeit und Luft dafür da sei, nutzten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes diese auch für Kontroll- und Beratungsgespräche. Das heißt: Sie beraten Menschen am Telefon, die beispielsweise Fragen zu ihrer eigenen Situation haben. Und sie machen Kontrollanrufe bei Leuten, die unter Quarantäne stehen. Wenn sich ein Verdacht ergebe, dass Bestimmungen verletzt würden, „dann schalten wir die örtlichen Ordnungsämter ein, die auch aufsuchend Quarantänekontrollen machen können“, so Schulte. Ein Verdacht kommt übrigens nicht nur auf, wenn niemand ans Telefon geht. Sondern auch, wenn zum Beispiel Nachbarn oder andere Menschen dem Gesundheitsamt Verletzungen der Quarantänebestimmungen melden. „Das kommt vor“, so Anja Schulte. Sie sagt: „Wir appellieren immer an die Vernunft jedes einzelnen.“ Und sie weist darauf hin, dass Bußgelder fällig werden können, wenn Bestimmungen ignoriert werden.

Testzentrum Im Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung am Moerser Bethanien-Krankenhaus gab es am Montag keine freien Termine mehr. „Mit einem Tag Vorlauf gibt es aber in der Regel immer freie Zeitfenster“, sagt Sprecherin Kathrin Stepanow. Eine Anmeldung ist ausschließlich online möglich. Das geht über die Webseite eines Drittanbieters (www.doctolib.de/testzentrum-covid/moers) oder per App. Dort werden Personendaten abgefragt, außerdem der Test-Anlass. Nutzer können online direkt einen Termin vereinbaren. Die Zeiten: montags bis freitags von 7.30 bis 14 Uhr, mittwochs bis 16 Uhr.