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Comedy Arts: Neue Leiterin hat keine Zeit für Lampenfieber

Interview Betti Ixkes : Keine Zeit für Lampenfieber

Das Comedy Arts Festival findet vom 12. bis zum 15. September unter neuer Leitung in der Enni Eventhalle in Moers statt.

Endspurt vor der großen Premiere als neue künstlerische Leiterin des Comedy Arts Festivals: Betti Ixkes zeichnet erstmals für das viertägige Programm des Humor-Spektakels (12. bis 15. September) verantwortlich. Mit dem bunten Straßentheatertag am vergangenen Samstag bewies die Krefelderin dem Moerser Publikum bereits erfolgreich, welche Richtung sie künftig einschlagen möchte.

Frau Ixkes, in zwei Wochen startet das Comedy Arts. Spüren Sie schon Premierenfieber?

Ixkes Im Moment gibt es noch so viel zu erledigen, die eine oder andere Baustelle, so dass ich gar keine Zeit habe, nervös zu sein. Wir gehen jetzt zum Beispiel mit den Künstlern in die engere Abstimmung. Wann kommen sie in Moers an? Wann findet der Soundcheck statt? Es sind viele Kleinigkeiten, die ineinander greifen. Einmal davon abgesehen, dass die Technik in der Eventhalle sehr aufwendig ist. Aber klar: Kurz vor dem Festival wird das Premierenfieber sicher kommen. Mich erwartet ein neues Publikum. Ich bin gespannt, wie es auf mein Programm reagieren wird.

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Was ist für Sie eigentlich gute Comedy, guter Humor?

Ixkes Ich finde, dass jeder Humor seine Berechtigung hat. Er darf nur nicht auf Kosten der Würde eines anderen gehen. Das gilt für die Stand-up-Comedy, bei der jede Pointe sitzen muss, ebenso wie für Slapstick oder für Produktionen, die Humor mit Tanz und Musik verbinden. Es darf auch politisches Kabarett sein. René Sydow, der mit seinen Worten dort trifft, wo es weh tut, ist ein gutes Beispiel. Er tritt übrigens am Donnerstag bei den exklusiv für Moers kreierten „ReVIERmänners“ auf. Aber auch „Onkel Fisch“ sind sehr politisch geworden.

Ist der Begriff Comedy nicht schon sehr aufgeweicht und bedeutungslos geworden?

Ixkes Die Bezeichnung bezieht sich tatsächlich fast nur noch auf Stand-Up: ein Mann, eine Frau, ein Mikrofon, fertig. Viele verbinden Comedy heute mit den Fernsehformaten. Comedy Arts, übrigens eines der ältesten Festivals seiner Art in Deutschland, heißt aber übersetzt Komische Künste. Ich finde, wir sollten deshalb Arts in Versalien und damit die Kunst groß schreiben.

Und über welche Comedy können Sie nun besonders gut lachen?

Ixkes Sie muss mich überraschen und einen innovativen Ausdruck haben, wenn man mich begeistern will. Ich mag die Verbindung verschiedener Künste: Die Gruppe „Släpstick“ gehört dazu. Sie ist einfach grandios. In dem Programm der Niederländer findet man alles, was das Comedy Arts ausmacht: Musik, Artistik, Slapstick, Interaktion mit dem Publikum und Filminstallationen. Und das bekommt man bei uns alles am Comedy-Sonntag zusammengefasst. Ich habe die Truppe vor zwei Jahren auf dem Fringe Festival in Edinburgh entdeckt.

Das Publikum erlebt Sie ab dem 12. September zum ersten Mal in der Rolle der künstlerischen Leiterin des Comedy Arts Festivals. Gibt es einen Act, der ihnen eine besondere Herzensangelegenheit ist?

Ixkes Ja, doch: Das Engagement von Sissi Perlinger, die den Comedy-Samstag moderieren wird. Diese Frau war für mich ein Erweckungserlebnis. Die komischen Parts für Frauen waren bis dahin die dicke Cousine oder die dumme Augustine. Sissi hat es geschafft, zugleich komisch und super sexy zu sein, und hat es dem Publikum bundesweit gezeigt. Dafür war ich ihr sehr dankbar.

Wie haben Sie eigentlich die Humor-Sparte für sich entdeckt?

Ixkes Ach, da muss ich weit ausholen. Schon mein Vater war im Varieté tätig. Später ist er dann in den Karneval gegangen. Schon als kleines Mädchen hielt ich Büttenreden und war als Tanzmariechen auf der Bühne. Als Erwachsene habe ich mich dem Theater verpflichtet und in Krefeld sogar ein eigenes Wohnzimmertheater etabliert und Festivals wie die sommerlichen „Lachblüten“ und das viertägige Glühwein-Cabarett.

Das Comedy Arts ist ein deutlich größeres Format. Ist das für Sie eine Herausforderung?

Ixkes Es ist eine andere Herangehensweise. Die größte Herausforderung ist, die verschieden großen Produktionen ins Festival einzupassen. Manche sind deutlich aufwendiger wie zum Beispiel „Don Gnu“ aus Dänemark, die mit einer Deutschlandpremiere nach Moers kommt. Die Truppe bringt gleich ein ganzes Filmset mit. Ich möchte dem Publikum einfach zeigen, wie vielfältig die Kunstformen national und international sind.

Sie sind da auch ein bisschen politisch?

Ixkes Gute Humor-Arbeiter gibt es überall. Ich werde immer offen bleiben und lasse mich nicht begrenzen. Vielleicht kann man auch so Scheuklappen entfernen.

Haben Sie zurzeit nur das bevorstehende Festival im Blick? Oder planen Sie auch schon Veränderungen am Format?

Ixkes Ich habe schon Verträge für 2022 geschlossen! Bekannte Künstler muss man schon drei bis vier Jahre vorher buchen. Das Format wird gut angenommen. Ob sich am Gesamtkonzept etwas ändert, hängt von verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel vom Budget ab. Das ist eine Frage, die ich nicht alleine entscheiden kann.