Chris Kramer gastiert in der Röhre Moers.

Musik in Moers : Eine zweieinhalbstündige Liebeserklärung an den Blues

Mundharmonika-Spieler Chris Kramer brachte zum Konzert in der „Röhre“ zwei talentierte Jung-Musiker mit. Das Publikum erlebt einen Mix aus Blues und Beatbox.

„Viel Geld kann man mit Blues nicht verdienen, aber wir lieben ihn.“ „Wir“ das waren in diesem Fall der 49-jährige Mundharmonika-Champion Chris Kramer sowie die beiden Mittzwanziger Sean Athens an der Gitarre und der derzeitige deutsche Beatbox-Meister Kevin O Neal. Die drei gaben am Freitag unter dem Titel „Chris Kramer & Beatbox ‚n‘ Blues“ ein Konzert in der Moerser Kulturkneipe „Die Röhre“ und machten ihrem geliebten Blues dabei eine gut zweieinhalbstündige eindrucksvolle Liebeserklärung. „Hallo Moers“, begrüßte Chris Kramer sein Publikum zu Beginn mit einem freundlichen Lächeln. „Ihr habt sicher schon gemerkt, dass wir anders sind. Wir haben kein Schlagzeug. Das merkt man aber nicht.“ Und so war es auch. Schon beim ersten Song wurde klar, warum, denn der 26-jährige Kevin O Neal schnalzte, trommelte, und rasselte so gekonnt mit Zunge, Kehlkopf und Rachen, dass ein normales Schlagzeug in der Tat gänzlich überflüssig war.

„Das Ganze nennt sich ‚Beatbox‘ und wurde in Amerika von Musikern erfunden, die sich keine teure Drummer-Ausrüstung leisten konnten“, erklärte, er, nachdem er eine weitere beeindruckende Vorstellung seines Könnens gegeben hatte. „Ich habe damit als Zehnjähriger angefangen und übe seither jeden Tag, was auch gut geht, denn schließlich bin ich mit meinem Schlagzeug verwachsen.“ „Ja, und inzwischen ist er darin schon zweifacher deutscher Meister“, ergänzte Chris Kramer: „Aber Sean ist ebenfalls jemand Besonderes. Er ist ein richtiger Killergitarrist.“ Auch das stimmte. Über seine eigenen ungewöhnlichen Fähigkeiten an der „Blues-Harp“ sprach der Meister dagegen eher mit bescheidener Zurückhaltung. Eigentlich sei er schon mit 13 ein Blues-Fan gewesen. Als er dann wenig später eine Mundharmonika bekam, habe er dann einem bekannten schottischen Bluesmusiker in dessen Auftrittspause ganz schüchtern vom benachbarten Klo aus seine drei ersten erlernten Töne vorgespielt. Damit hatte es gefunkt. Offenbar ziemlich heftig, denn gilt Chris Kramer als einer der besten deutschen Blues-Harp-Player. Darüber hinaus spielt er auch noch ausgezeichnet Gitarre und singen kann er ebenfalls. Und witzige Geschichten erzählen. Zum Beispiel von seiner Mama, die in ihrem Zechenhäuschen daheim im Ruhrpott zwischen Hunderten alter Chris-Kramer-CDs hausen muss, und davon nur befreit werden kann, wenn die Besucher in der Pause fleißig CDs kaufen. Oder von der Anziehungskraft der Mundharmonika auf das andere Geschlecht, selbst wenn der Spieler vielleicht nicht unbedingt ein Adonis ist.

So lautete denn auch einer der von Chris Kramer geschriebenen und vorgetragenen Songs: „Lass mich dein Bärchen sein, kuschel mit mir durch die Nacht!“

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