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Chor Joyful Voices aus Moers: Öffentliche Probe im Schlosspark

Musik im Moerser Schlosspark : Die beste Chorprobe – mit Abstand

Die Joyful Voices haben mit Gospel unter freiem Himmel begeistert. Die öffentliche Probe könnte der Auftakt für weitere Konzerte und Kulturveranstaltungen im Moerser Schlosspark sein.

Soundscheck im Moerser Schlosspark. Chorleiter Ernst Ickler und die mehr als 20 Mitglieder des Gospelchores Joyfull Voices haben sich auf der großen Wiese weit voneinander entfernt aufgestellt und wollen mit Abstand das beste Konzert liefern. Ickler stimmt vorher am E-Piano einige Lieder des anderthalbstündigen Probenkonzertes an. Die Chormitglieder greifen zu ihren Mikros und setzen ein. Kleine technische Optimierungen folgen. Alles läuft unter freiem Himmel perfekt. Punkt 13 Uhr geht es schließlich los: Premiere für ein Probenkonzert in Coronazeiten.

„Wir wussten nicht, wie und ob uns diese ungewohnte Probe gelingen kann. Es ist spannend, komisch und toll zugleich. Wir haben so etwas noch nie gemacht. Aber jetzt weiß ich, wir können auch Open-Air“, sagt Ickler nach der kleinen Einsingphase zum Publikum.

Eindringlich ist sein Appell, auf den nötigen Abstand zu achten. Anfängliche Bedenken, wie Wetter, Akustik bei lauen Lüftchen unter alten Bäumen oder zögerliche Publikumsreaktionen stellen sich schnell als völlig unbegründet heraus. Die Probenbesucher richten sich auf mitgebrachten Sitzkissen, Decken und Kühltaschen im Schatten gemütlich ein. Zusätzlich bieten Baumabschnitte Sitzgelegenheiten. Musik erfüllt den weitläufigen Park. Die Gospels klingen bis in die Höhe des Schlosses und machen zusätzlich Parkbesucher neugierig. Erste Lieder wie „Power“ oder „Open the eyes of my heart, I want to see you“ verfehlen ihre Botschaft nicht.

Nur 14 Tage hatte das musikalische Projekt gebraucht, um an den Start zu gehen. Ickler hatte die nötigen Behördengänge gemacht, das Kulturbüro aktiviert und die Volksbank Niederrhein als Sponsor gewonnen. Das Feuerwerk an Ideen, wie Kultur mit Abstand wieder ins Leben zurückkehren kann, erlebte am Samstag seine erfolgreiche Premiere und überzeugte auf ganzer Linie. Dicker Applaus zeigte, wie wichtig diese neuen Kulturformate sind.

„Solche Konzerte sollten unbedingt fortgesetzt werden“, sagt Jutta Orgassa. Im Rheurdter a-capella-Frauenchor „Sound and Soul“ ist sie Mitglied. „Ich habe mich auf dieses Probenkonzert extrem gefreut“, erzählt sie. Monate ohne Chorproben seien für sie wie alle anderen musikalisch Aktiven schwer zu ertragen gewesen. „Da fehlte einfach etwas. Wir wussten alle, warum, aber nicht wie lange. Wir haben die Corona-Bedingungen akzeptiert.“ Für Anne Schulte ist das sommerliche Parkkonzert ein besonderer Moment, der zugleich Einblicke in die Chorarbeit gibt. „Wie viel Arbeit und Mühe in diesen Proben steckt, bekomme ich als Außenstehende sonst gar nicht. Ich bin begeistert“, sagt sie und freut sich. Ein Probenkonzert unter freiem Himmel verlange nicht die Perfektion wie in einem Konzertsaal. Im Gegenteil. Wenn die Musik klinge und die Akustik mit in den Bäumen hänge, „ist es in diesem Ambiente einfach wunderschön.“ Dass sich nach dieser gelungenen Premiere spontan mit anderen Chören eine sommerliche Reihe „Parkkonzert“ entwickeln kann, dafür hat der Gospelchor Joyfull Voices am Samstag Tür und Tor geöffnet.