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Moers: Chinesische Heilkunst künftig für Frauen im St. Josef Krankenhaus

Moers : Chinesische Heilkunst künftig für Frauen im St. Josef Krankenhaus

"Alles Quatsch", dachte Dr. Jens Pagels, als er Lu Yang dabei zusah, wie sie einer Patientin eine Kräuterzigarre an den kleinen Zeh hielt. Seine Meinung hat sich seitdem um 180 Grad gedreht. "Die Wirkung ist irre, das kann man sich gar nicht vorstellen. Das Kind macht Kapriolen im Bauch der Mutter und dreht sich", erklärt der Chefarzt der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im St. Josef Krankenhaus Moers.

So eine Behandlung bei einer Steißlage des Kindes im Mutterbauch hatte er bis dahin noch nicht gesehen. Doch nach diesem und weiteren Tests war der Schulmediziner überzeugt: "Jetzt liebe ich diese Frau. Die Kombination aus Schulmedizin und traditioneller chinesischer Medizin bietet enorme Vorteile. Da prallen zwei Welten aufeinander und das macht den Reiz aus."

Seitdem er mit Lu Yang zusammen arbeitet, beobachtet er, dass die Patientinnen nach Operationen weniger Schmerzen hätten, schneller gesund werden und die Dauer des stationären Aufenthaltes verkürzt sei. "Und unser Medikamentenverbrauch ist stark genug. Weniger Medikamente bedeutet für die Patienten natürlich auch weniger Nebenwirkungen", so Pagels.

Daher setzt die Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im St. Josef Krankenhaus ab sofort auf eine ganzheitliche Behandlung ihrer stationären Patientinnen. Viele Krankheitsbilder können, besonders für Schwangere, neben der modernen schulmedizinischen Behandlungsweise, falls von den Patientinnen gewünscht, zusätzlich und ergänzend auch auf alternativem Weg mit Hilfe der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) therapiert werden.

Zum Behandlungsrepertoire von Lu Yang zählen Akupunktur und Akupressur, chinesische Kräuterheilkunde, chinesische Ernährungslehre sowie Tai Chi. Mit diesen Methoden unterstützt sie das Behandlungskonzept der Klinikärzte bei vielen Frauenkrankheiten.

"Auch bei vorzeitiger Wehen, vorzeitigem Fruchtblasensprung, bei Steißlage des Kindes und anderen Problemen in der Schwangerschaft kann die traditionelle chinesische Medizin helfen", erklärt die chinesische Ärztin, die seit sechs Jahren schon in Deutschland arbeitet. Bisher war sie aufgrund ihrer beschränkten Arbeitsgenehmigung lediglich am Klinikum in Duisburg tätig – nun hat sie eine erweiterte Arbeitserlaubnis.

Daher wird sie fortan auch im St. Josef Krankenhaus behandeln. Für die Startphase ist nun geplant, dass Lu Yang jeden Mittwoch nach Moers kommt und die stationären Patientinnen behandelt, die Interesse angemeldet haben. Die Therapie mit Hilfe der traditionellen chinesischen Medizin wird dann in enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Klinikärzten durchgeführt.

(evo)