Chef des Handesblatts in Moers: „Wir brauchen Visionäre und Macher“

Vortrag in Moers : „Wir brauchen Visionäre und Macher“

Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblatts, war der erster Referent des neuen Formates „Leuchtturmabend“ des Initiativkreises Moers.

130 Moerser besuchten den ersten Leuchtturmabend, zu dem der Initiativkreis Moers in den Enni-Sportpark eingeladen hatte. Zur  Premiere  begrüßte Guido Lohmann als Vorsitzender des Initiativkreises das Publikum.

Für die Premiere hatte der Vorsitzende und Vorstand der Volksbank Niederrhein Sven Afhüppe gewinnen können. Der 47-jährige Volkswirt arbeitete beim Wirtschaftsmagazin Wirtschaftswoche und beim Nachrichtenmagazin Spiegel, bevor er 2011 zur Wirtschaftszeitung Handelsblatt wechselte, um 2015 Chefredakteur zu werden. Er sprach zur „aktuellen Wirtschaftslage Deutschlands im Spannungsfeld weltweiter Krisenherde“.

Dabei zeigte er sich als Analyst, der in globalen Räumen denkt und Deutschland als Teil des europäischen Wirtschaftsraumes sieht, der im Austausch, aber auch in Konkurrenz zu den anderen großen Wirtschaftsräumen steht. „Früher hieß es, wenn Amerika hustet, bekomme Europa einen Schnupfen“, sagte er, dem sich eine Diskussion anschloss. „Jetzt heißt es, Europa bekommt einen Schnupfen, wenn China hustet.“ Wenn dort das jährliche Wirtschaftswachstum nicht mehr sechs Prozent betrage, sondern nur noch vier, mache sich das in Europa und Deutschland bemerkbar, zum Beispiel in der Autoindustrie.

Gefahren für die weltweiteWirtschaft sah er vor allem in der  globalen Verschuldung. 2008. Im Jahr des Bankencrashs habe sie durchschnittlich bei rund 100 Prozent des Bruttosozialproduktes gelegen, heute sei sie auf rund 125 Prozent gestiegen. Wenn ein Land zahlunfähig werde, wirke sich das weitreichend aus.

Für die europäische Wirtschaft sah er die Folgen des Brexits, die Tendenz der Länder, sich nicht an die finanziellen Spielregeln zu halten, sowie die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa. Zudem mahnte er eine europäische Vision an, ein europäisches Programm.

Für Deutschland sah er die Ängste vor Globalisierung und Digitalisierung sowie die schlechte Stimmung, obwohl die Beschäftigungszahl mit 45 Millionen noch nie so hoch und die Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung noch nie so niedrig gelegen habe. Er forderte: „Wir brauchen mehr Visionäre und Macher.“

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