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Caritasverband Moers-Xanten startet mit Kooperationspartnern Hilfsprojekt für Suchtkranke ohne Wohnung

Kreisweites Projekt : Hilfe für Suchtkranke ohne Wohnung

Der Caritasverband Moers-Xanten und das Diakonische Werk im Kirchenkreis Dinslaken haben ihr Hilfsprojekt für Wohnungslose erweitert. Jetzt kümmern sich Sozialarbeiter auch gezielt um Suchtkranke, die auf der Straße leben.

Die Corona-Krise verschafft den Beratungsstellen des Caritasverbandes Moers-Xanten zusätzliche Arbeit. Die Anzahl der Menschen, die Rat und Hilfe brauchen, sei drastisch gestiegen, berichtete am Freitag Claudia Kohler, Leiterin des Fachbereichs „Gesundheit und Soziales“ beim Caritasverband. „Täglich erhalten wir Anfragen“. Es gehe um Menschen, die den Arbeitsplatz verloren haben, denen die Kurzarbeit Probleme bereitet, die sich um Angehörige sorgen, die in der Krise nicht aus noch ein wissen.

Auch für viele suchtkranke Menschen bedeute die Coronakrise eine besondere Bewährungsprobe, sage Caritas-Chefin Brunhild Demmer. Trockene Alkoholiker, die in der Krise in existenzielle Not geraten, drohten, unter der Last rückfällig zu werden. „Zu unserer Klientel zählen viele bildungsferne Menschen“, sagte Demmer. Gerade sie seien in der Corona-Krise besonders von Problemen betroffen.

Die Caritas-Vertreterinnen erzählten dies anlässlich der Vorstellung eines seit Juni laufenden kreisweiten Projekts, mit dem insbesondere suchtkranken Menschen ohne festen Wohnsitz geholfen werden soll. Es ergänzt das bereits im November 2019 ebenfalls kreisweit gestartete Projekt „Endlich ein Zuhause“, bei dem Sozialarbeiter mit einem Bus Orte ansteuern, an denen sich Wohnungslose aufhalten, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu helfen.

Wie dieses Projekt, so wird auch das neue größtenteils über ein Landesprogramm finanziert. Knapp 94.000 Euro gibt das Land für die Einrichtung einer Personalstelle, hinzu kommt ein Trägeranteil von 28.000 Euro. Kooperationspartner des Caritasverbandes ist das Diakonische Werk im evangelischen Kirchenkreis Dinslaken, das auf der rechten Rheinseite bereits eine Drogenberatung hat, während der Caritasverband bisher linksrheinisch eher auf „legale“ Suchtmittel (wie Alkohol oder Spiele) spezialisiert gewesen sei. Mit im Boot ist auch der Kreis Wesel. Dieser gebe bereits selbst eine Million Euro aus, um wohnungslosen und suchtkranken Menschen zu helfen.

Das jetzt auf den Weg gebrachte Projekt schließe eine wichtige Lücke, sagte Michael Maas, Gesundheitsdezernent des Kreises. Bisher sei sehr in „Schubladen“ gedacht worden, Motto: hier die Wohnungslosen, da die Suchtkranken. Aber: Wohnungslosigkeit führe oft zu Suchtproblemen – und Suchtprobleme oft zum Verlust der Wohnung.

Insgesamt 16 Städte und Kreise beteiligen sich an dem Programm des Landes, das besonders dort greifen soll, wo die Probleme vergleichsweise groß sind. Die seien in Großstädten natürlich größer als im überwiegend ländlichen Kreis Wesel, sagte Demmer. „Qualfiziert“ hat sich der Kreis für die Förderung, weil er in einem landesweiten Vergleich der betroffenen Städte ud Kreise unter den ersten 20 – nämlich auf Platz 19 – rangiert habe. Zugrunde gelegt wurden Zahlen aus dem Jahr 2016. Damals habe es im Kreis Wesel 853 wohnungslose Menschen gegeben. Spitzenreiter war Köln mit 5900 Menschen ohne eigenes Zuhause.

Im Rahmen des Projekts kümmert sich Caritas-Sozialarbeiterin Claudia Frank auf der linken Rheinseite um suchtkranke Wohnungslose, auf der rechten sind es Christina Biederbeck und Jonas Egelkraut vom Diakonischen Werk Dinslaken. Es gehe darum, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen, Vertrauen aufzubauen, Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen und anzubieten. Dabei sucht Frank nicht nur die Treffpunkte ihrer Klientel auf. „Ich gehe auch in die Wohnungen von Menschen, denen gekündigt wurde oder die in prekären Verhältnissen leben.“ Der Kontakt entstehe oft auch durch Angehörige, die sich um Familienmitglieder sorgen und sich deshalb an den Caritasverband wenden.

Das Hilfsprojekt ist zunächst auf 18 Monate beschränkt, eine Verlängerung sei möglich. Parallel ist noch mindestens bis November der Bus mit Sozialarbeitern in der Region unterwegs. Die bisherigen Erfolge des Bus-Teams sind allerdings eher bescheiden. Von der Straße sei noch niemand geholt worden, sagte Claudia Kohler. Das liege an der Corona-Krise, die die Kontaktaufnahme sehr erschwert habe. „Wir hatten zu nichts Zugang.“ Mancher Obdachloser habe sich gescheut, zum Beispiel eine Notunterkunft aufzusuchen, aus Angst, sich dort mit dem Coronavirus zu infizieren. „Wir haben dann Schlafsäcke verteilt. Aber immerhin, so Kohler: „Einzelnen Menschen haben wir Wege ebnen können.“