Caritasverband feiert 50-jähriges Bestehen

Soziales am Niederrhein: Caritasverband feiert 50-jähriges Bestehen

Gestern auf den Tag genau, am 26. Februar 1969, wurde der Caritasverband für den damaligen Kreis Moers gegründet.

Die Caritas zählt heute in der Liga der freien Wohlfahrtsverbände der katholischen Kirche zu den Spitzenverbänden. In diesem Jahr steht das 50-jährige Bestehen des Caritasverbandes Moers-Xanten als selbstständiger Träger an. Ab dem 24. Juni wird die Gründung mit einer Festwoche gefeiert.

Erste Presseberichte existieren schon 1923 über das Caritasbüro an der Moerser Haagstraße 26. Richtig Fahrt nimmt die Arbeit der Nächstenliebe mit Propst Hermann Feldhaus 1969 auf. Er gründet für den Kreis Moers den Caritasverband, der im Zuge der kommunalen Neuordnung 1975 in Caritasverband Moers-Xanten umbenannt wird. Eugen Seraphim legt ab 1972 als hauptamtlicher Geschäftsführer die Basis für die Geschäftsfelder der Alten- und Familienhilfe und das Angebot „Essen auf Rädern“.

1977 werden die ersten Sozialstationen gegründet, die Erziehungshilfe in Rheinberg eingerichtet. „Das waren damals Schlüsselelemente“, sagt die Vorstandsvorsitzende Brunhild Demmer. Auf „katholische Weise innovativ“, so Demmer, hat der Verband nach entsprechenden Umstrukturierungen und dem Aufbau von Fachbereichsleitungen sich an den Erfordernissen der Zeit – besonders ab 2004 mit dem Geschäftsführer Henric Peeters – immer wieder neu aufgestellt. Zu erinnern ist an die Einrichtungen des Offenen Ganztags. Kamp-Lintfort erhält in Kooperation mit der Kirchengemeinde St.-Josef den Cari-Treff. 2009 wird das zweite Seniorenzentrum in Betrieb genommen. Parallel dazu startet der Umbau des Caritas-Hauses St. Hedwig für Menschen mit Demenz.

Der demografische Wandel gehört zu den Herausforderungen wie auch die Bereitstellung von immer neuen Unterstützungsleistungen. Früh wurden auch die Angebote für psychisch kranke Menschen mit Beratungsdiensten und Kontaktstellen aufgebaut. „Wir konnten damals Akzente setzen“, so Demmer. Aus einem ehrenamtlichen Vereinsvorstand wird 2017 ein hauptamtliches Gremium, dem ein Caritasrat zur Seite steht. Ein kaufmännischer Vorstand sorgt im digitalen Zeitalter für schlanke Verwaltungsstrukturen.

„Die Dinge verlangsamen sich nicht“, sagt Demmer mit Blick auf das aktuelle Verbandsgeschehen. „Wir stehen mitten im Leben. Die wechselnden rechtlichen Rahmenbedingungen geben uns das Tempo vor.“ So forderte die Unterbringung der Flüchtlinge ab 2015 den Caritasverband zusammen mit den Kommunen heraus. Brunhild Demmer konstruiert in Anbetracht der vielfältigen Aufgaben ein „Was-wäre-wenn-Szenario“ und der Caritasverband spontan seine Arbeit einstellen müsste. „1008 Menschen wären ohne Arbeit“, so Demmer über das Ausmaß als Arbeitgeber in der Größe eines mittelständischen Betriebes. 6000 Menschen, die die Caritas-Hilfen, die ambulanten wie stationären Pflegeeinheiten in Anspruch nehmen, wären ohne jegliche Versorgung und Betreuung. Durchschnittlich 1380 Kontakte pro Tag zählt eine Sozialstation. „Im Schulbetrieb wären in unserem Verbandsgebiet 1500 Kinder in 14 Grundschulen und zwei weiterführenden Schulen ohne Begleitung“, so Demmer. Ähnlich hoch die Zahlen im Bereich Gesundheit und Soziales.

„Wir bleiben vom Selbstverständnis her ein Teil der katholischen Kirche“, sagt Demmer. Nicht im Stillen passiert die Verbandsarbeit, sondern die Caritas sieht sich als „Seismograph“ für gesellschaftliche Entwicklung, ist Gesprächspartner in der kommunalen wie regionalen Politik, Mitglied in entsprechenden Ausschüssen. Demmer: „Das macht den Unterschied zum reinen Dienstleister aus. Wir bleiben nah an den Menschen und mischen uns früh ein.“

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