Moers: Bunter Tisch diskutiert über Rassismus

Moers: Bunter Tisch diskutiert über Rassismus

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist keine deutsche Erfindung, doch wenn die "Internationalen Wochen gegen Rassismus" vom 15. bis 28. März auch weltweit begangen wurden, machen sie doch die millionenfache Verfolgung der Juden, Zigeuner und anderer unliebsamer Personengruppen während des Hitler-Regimes heute nicht harmloser. Wie aber konnte der Rassismus damals so schrecklich eskalieren? Und wäre eine solche Eskalation heute auch wieder möglich?

Nicht mit erhobenem Zeigefinger

Mit diesen Fragen beschäftigte sich die vierte und letzte Veranstaltung, zu der der "Bunte Tisch Moers" anlässlich der diesjährigen "Internationalen Wochen gegen Rassismus" am Freitag in sein Domizil in der Kornstraße 3 eingeladen hatte. Unter dem Titel "Steckt nicht in jedem von uns ein Rassist?", galt es an diesem Abend, weniger den anderen als seinen eigenen Vorurteilen auf die Schliche zu kommen.

Allerdings wollte man das nach Möglichkeit nicht mit dem erhobenen Zeigefinger tun, sondern auf eine unterhaltsame, lockere Weise, ohne dabei jedoch den Ernst des Themas zu kurz kommen zu lassen. Kein leichtes Vorhaben, zumal der Abend schon zu Beginn von einer vor kurzem stattgefundenen Veranstaltung der Moerser Senioren Union überschattet wurde. Die hatte zu ihrer letzten Sitzung als Referenten den Mitbegründer der islamkritischen Organisation "pro NRW" Dr. Christoph Heger eingeladen und damit zahlreiche, in Moers lebende türkische Mitbürger brüskiert.

Die Begründung der Senioren Union, man habe nichts über Hegers Rolle bei "pro NRW" gewusst, wirkte nicht nur auf den Vorsitzenden des "Bunten Tisches" Amar Azzoug ziemlich unglaubwürdig. Auch der am Freitag in der Kornstraße anwesende Moerser SPD-Landtagskandidat Ibrahim Yetim sowie der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Achmed Temel mochten den Moerser Unionssenioren nicht glauben.

"Das ist für eine demokratische Partei beschämend", erklärte Temel zum Auftakt des Abends in einer kurzen Ansprache, nachdem Amar Azzoug zuvor "im Namen der Menschen, die hier wohnen" erneut eine Entschuldigung von der Moerser CDU verlangt hatte.

Der CDU-Landtagskandidat Bruno Vinschen wollte an diesem Abend zwar auch kommen und an der Diskussion teilnehmen, hatte dann aber aus Krankheitsgründen kurzfristig abgesagt. Am Ende ließ man sich dann aber doch den Abend nicht länger von dem Ärgernis verderben und genoss den abwechslungsreichen Mix aus originellen Rollenspielen, Filmen, Vorträgen, Diskussionen und musikalischen Beiträgen, der von den Mitarbeitern des "Bunten Tisches" für diese Veranstaltung im Haus an der Kornstraße zusammengestellt worden war.

(RP)