Bürgermeisterkandidat: Die SPD ist jetzt am Zug

Meinung : Bürgermeisterkandidat: Die SPD ist jetzt am Zug

Claus Peter Küster will einen weiteren Versuch unternehmen, Chef im Moerser Rathaus zu werden. Die Frage ist: Was bedeutet das für die alles andere als nach Plan verlaufende Kandidatensuche bei den Sozialdemokraten und das ursprünglich avisierte Bündniskandidatenprojekt?

Liebe Mitmoerser, eigentlich macht die Politik gerade Sommerpause. In Moers wird sich trotzdem weiter fleißig für die Kreistags-, Stadtrats- und Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr in Stellung gebracht. Dreimal hat Claus Peter Küster bereits für das Bürgermeisteramt kandidiert, dreimal musste er sich geschlagen geben. Jetzt will er einen weiteren Versuch unternehmen, Chef im Moerser Rathaus zu werden. Die Grafschafter haben sich in dieser Woche bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einstimmig für seine Kandidatur im Herbst 2020 ausgesprochen. Offiziell nominiert wird er Ende des Jahres. Die Frage ist: Was bedeutet das für die alles andere als nach Plan verlaufende Kandidatensuche bei den Sozialdemokraten und das ursprünglich avisierte Bündniskandidatenprojekt?

Wir erinnern uns: Vor gut zwei Wochen hat der designierte SPD-Kandidat Detlef Raabe zurückgezogen. Raabe – gebürtiger Moerser und Bereichsleiter „Organisationspolitik“ in der Verdi-Bundesverwaltung in Berlin – war im Mai als einziger, vom Parteivorstand unterstützter Kandidatenanwärter nach Moers gekommen. Dass zwei Monate später mit Rechtsanwalt Michael Pela ein weiterer Bewerber seinen Hut spontan in den Ring werfen würde, war für den 48-Jährigen nicht absehbar. Raabe fehlte der Rückhalt in der eigenen Partei. Daraus hat er Konsequenzen gezogen. Fazit: Die SPD hat zu früh – ohne die Bündnispartner Grüne und Grafschafter mitzunehmen – auf den selbst in eigener Wahrnehmung falschen Mann gesetzt. Das deutliche Votum der Grafschafter für Küsters ist ganz sicher auch Ergebnis dessen. Schließlich hatte das „Bündnis für Moers“ ursprünglich mal bekundet, ob der gut funktionierenden Zusammenarbeit im Stadtrat nach einem gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten suchen zu wollen. Ich sagte es bereits: Kräfte und Wählerstimmen auf einen geeigneten Bewerber zu bündeln, dürfte gerade angesichts der Tatsache, dass es nach jetzigem Stand keine Stichwahl geben wird, die vielleicht einzige Chance im Wahl-Rennen gegen Amtsinhaber Christoph Fleischhauer sein.

Detlef Raabe entsprach dem Vernehmen nach allerdings nicht den Vorstellungen der Grafschafter von einem Bürgermeisterkandidaten, Claus Peter Küster hingegen tut das schon: Der 59-Jährige ist einer „von hier“. Zur Kommunalpolitik kam er vor mehr als 15 Jahren, unter anderem als in Meerbeck und Scherpenberg die Stadtteilbüchereien geschlossen und in Vereinshand übergeben wurden. Küster lebt in Moers, ist verwurzelt, weiß, wie Stadtrat und Verwaltung arbeiten. Er selbst sei „selbstverständlich“ bereit, als gemeinsamer Bündnis-Kandidat in den Ring zu steigen, sagt er. Die Frage ist, ob die SPD als mit Abstand größter Partner im Bündnis diese Kröte runter bekommt. Stand heute wäre ihr zu raten, zumindest ernsthaft darüber nachzudenken. Die Moerser Sozialdemokraten wollen das nach den Sommerferien tun. Sie sind jetzt am Zug.


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