Moers: Bündnis-Pläne kosten sechs Millionen

Moers: Bündnis-Pläne kosten sechs Millionen

Architekten haben eine erste grobe Kostenschätzung für verschiedene Nutzungen des Weißen Hauses und des Terheydenhauses vorgelegt.

Die Pläne des "Bündnisses" für das Weiße Haus könnten die Moerser teuer zu stehen kommen. Mindestens sechs Millionen Euro kostet der Umbau samt dem daran anschließenden Anbau des ehemaligen Rathauses mit Ratssaal, Kantine und Fraktionsräumen. Das hat ein Architekturbüro im Auftrag der Stadt ermittelt. Die Stadtverwaltung hat bereits vor einem Jahr den Verkauf des Weißen Hauses empfohlen. Es gibt drei Kaufinteressenten. Doch die Ratsmehrheit von SPD, Grafschaftern und Grünen möchte das historische Gebäude am Kastellplatz, vis-à-vis vom Terheydenhaus, in den Händen der Stadt belassen.

Am Montag haben die Ratsfraktionen die Kostenschätzung erhalten. Bereits in der vergangenen Woche hatte das Bündnis allerdings gegenüber der NRZ erläutert, wie es sich die künftige Nutzung des Weißen Hauses vorstellt: Das Untergeschoss solle durch das Standesamt genutzt werden, das Obergeschoss und der Rathaus-Anbau durch das Schlosstheater. Die Rede war von einem neuem Spielort als Ersatz für die bisherige Studiobühne im Terheydenhaus. Ins Terheyden-Haus soll dann die Stadtinformation (jetzt Kirchstraße) umziehen.

Grundsätzlich sei es möglich, das Weiße Haus in der gewünschten Art zu nutzen, stellen die Gutachter fest. Gleiches gilt für den Rathaus-Anbau. Letzteren erachten die Experten allerdings für "nicht besonders erhaltenswert". Sie empfehlen einen Abriss, wodurch das Weiße Haus als markantes Solitärgebäude aufgewertet würde. Zudem betonen die Architekten, dass die ermittelten Kosten (2,3 Millionen für das Weiße Haus und 3,7 Millionen für den Rathaus-Anbau) nur einen ersten groben Rahmen darstellen. Mit anderen Worten: Es kann noch deutlich teurer werden. Zieht die Stadtinfo ins Terheydenhaus, muss auch dieses entsprechend umgebaut werden. 1,2 Millionen Euro wären dann zu den Millionen fürs Weiße Haus und Rathaus-Anbau zu addieren.

Den Plänen des Bündnisses gegenüber steht die von der Stadtverwaltung favorisierte, rund drei Millionen Euro teure "kleine Lösung", nach der das Weiße Haus verkauft wird und das Schlosstheater im Terheydenhaus bleibt, das aber durch einen Anbau erweitert wird. Das Schlosstheater braucht zusätzlichen Platz, nachdem es im Rahmen der Neugestaltung des Schlossumfelds Räume abgeben musste.

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Gegen einen Anbau am Terheydenhaus hat sich allerdings die Moers Marketing ausgesprochen, weil dadurch Stellflächen am Kastellplatz verloren gingen. Moers-Marketing-Chef Michael Birr befürchtet nicht nur Einnahmeverluste für den Weihnachtsmarkt und die Kirmes, sondern auch eine Minderung der Attraktivität der Veranstaltungen. In einer an die Stadt gerichteten Stellungnahme spricht Birr von "fatalen Auswirkungen".

Im Rathaus nimmt man den "politischen Wunsch" des Bündnisses laut Stadtsprecher Thorsten Schröder "zur Kenntnis". "Sollte das so beschlossen werden, wird sich die Frage stellen, auf welche anderen Investitionen wir verzichten müssen", sagte Schröder gestern. Auch gegenüber der Bezirksregierung werde die Stadt die Notwendigkeit der Millionenausgaben gut begründen müssen.

SPD-Fraktionschefin Carmen Weist betont, oberstes Ziel der Bündnis-Planung sei eine perspektivisch sinnvolle Attraktivierung des Schlossumfelds - das Schaffen einer einzigartigen, repräsentativen, touristisch wertvollen Mitte, die sich langfristig wirtschaftlich rentiert. Trauungen in unmittelbarer Nähe zum Schloss, zum Schlosspark und zur Gastronomie seien schließlich auch Wirtschaftsförderung, sagt Weist. "Das Schlosstheater erhält im Weißen Haus die Räume, die aus meiner Sicht nötig und sinnvoll sind, der Ratssaal mit 150 Sitzplätzen hat eine adäquate Größe. Das passt alles zusammen, und es ist auch eine Chance für Moers - die Chance, attraktiv zu bleiben." Ob und wie sich das alles rechnet, so Weist, sei derzeit offen. "Die Sanierungskosten für das Terheydenhaus könnten durch die Mieteinnahmen kompensiert werden. Wir haben erstmal keine finanzielle Grenze gesetzt, aber natürlich muss das Ganze machbar sein. Auf der anderen Seite haben wir es hier mit einer einmaligen Investition zu tun. Die Frage ist, ob es uns die nicht wert ist."

(RP)
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