Neukirchen-Vluyn: Bräm, Antonius und die Klompen

Neukirchen-Vluyn: Bräm, Antonius und die Klompen

In Neukirchen-Vluyn hat vor allem der Künstler Ivica Matijevic mit vier Objekten seine Spuren im Stadtgebiet hinterlassen und Geschichte vor Ort dokumentiert. An insgesamt an sechs Stellen bietet die Stadt Kunst im öffentlichen Raum.

So lange ist es noch nicht her, dass am Schulplatz den Klompenfreunden ein Denkmal gesetzt wurde. Zu sehen sind dort zwei Klompenpaare auf einem schräg gestellten Tanzboden. Die Holzschuhe stehen so, als wären sie gerade erst ausgezogen worden. Es ist das jüngste Denkmal, das der Künstler Ivica Matijevic in Bronze gearbeitet hat. Der Sponsorenkreis Wirtschaft und Kultur hat sich wieder um die Finanzierung des Denkmals gekümmert.

Zeugen unserer Zeit

Vier Arbeiten von Matijevic sind es insgesamt, die an öffentlichen Stellen in Neukirchen-Vluyn zu sehen sind. Sie stehen bereits wie selbstverständlich an Ort und Stelle und sind ins örtliche Bild integriert. „Die Menschen brauchen Kunstwerke an öffentlichen Plätzen“, sagt der 39-jährige Kroate, der 1991 nach seinem Studium seine Heimat verlassen musste. „80 Prozent unserer Umwelt nehmen wir mit den Augen wahr. Kunstwerke, das sind Zeugen unserer Zeit.“

Neben der evangelischen Kirche in Neukirchen steht beispielsweise einer dieser Zeitzeugen, Andreas Bräm, der Anwalt der verarmten und verwaisten Kinder des 19. Jahrhunderts. Eine Figur, deren linke Hand erhoben ist und mahnt. An der Seite des Objektes hat der Künstler eine kindliche Zeichnung eingeritzt. Eine Lilie, das Symbol der Unschuld. Der zweite Blick lohnt bei Matijevic immer. Im Antonius-Häuschen an der Tersteegenstraße ist eine weitere Arbeit von Ivica Matijevic zu sehen. Auftraggeber war die Antonius-Gilde, die aus Dankbarkeit über den Neubau der katholischen Kirche ein Heiligenhäuschen baute.

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75 Nationen

Der Blick fürs Detail lohnt auch in Vluyn bei der Figur „Wir kamen und blieben“ auf dem Vluyner Platz. Eine Arbeit, die speziell an die erinnert, die vor Ort einen Neuanfang erlebt haben. Eine Dauerleihgabe von Imre Ladocsi, der in den 50er Jahren aus Ungarn nach Neukirchen-Vluyn kam. Stellvertretend für alle, die die Heimat verlassen mussten, ist in 45 Sprachen das Wort Heimat auf dem Denkmal zu finden. 2004, zum Zeitpunkt der Denkmalenthüllung, lebten vor Ort 75 Nationen. Dieses Objekt ist dem Künstler besonders ans Herz gewachsen, weil er ein ähnliches Schicksal erlebt hat. „Ich habe meine zweite Heimat gefunden“, meint Matijevic.

Sich selbst gegenüber bleibt Matijevic krisch. Seine Plastiken betrachtet er „immer mit der Überlegung, was würde ich heute anders machen.“ Ivica Matijevic arbeitet seit 1996 in seinem Atelier in Holderberg, setzt sich intensiv mit den Themen seiner jeweiligen Arbeiten auseinander. „Ich mache keine Entwürfe, sondern auch zu den Bronzeplastiken Modelle im Originalgröße, damit man herumlaufen kann“, meint er. Seine nächste Ausstellung wird in Gelsenkirchen sein. Ein wenig stolz ist er schon, wenn er von dem Verkauf eines Bildes berichtet, das seit 2006 zu der zeitgenössischen Sammlung des Deutschen Bundestages gehört.

(RP)