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Bollwerk 107 Moers: Open Mic Show fehlt die Gag-Dichte

Bollwerk 107 : Open Mic Show fehlt die Gag-Dichte

Comedy unter freiem Himmel im Bollwerk 107: Während die Atmosphäre stimmte, konnte die Prämiere von „Frisch gemoersert“ nicht wirklich überzeugen. Dazu fehlte es den auftretenden Comedians leider an Komik und Niveau.

Im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Terrassenkultur“ ging am Freitagabend mit der Comedy Open Mic Show „Frisch gemoersert“ ein neues Eventformat im Bollwerk an den Start. Das Ergebnis der Premiere war allerdings enttäuschend. Den meisten Beiträgen fehlte der Wortwitz und viele Pointen zielten statt auf die Komik der Situation auf die Person der Erzählung. Jemand, der Witze auf Kosten anderer macht, sie bloßstellt, hat jedoch einen verletzenden Humor und egozentrischen Humorstil.

Die Draußen-Kultur des Bollwerks begann 2016 mit sogenannten Terrassenkonzerten. Vier Jahre lang war diese Sommerreihe immer freitags ein beliebter Treffpunkt (nicht nur) für Musikliebhaber. Mit „kleinem Besteck“ gastierten verschiedene Solokünstler und Kleinbands vornehmlich aus der Region mit unterschiedlichen Musikrichtungen und begeisterten ihr Konzertpublikum auf der Rampe des Bollwerks. In diesem Jahr löst die „Terrassenkultur“ die Reihe der „Terrassenkonzerte“ ab. Neben Konzerten gibt es noch Poetry Slam und Song Slam sowie die besagte Comedy Open Mic Show. Wegen der Corona-Abstandsregelungen sitzt das Publikum statt auf der Terrasse jetzt im Biergarten nahe der Gleise der ehemaligen Speditionshalle. Als Bühne dient ein kleines Stück Rampe neben dem Bollwerk-Eingang.

Der Start der „Terrassenkultur“ im Juni mit Poetry Slam und einem anschließenden Konzert des Duos Butterwegge & Sinner sowie im Juli mit dem Auftritt der Band Molass war verheißungsvoll. Auch die Ankündigung von „Frisch gemoersert“ klang vielversprechend: Alte Bühnenhasen und junge Hüpfer sollen für ein paar Minuten die Bühne und die Herzen des Publikums erobern, dabei ihre neuestens Gags und Punchlines präsentieren und auf diese Weise jede Menge Vergnügen bereiten, hieß es. Doch weit gefehlt!

Eigentlich sollten am Freitag fünf Comedians auftreten, doch Anna Bongartz aus Wesel hatte kurzfristig abgesagt. So blieb es bei Tim Jonas aus Essen, Florian Deimer aus Gelsenkirchen, Saskia Fröhlich aus Essen und Marko Holtwick aus Dinslaken. Moderator des Abends war der aus Hamm stammende Entertainer Mario Siegesmund. An ihm lag es nicht, dass die Comedy-Premierenausgabe so enttäuschend daherkam. Denn sowohl musikalisch im Stil von Bernd Stelter, der bekannte Songs umdichtet (hier den ehemaligen Neue Deutsche Welle-Hit „Ich will Spaß“ in „Ich mäh‘ Gras“), als auch beim Stand-up-Comedy wusste er zu gefallen.

Anders dagegen die Newcomer, die von Auftritt zu Auftritt in Text und Präsenz niveauloser wurden. Tim Jonas, der hauptberuflich in einem Essener Ingenieurbüro arbeitet, erzählte von (belanglosen) Dingen auf seiner Bahnfahrt von Essen nach Moers. Einmal musste das Promipaar Laura Müller und der Wendler herhalten für einen Gag, ein anderes Mal, als ein vermeintlicher Witz die Zuschauer nicht erreichte, zitierte er die wohl grundlegende Intention der Veranstaltung: „Die Zuschauer sind Zeuge, wenn Comedians etwas Neues ausprobieren.“ Florian Deimer, der vor allem Youtuber ist, lacht am meisten über seine eigenen Sprüche. Beispiel: „Entweder man ist satt oder man ist morgen satt.“ Saskia Fröhlich hat zwar „eine große Schnauze“ (Zitat ihrer Agentur), doch wirkliche Komik hat sie nicht. Sie spricht einen derben Jargon und startet ebenso mit Belanglosem von ihrer Bahnfahrt nach Moers. Höhepunkt der Niveaulosigkeit war allerdings der Auftritt von Marko Holtwick, der nach eigenen Angaben seit 30 Jahren als DJ unterwegs ist und den Wendler kennt. So war ein Gag über ihn natürlich vorprogrammiert. Selbstironisch stellte er fest, dass ihm wohl die Gag-Dichte fehle. Wäre es doch bloß nur diese gewesen.