Bollwerk 107 in Moers ist eine feste Kulturgröße.

Jugendkulturzentrum in Moers : Bollwerk 107 ist eine feste Kulturgröße

Seit zehn Jahren trifft sich die Moerser Jugend am Bollwerk 107. Der Geburtstag wird am 10. und 11. Mai groß gefeiert.

Vor zehn Jahren änderten sich Adresse und Name: Aus der Volksschule am Südring wurde das Bollwerk 107 am Moerser Bahnhof: Das Team des Jugendkulturzentrums will den runden Geburtstag mit seinen Besuchern in einer zweitägigen Veranstaltung groß feiern. RP-Redakteurin Anja Katzke sprach am Donnerstag mit Geschäftsführerin Wenke Seidel. Sie leitet die Geschicke der Einrichtung seit inzwischen 16 Jahren.

Frau Seidel, vermissen Sie noch die alte Volksschule am Südring?

Seidel Ganz im Gegenteil. Wir haben den Umzug zum Bahnhof nicht bedauert, sondern als eine Chance gesehen. Die Volksschule am Südring war ein altes Gebäude, die Keller waren feucht. Nach dem Bau der Seniorenwohnungen nebenan war die Parkplatzsituation auch nicht mehr gut. Der Stadtrat hat eine gute Entscheidung getroffen, einen neuen Standort für unser Jugendkulturzentrum zu suchen. Der Bahnhof ist gut zu erreichen. Und wir befinden uns immer noch in Stadt-Mitte.

Anfangs haben die jungen Besucher noch für den Verbleib am Südring gekämpft. Wie hat sich die Einrichtung seit ihrem Umzug zum Bahnhof verändert?

Seidel Als klar war, dass der Standort nicht mehr zu halten war, haben wir uns intern die Zeit genommen, darüber nachzudenken und zu reflektieren, in welche Richtung es für die Einrichtung weiter gehen soll. Parallel verkaufte die Bahn damals ihre alten Grundstücke. Einige Politiker fanden das Gelände so toll, dass sie vorschlugen, es für die Volksschule zu nutzen. Man hat uns in die räumliche Gestaltung eingebunden. Wir haben das zum Anlass genommen, die Einrichtung neu und breiter aufzustellen. Das heißt: Uns noch mehr für die unterschiedlichsten Generationen und Bevölkerungsschichten zu öffnen.

Heute ist das Bollwerk 107 ein richtiges Kulturzentrum. Wie kam es dazu?

Seidel Wir haben uns einen größeren Besucherkreis erschlossen, ohne den jugendkulturellen Bereich zu vernachlässigen. Dass auch Erwachsene zu unserer Zielgruppe gehören, hängt mit dem Comedy Arts Festival zusammen, das wir veranstalten. Es bot sich an, diesen Bereich auszuweiten. Ein schönes Beispiel ist das von jungen Leuten organisierte Rock-It! Festival. Es hat Jugendliche, Kinder mit ihren Eltern ebenso wie kulturinteressierte Erwachsene zusammengebracht. Wir konnten an diesem Standort auch die Vergabe unserer Räumlichkeiten vergrößern und damit weitere Initiativen ans Haus binden.

Wer gehört beispielsweise dazu?

Seidel Wir haben Kooperationspartner wie das Tanzmobil, das regelmäßig Kurse für Kinder und Jugendliche anbietet. Die Rhein-Ruhr Musikschule nutzt unsere Räume für ihren Musikunterricht. Abends treffen sich hier Squaredance-Gruppen, und in unserer Kneipe finden Spieletreffen etc. statt. Wir vermieten die große Halle für Abi-Partys. Wir haben deutlich mehr Anfragen, als wir tatsächlich bedienen können.

Hat das Jugendkulturzentrum sich in den letzten Jahren stark verändert?

Seidel Ich glaube, es ist vielfältiger geworden. Wir erleben eine permanente Erneuerung, weil sich auch die Interessen unserer jugendlichen Besucher verändern. Stillstand wäre hier der falsche Weg. Da sich das Freizeitverhalten verändert hat, arbeiten wir heute deutlich Projekt orientierter und bieten mit Workshops z.B. bei #lichtkunstmoers, create music oder beim Skillz Jam die Möglichkeit, sich für kurze Zeit zu beteiligen.

Wo steht das Bollwerk 107 heute?

Seidel Es ist eine feste Größe in der Jugendkulturarbeit in der Stadt und in der Region. Wir merken, dass wir in anderen Städten deutlich stärker wahrgenommen werden. Das Bollwerk 107 ist immer noch ein Experimentierraum und offen für neue Aktivitäten. Zugleich ist es ein Ort der Begegnung. Daran wollen wir auch perspektivisch anknüpfen. Wir haben die gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt im Blick und wollen vor allem auf den Rechtsruck in unserer Gesellschaft reagieren. Hier müssen wir als Jugendkulturzentrum Position beziehen. Auf Wunsch der Besucher werden wir mehr bekannte Größen ins Bollwerk holen – zum Beispiel Henning Wehland, der am Samstag auftritt oder auch Tonbandgerät am 10. Mai.

Worin unterscheidet sich das Bollwerk 107 eigentlich von anderen Jugendeinrichtungen?

Seidel Wir haben keine klassische „offene Tür“. Eigentlich setzen wir da an, wo andere Jugendzentren aufhören und bieten älteren Jugendlichen die Möglichkeit, kulturell aktiv zu werden.

Warum macht es Ihnen Spaß, im Bollwerk 107 zu arbeiten?

Seidel Hier sind nette und engagierte Menschen aktiv, die anderen ein kulturelles Zuhause bieten. Wir bringen Menschen zusammen, schaffen Begegnung und Gemeinschaft. Für mich ist es spannend, dies zu begleiten und weiter zu entwickeln. Wir gestalten Gesellschaft mit. Und es ist schön, dass meine Kompetenz gefragt ist, um in diversen Gremien Akzente zu setzen.

Das Bollwerk 107 inklusive Comedy Arts Festival hat acht hauptamtliche Mitarbeiter. Es finanziert sich durch eine Förderung der Stadt Moers in Höhe von 238.000 Euro, akquirierte Landesförderung für Projekte in Höhe von 100.000 Euro und durch Sponsoring. Einen Großteil erwirtschaftet die Einrichtung selbst.

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