Moers: Bislang unbekannter Hektor aufgetaucht

Moers: Bislang unbekannter Hektor aufgetaucht

Das Original steht im Foyer des Kammermusiksaals, ein Duplikat im Park: Zur Überraschung des Geschichtsforschers Udo Pieper ist jetzt eine bislang unbekannte Kopie des Denkmals "Hektors Abschied von Andromache" aufgetaucht.

Udo Pieper war verblüfft, als er die E-Mails eines norddeutschen Hoteliers las: "Er berichtete, dass in seinem Garten eine Kopie des Hektor-Denkmals stehe und er gerne etwas über die Figurengruppe erfahren würde", erzählt der Vorsitzende der Grafschaft Moers Geschichts-Stiftung. Nur: Dass es einen dritten Hektor geben soll, war Udo Pieper bis dahin gar nicht bekannt.

Foto: Jürgen Stock

Der Ehrgeiz des Geschichtsforschers aus Moers war geweckt. Er bittet jetzt alle Heimatforscher um Hilfe, die mehr über diese unbekannte dritte Hektor-Statue wissen. Das Denkmal "Hektors Abschied von Andromache" kennen viele Besucher des Moerser Schlossparks.

Die Figurengruppe wurde von Carl Cauer, dem Älteren entworfen und 1882 als Kriegerdenkmal erschaffen. Die Statue wurde laut Udo Pieper vom Moerser Landrat van Endert erworben und am 1. Mai 1933 im Park aufgestellt. "Dort stand das Denkmal von 1933 bis 19944 im Original. Heute sieht man dort nur eine Nachbildung", berichtete der Vorsitzende der Grafschaft Moers Geschichts-Stiftung. Wegen starker Schäden war 1993/94 eine Gusskopie für den Schlosspark gefertigt worden. Das Original bekam vorübergehend in der Moerser Zentralbibliothek einen neuen Standort. Sieben Jahre später wurde die Figurengruppe mit einem Kranwagen aus der Bibliothek wieder herausgehoben, zur Musikschule gebracht und dort aufgestellt.

Dass es eine weitere Kopie dieses Denkmals geben könnte, war Pieper nicht bekannt: "Das steht in keiner entsprechenden Literatur." Die Fotografien, die der Hotelier mitgeschickt hatte, lassen aber keinen anderen Schluss zu. Beide Statuen ähneln sich auf verblüffende Weise. Während beim Moerser Hektor das Schwert fehlt und nur noch der dazugehörende Schaft vorhanden ist, ist es bei der norddeutschen Kopie noch als ein Bruchstück vorhanden.

Wie Udo Pieper erfuhr, soll neben der Kopie für die Stadt Moers 1994 eine weitere Kopie für ein Museum in Nordrhein-Westfalen hergestellt worden sein. "Das Museum konnte die wertvolle Skulptur dann offenbar nicht bezahlen. Und so ist sie dann auf unbekannte Weise in den Besitz eines Stammgastes des Hoteliers gekommen", hat Pieper in Erfahrung gebracht. Dieser Gast habe die Figurengruppe schließlich dem Hotelier geschenkt. "Er will die Statue nun versichern lassen, hat im Internet nach Informationen gesucht und ist so auf die Geschichts-Stiftung gestoßen", erzählt Pieper.

Erste Recherchen Piepers ergaben, dass die Angaben wohl stimmen könnten. "Wie ich in der unteren Denkmalbehörde der Stadt erfahren habe, gibt es dort Unterlagen für den Museumsankauf einer Hektor-Kopie. Aufgrund der Urlaubszeit wird die Prüfung erst nach den Sommerferien möglich sein", erklärt Pieper. Wer Infos hat, erreicht ihn unter 02841 29262 oder per E-Mail an info@gmgs-moers.de

(RP)