Moers: Bethanien will Flüchtlinge integrieren

Moers: Bethanien will Flüchtlinge integrieren

Asylbewerber mit ärztlicher, pharmazeutischer oder Krankenpfleger-Ausbildung erhalten an der Bethanien-Akademie Sprachunterricht und lernen den Betrieb eines mitteleuropäischen Krankenhauses kennen.

"Das Engagement der Neuankömmlinge zu sehen, ist motivierend." Professor Dr. Stefan Möhlenkamp erzählt begeistert von 16 Flüchtlingen, die sich im Moerser Krankenhaus Bethanien auf ihr berufliches Leben in Deutschland vorbereiten. "Sie sind mit Herzblut bei der Sache", sagt der promovierte Kardiologe. "Sie sind ein Gewinn für uns." Die meisten sind Krankenpfleger, Ärzte und Pharmazeuten. Dazu haben einige Medizin oder Pharmazie studiert, bevor sie aus ihren Heimatländern geflohen sind. In der Akademie Bethanien erhalten sie individuellen Sprachunterricht. "Sie haben acht bis 20 Stunden in der Woche", sagt Stefan Möhlenkamp. "Sie erzielen schnell Erfolge, weil sie auch selber lernen." Die Neuankömmlinge gewinnen aber nicht nur Sprachkenntnisse, sondern erhalten außerdem Einblick in die Welt eines mitteleuropäischen Krankenhauses. Denn dort sollen die Krankenpfleger, Ärzte und Pharmazeuten später einmal arbeiten.

Vor vier Wochen ist die individuelle Sprachausbildung am Bethanien gestartet. Sie ist ein Teilprojekt des Projektes "Bildung - Grundrechte auch für Flüchtlinge", das vom Bunten Tisch Moers über ein Netzwerk von Kooperationspartnern koordiniert wird. "Wir dürfen nicht die Fehler der 60er und 70er Jahre wiederholen", erläuterte gestern Schirmherr Ibrahim Yetim die Idee hinter dem Projekt. "Wir wollen die Menschen frühzeitig integrieren. Das geht am besten über Bildung, über Sprache und Ausbildung."

Allerdings steht dieser Idee das deutsche Recht entgegen, das diese Integration erst vorsieht, wenn die Asylbewerber nach dem Verfahren anerkannt sind. "Wenn die Flüchtlinge drei Monate hier sind, dürfen wir sie aber unterstützen", sagt Barbara Ossyra von der Arbeitsagentur Kreis Wesel. Dazu kommen Sponsoren, beim Bunten Tisch beispielsweise die Freddy-Fischer-Stiftung. "Wenn die Idee gut, müssen Private vorpreschen und etwas unternehmen", sagt Freddy Fischer. "Es ist ein Modellprojekt. Irgendwann kommt die staatliche Unterstützung dazu."

Ein weiteres Teilprojekt von "Bildung - Grundrecht für alle" ist Mitte August am Berufskolleg für Technik in Moers gestartet. Dort besuchen 20 Schüler eine Förderklasse. Sie sind 16 bis 22 Jahre alt. Neben Deutsch belegen sie auch die Unterrichtsfächer, die andere Schüler belegen. "Vor allem im Politikunterricht können die anderen Schüler von ihnen profitieren, wenn sie Erfahrungen und Erlebnisse hören", sagt Peter Dischhäuser, Leiter des Kollegs. "Die Neuankömmlinge erreichen zuerst den Hauptschulabschluss der neunten Klasse. Dann können sie weiter zur Schule gehen oder eine Ausbildung beginnen."

Dischhäuser geht davon aus, dass alle Schüler den Hauptschulabschluss schaffen, denn sie wurden vom Bunten Tisch ausgesucht. "Wir lernen alle Flüchtlinge kennen", sagt dessen Vorsitzender Amar Azzoug. "Das ist uns sehr wichtig. In Konversationskursen sehen wir, wie lernwillig sie sind. Wir vermitteln nur Lernwillige weiter."

Schon Ende letzten Jahres war ein Teilprojekt mit der Kreishandwerkerschaft Duisburg gestartet, bei dem sich 15 Flüchtlinge mit Sprachkursen und Ausbildung auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. Jetzt wird das Teilprojekt auf 150 Personen aufgestockt. Frank Bruxmeier, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Duisburg hat das Projekt am Freitag bei der Handwerkskammer des Bezirks Düsseldorf vorgestellt. "Es ist ein landesweites Modellprojekt", sagt Amar Azzoug.

(got)