Kamp-Lintfort: Bergwerk: Denkmalwürdige Industriekultur

Kamp-Lintfort: Bergwerk: Denkmalwürdige Industriekultur

Die Untere Denkmalbehörde wird zehn Gebäude auf dem Gelände des Bergwerks West unter Schutz stellen. Es gibt auch Skepsis.

Zu den Gebäuden, die die Untere Denkmalbehörde der Stadt vorläufig unter Denkmalschutz stellen wird, gehören das prägnante Verwaltungsgebäude mit dem prächtigen Portal und der Lohnhalle im Innern, der Schirrhof und das Gebäude der Grubenfeuerwehr, das von einer verschieferten Laterne mit einer Uhr gekrönt wird. Auf der vorgeschlagenen Liste, die der Stadtrat in der nächsten Sitzung verabschieden wird, stehen außerdem das Fördergerüst von Schacht II, das dazugehörige Lüftergebäude sowie Fördermaschinenhaus von Schacht II.

Ebenfalls unter Schutz gestellt werden sollen das ehemalige Fördermaschinengebäude von Schacht 1, das Magazin sowie Zentralmaschinengebäude, die Werkstatt im ursprünglichen Zustand (ohne seine Anbauten) und das Pumpenhaus. Das Rheinische Amt für Denkmalpflege, Industriedenkmalpflege, hatte ursprünglich sogar noch mehr Gebäude für die Unterschutzstellung vorgesehen. Es gab im Vorfeld aber einige "streitige Fragen zur Unterschutzstellung einiger Objekte" auf dem Gelände der Zeche, heißt es in den Unterlagen des zuständigen Fachausschusses.

"Es waren vorher 14 bis 15 Gebäude", erinnert sich Franz-Josef Hüls, Sprecher der CDU im Ausschuss für Stadtentwicklung. Seine Fraktion werde die Liste der zehn Baukörper in der Sitzung des Stadtrates mitgetragen. Trotzdem zeigt sich Hüls gespannt auf die Stellungnahme der RAG als Eigentümerin. Die Unterschutzstellung der Gebäude löst unter den Politikern nicht nur Freude, sondern auch Skepsis aus. "Es geht nicht um die Lohnhalle oder etwa den Schirrhof. In beiden Fällen erschließt es sich von selbst, dass sie denkmalwürdig sind", sagt René Schneider, SPD-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes.

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Auf der Liste befänden sich aber auch Baukörper, die im Laufe der Jahrzehnte den technischen und praktischen Erfordernissen der Zeche angepasst und mehrfach umgebaut worden seien, begründet Schneider seine Zweifel und fügt hinzu: "Durch den Denkmalschutz wird für Stadt und RAG die Messlatte, die Gebäude zu vermarkten noch ein Stück höher geschraubt. Das macht es schwierig, Investoren zu finden."

Der SPD-Politiker befürchtet, dass sich die Stadt mit einigen der unter Schutz zu stellenden Gebäude "einen Klotz ans Bein hängen" könnte. Das sieht auch Franz-Josef Hüls (CDU) so. "Wir müssen für alle Gebäude eine wirtschaftlich tragfähige Lösung finden. Dazu sind Investoren nötig, sonst bleiben die Gebäude möglicherweise am Ende an der Stadt hängen", sagt der CDU-Politiker.

(RP/rl)
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