1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Stehende Ovationen für das Junge Schlosstheater Moers: Beklemmend gute Aufarbeitung der Pannen um die NSU-Morde

Stehende Ovationen für das Junge Schlosstheater Moers : Beklemmend gute Aufarbeitung der Pannen um die NSU-Morde

(cas) Im ausverkauften Studio am Kastellplatz fand am Samstagabend die Premiere des Theaterstücks „Auch Deutsche unter den Opfern“ statt, das die Schauspielerinnen und Schauspieler des „Jungen Schlosstheaters Moers“ unter der Regie von Holger Runge seit September intensiv geprobt hatten.

Das Stück von Tugsal Mogul beleuchtet in mehreren Episoden die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ sowie die Pannen und Ungereimtheiten bei den Mordermittlungen.

Zu Beginn der Aufführung wurden die ersten Morde chronologisch aufgeführt, wobei die Umrisse der jeweiligen Mordopfer mit Klebeband auf dem Fußboden markiert worden waren. Die Aussagen der Ermittler, die aus den NSU-Prozessakten stammten und durch die jungen Ensemblemitglieder vorgetragen wurden, schlossen bei den Morden einen rechtsradikalen Hintergrund stets aus und gingen stattdessen von Verbindungen zu kriminellen Kreisen im Ausland oder von Konflikten innerhalb der Familien aus. So waren Aussagen wie „Wir stoßen auf eine Mauer des Schweigens innerhalb der türkischen Gemeinschaft“ oder „So können Deutsche gar nicht morden“ zu hören.

In einer anderen Episode des Stückes, die mit der Titelmelodie der „Sendung mit der Maus“ eröffnet wurde, schilderte ein Ensemblemitglied den Besuchern die merkwürdigen Vorgänge beim Verfassungsschutz. In mehreren Bundesländern gab es demnach Mitarbeiter mit rechtsradikalen Einstellungen. Als Karnevalsfeier mit Konfetti und Polonaise inszenierte das Ensemble eine Episode, in der eine Sekretärin beim Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz am 11.11.2011 genötigt wurde, Akten mit Daten und Namen von V-Männern zu vernichten. In Form eines Kindermärchens wurde von der Suche nach einer „unbekannten weiblichen Person“ erzählt, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz zahlreiche Diebstähle und Morde begangen haben soll, ehe sich nach 16 Jahren herausstellte, dass die Wattestäbchen, mit denen die Spuren an den Tatorten gesichert wurden, durch die DNA einer 71-jährigen Frau kontaminiert worden waren, die die Wattestäbchen verpackt hatte.

Als bei ausgeschalteter Beleuchtung die zahlreichen Namen der Opfer rechtsradikaler Gewalttaten in Deutschland seit 1990 vorgetragen und dabei Gesichter einzelner Besucher mit Taschenlampen angestrahlt wurden, war es sehr still im Saal. Mit der Verurteilung von Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft endete das vielschichtige Theaterstück schließlich. Das Publikum bedankte sich bei den hervorragenden Ensemblemitgliedern des „Jungen STM“ im Alter von 19 bis 24 Jahren mit viel Beifall und stehenden Ovationen.