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Beim Erörterungstermin zur geplanten Amprion-Leitung haben in Moers Einwender das Wort.

Amprion-Erörterungstermin : Initiative will Erdkabel statt Masten

Beim Erörterungstermin zur geplanten Amprion-Leitung haben Einwender das Wort.

„Die Stromtrasse ist ein Eingriff in die Landschaft“, sagt Werner Brands. Der Waldbesitzer aus dem Krefelder Stadtteil Hüls würde diesen Eingriff gerne verhindern, zumal die geplante Hochspannungsleitung mit den entsprechenden Schutzstreifen seine Parzelle am Hülser Berg entwerten würde. Er formulierte eine schriftliche Einwendung, die er am Mittwoch in der Enni-Eventhalle in Moers erläutern kann. Beim ersten Tag des Erörterungstermins zur Amprion-Höchstspannungsfreileitung am Dienstag trugen Städte sowie andere Träger öffentlicher Belange und Verbände ihre Einwendungen vor.

Diese Einwender würden den Stromtransport über eine Erdleitung bevorzugen, um so zur Energiewende beizutragen, sprich Strom aus Wind- und Wasserkraft aus der Nordsee und den skandinavischen Ländern zum mitteleuropäischem Stromknotenpunkt in Meerbusch-Osterath zu transportieren, um diesen von dort aus weiterzuteilen. „Es wäre am besten gewesen, die Verfahren für den Neubau der Leitung mit Hochspannungsgleichstrom in der Erde und den Ausbau der Leitung mit Hochspannungswechselstrom über der Erde zu verbinden“, sagte Helmut Breitfeld als Vorsitzender des Vereins „Moers unter Hochspannung“. „Doch Amprion als Netzunternehmen und die Bezirksregierung haben sich darauf nicht eingelassen. Bei einer Erdleitung ist die Investition höher. Langfristig kann sie sich rechnen, weil der Stromverlust in einer Erdleitung niedriger ist.“

Wie rund 70 weitere Personen besuchte Breitfeld am Dienstag den Erörterungstermin, der ein Baustein im Planfeststellungsverfahren der Bezirksregierung Düsseldorf ist. Als Privatperson, die in der Nähe des Umspannwerks im Moerser Stadtteil Utfort wohnt, hat er eine Einwendung erhoben. Er weist darin auf das Grundrecht auf Gesundheit hin, das er mit der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen verbindet. Er hat den Kindergarten Bauklötzchen und die Regenbogengrundschule nördlich dieses Umspannwerks im Blick, deren Außenflächen bislang unter der Hochspannungsleitung lagen, künftig aber nicht mehr, weil die Amprion GmbH die Trassenführung leicht verlegt. „Es gibt Studien zur Leukämiegefahr“, erläuterte er. „Aber das Netzunternehmen geht darauf nicht ein. Es verweist nur auf gesetzliche Grenzwerte, die es einhält.“

Breitfeld schlägt vor, am Kindergarten Bauklötzchen und an der Regenbogenschule die Hochspannungsleitung durch eine Erdleitung zu ersetzen. So auch sein Vorstandskollege Bernhard Schellen. „2009 ist so eine Erdleitung mit 380 Kilovolt verlegt worden, als der Frankfurter Flughafen erweitert wurde“, sagt der IT-Administrator. Um den Flugbetrieb nicht zu stören, sei von der Siemens Energy eine gasisolierte Hochspannungsübertragungsleitung im Auftrag der RWE Transportnetz in Dortmund, die kurz darauf in Amprion aufging, in den Boden eingebracht worden. Siemens-Energy-Vorstand Klaus Kleinekorte habe vor elf Jahren den Bau als „Meilenstein“ und die neue Übertragungstechnik als „Alternative zu Kabellösungen“ gelobt.

Beim Erörterungsverfahren in Moers stehen Stellungnahmen und Einwendungen für das Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der Stromtrasse zwischen Wesel und Voerde sowie Rheinberg-Budberg und St. Tönis auf der Tagesordnung. Die Kreuzung des Rheins zwischen Voerde und Budberg ist nicht Teil dieses Verfahrens, ebenso wie die weitere Trasse von St. Tönis nach Meerbusch-Osterath.

Der Erörterungstermin wird am Mittwoch fortgesetzt. Er ist nichtöffentlich. Das ist der Coronazeit geschuldet, da ansonsten Erörterungstermine der Bezirksregierung öffentlich sind. Eingeladen sind zum Beispiel Vertreter der Kommunen und Personen, die Einwendungen erhoben haben. Sie haben Schutzmasken zu tragen.

Die Ergebnisse der Anhörung fließen in die Entscheidung der Bezirksregierung ein. Nach der Genehmigung rechnet Helmut Breitfeld mit einem Ausbau der Hochspannungsleitung ab 2023. Die heutigen 45 Meter hohen Masten würden dann von Masten mit fast 80 Metern ersetzt, die höher seien als das letzte Hochhaus an der Ottostraße in Homberg-Hochheide