Bei "Oma Frieda" können Moerser Senioren backen, kochen und verkaufen

Angebote für Senioren : Das „Gute Alte“ im Weckglas

Ganz spontan startete Friederike Fahr vor wenigen Wochen das Projekt „Oma Frieda“. Sie möchte gemeinsam mit Senioren kochen und backen und die Produkte zum Verkauf anbieten.

Die Flexihütte gegenüber dem Kinderkarussell ist mit künstlichem Tannengrün weihnachtlich geschmückt. Echt sind hingegen die Produkte, die Friederike Fahr hier verkauft. Festliche Marmeladen, fruchtige Chutneys, Keksmischungen, Spekulatius-Pralinen, Backmischungen, Glühwein-Gewürz – saisonal passend und lange haltbar.

Hergestellt wurden all diese Produkte in den vergangenen beiden Wochen. Sie sind die ersten Ergebnisse des Projekts „Oma Frieda“, das Friederike Fahr vor wenigen Wochen ins Leben gerufen hatte. Sie möchte Senioren die Möglichkeit bieten, gemeinsam zu kochen und backen und die fertigen Produkte im Anschluss zu verkaufen.

„Mir war aufgefallen, dass viele ältere Leute vereinsamen, wenn ihr Partner stirbt oder nach Ende ihres Berufslebens in ein Loch fallen“, sagt Fahr zur Entstehung der Idee zu „Oma Frieda“. Sie will die Senioren auffangen und ihnen eine Möglichkeit geben, etwas Sinnvolles zusammen mit anderen Menschen zu tun. „Die ältere Generation hat mich, seit ich klein bin, beeindruckt und beeinflusst“, erzählt die 36-Jährige.

Sie wolle mit dem Projekt außerdem das „Gute Alte“ bewahren. Die Senioren sollen ihre eigenen Ideen einbringen können, welche Produkte hergestellt, welche Rezepte umgesetzt werden. „Ich weiß nicht viel von der alten Küche“, sagt Fahr selbst. Doch auf die Teilnehmer an ihrem Projekt soll es einen guten Einfluss haben, sich mit vertrauten und traditionellen Dingen auseinanderzusetzen und am Ende stolz auf das Ergebnis sein zu können. „Hier hat man nachher was in der Hand und kann sagen: Das habe ich gemacht.“ Das unterscheide „Oma Frieda“ nach Fahrs Aussage von den meisten Kochkursen, die in der Zielgruppe auch beliebt seien.

Hergestellt werden momentan vor allem haltbare Produkte, die man auch einige Tage nach der Herstellung noch gut verkaufen und eine lange Zeit im Vorratsschrank lagern könne, so Fahr. Der Verkauf der Produkte ist für sie ein wesentlicher Bestandteil ihrer Idee, den sie nun auf dem Weihnachtsmarkt testet.

„Ich hatte schon länger die Idee, etwas in die Richtung zu machen“, erzählt die freiberufliche Architektin und Hotelbetriebswirtin. Mit ihren bisherigen Jobs hat ihr neues Projekt nichts zu tun, dennoch liegt es ihr am Herzen. Und zwar so sehr, dass sie es ganz spontan vor wenigen Wochen gestartet hat, als sie erfuhr, dass noch Plätze in den Flexihütten auf dem Moerser Weihnachtsmarkt frei waren. Der erste Verkaufsort ihrer Produkte stand somit fest.

Doch ganz so einfach war nicht alles an ihrem Plan, so Fahr: „Die Frage war: Wie kann ich das machen, ohne mich in Unkosten zu stürzen?“ Aufgrund der Gesundheitsverordnung suchte sie nach einer bestehenden Gastroküche, in der sie sich regelmäßig gemeinsam mit den Senioren treffen kann. Bei der SCI Volksschule wurde sie schließlich fündig. Einmal in der Woche kann sie nun im Café Lyzeum gemeinsam mit den Senioren Plätzchen backen, Marmelade kochen und viele Rezepte ausprobieren.

„Langfristig würde ich mir aber gerne was eigenes mieten und ein kleines Bistro draus machen“, erzählt Fahr. Dafür muss nun aber zunächst der Verkauf gut anlaufen. Momentan finanziert sie die Materialien und Zutaten noch selbst und setzt darauf, dass die Produkte sich gut verkaufen, damit sie das Geld wieder reinbekommt. Sie hofft jedoch darauf, dass sich ihr Projekt im Laufe der Zeit vergrößern wird und schließlich sogar etwas für die Teilnehmer abwirft. „Das ist natürlich noch ein anderes Thema: Die Renten sind nicht die besten“, sagt Fahr. Deshalb möchte sie den Senioren, die bei „Oma Frieda“ mitmachen, in Zukunft auch ermöglichen, sich neben der Rente etwas dazu zu verdienen.

Ob und wann das klappen kann, stehe noch nicht fest. Sie wisse noch nicht, wie es mit dem Projekt weitergeht, es stehe ja gerade erst am Anfang. Zwei Treffen gab es bereits, eins davon war ein Info-Tag, bei dem Fahr rund 25 interessierten Seniorinnen und Senioren von ihrem Plan erzählte. Fünf kamen vergangene Woche zum ersten regulären Treffen.

„Es haben viele gesagt, dass sie ab Januar erst anfangen wollen“, erklärt Fahr. Die Weihnachtszeit sei für die Interessierten zu stressig, um mit etwas Neuem anzufangen. Friederike Fahr hofft darauf, dass die Interessierten tatsächlich im Januar kommen und sich ihr Projekt so weiterentwickeln kann, wie sie es sich wünscht. „Das wäre schon schön.“