Bei Geburtstagsfeier in Moers sind Röhrianer unter sich

50 Jahre Kultkneipe: Bei Geburtstagsfeier sind Röhrianer unter sich

Am 11. Oktober 1968 öffnete die Röhre in der Moerser Innestadt. Genau 50 Jahre später feierten die Röhrianer an der Weybgoldstraße nun in der Kultkneipe den Geburtstag.

Die  Röhre war der angesagte Treffpunkt. Vor allem für diejenigen, die die Geburtsstunde und erste Jahre Kultkneipe erlebt hatten. Alte Geschichten waberten durch die Kneipe und den Eingangsbereich, Treffpunkt der Raucher. „Wir waren damals eine Clique, die sich regelmäßig traf. Die Röhre war eben anders als andere Kneipen“, erinnert sich Sabine Bortz. „Zwar hat sich die Röhre optisch verändert, aber die Atmosphäre ist geblieben.“

Für das Wiedersehen unter Röhrianern schien kein Weg zu weit. Aus Hamburg, Griechenland und Frankreich machten sich Weggefährten von damals auf den Weg. „Ich bin hier groß und vernünftig geworden“, lacht Biggi Mostowy. Sie gehörte damals zur Kellnercrew und heimste sich bei deren Treffen den Titel Kellner-Queen ein. „Damals war Hippie-Zeit und alles anders. Wir saßen nur bei Kerzenlicht und alle inkognito“, erinnert sie sich. Auf Bierfässern standen die brennenden Kerzen. Geschickt ließen sich die Sitzgelegenheiten beinahe zu kleinen Séparées rollen. Uwe Girndt, damals unter Lupo bekannt, spricht von einer wilden Zeit. „Die Röhre war für uns damals wie ein Zuhause.“ An verschiedene Geschichten kann er sich erinnern. „Die Kneipe ‚Kiste‘ war nur einige Häuser weiter und Treffpunkt von Rockern. Mit denen hatten wir es dann zu tun“, so Girndt. Bei einem heftigen Schlagabtausch half nur noch der Einsatz eines Feuerlöschers. „Die aggressiven Rocker konnten wir nur so in Schach halten, bis die Polizei endlich kam“, erzählt er.

Timo Berndt sorgte im Untergeschoss für wechselnde Ausstellungen. Jazzplatten wurden dort verkauft wie auch Bücher. Er spricht von politischer wie kultureller Aufbruchstimmung und einer gepflegten Arroganz der Röhrianer. „Wir kannten uns alle. Wenn am Wochenende Gäste aus dem Umland kamen, haben wir sie als Landpomeranzen schon mit einer gewissen Arroganz behandelt“, schmunzelt Berndt. Röhre oder Kastell gehörte damals zur Gewissensfrage beim Publikum. „Das Kastell wurde zum Treffpunkt für Jugendliche. In Moers stand die Sozialarbeit mit Jugendlichen noch am Anfang. Vieles lief aus dem Ruder“, ergänzt Ilse Cremmer, die damals dort engagiert war. Das Gebäude, die ehemalige katholische Grundschule, wurde dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissen. Für Peter Hostermann, ehemaliger Stadtarchivar, war es „eine gute und intensive Zeit. Es war gut, in der Röhre zu sein als woanders“, meint er lachend. Bemerkenswert sei, dass die Röhre seit 50 Jahren zugemacht werden sollte. „Alle anderen Kneipen gibt es schon nicht mehr“, so Hostermann.

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Ärger gab es damals genug. Bürgermeister Albin Neuse beschwerte sich als Anwohner über den Lärm. Polizei in Zivil beobachtete die Szene. Vom K4, sprich Drogenfahndung, ist die Rede, von der 68-Studentenbewegung und der Suche nach RAF-Unterstützern aus dem Umfeld von Gründungsmitglied Brigitte Asdonk und Brigitte Mohnhaupt. Sie lebten in unmittelbarer Nähe zu Moers.

Für Pächter Claudius Albustin läuft das Jubiläumsjahr rund. „Die Geburtstagsfeier hat super Anklang gefunden.“

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