Moers: Bedingungsloses Grundeinkommen: Ja oder nein?

Moers: Bedingungsloses Grundeinkommen: Ja oder nein?

Die Soziologin und Diplom-Volkswirtin Ute Fischer referierte zum Thema im Casino der Sparkasse am Niederrhein.

Ein Grundeinkommen für alle, das nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft ist: Diese Idee ist schon länger im politischen Gespräch. Doch wie ließe sich das finanziell verwirklichen, und welche Auswirkungen könnte das Ganze auf unsere Arbeitswelt haben? Um diese Fragen ging es bei einem Vortrag der Dortmunder Soziologin und Diplom-Volkswirtin Prof. Dr. Ute Fischer im Casino der Sparkasse am Niederrhein.

Selber eine starke Befürworterin der Idee, stellte sie unter dem Titel "Grundeinkommen: Modelle und Finanzierungsmöglichkeiten" dabei zahlreiche Berechnungen und Beispiele von bisher schon durchgeführten Versuchen zu diesem Thema vor, ließ dabei aber auch die gegnerischen Argumente nicht unerwähnt. Die, so referierte sie, kämen vor allem aus dem Kreis der Gewerkschaften, die dadurch unter anderem eine Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte befürchten. Auch viele Unternehmen sind offenbar dagegen. Sie vermuten, dass ein die Grundbedürfnisse deckendes Grundeinkommen den Anreiz zum Arbeiten mindern und damit der deutschen Wirtschaft schaden könnte.

Nach Ansicht Fischers beziehen sich diese Ansichten jedoch ausschließlich auf den Bereich der bezahlten Arbeit, was sie mit einer zynischen Karikatur verdeutlichte: "Ich habe vier Kinder groß gezogen, anschließend meine Enkelkinder gehütet, dann Obdachlose betreut und schließlich meinen alten Vater gepflegt", beschrieb darin eine ältere Frau ihren bisherigen Lebensweg, woraufhin sie die Antwort erhielt: "Aha, also nie gearbeitet."

  • Boxen in Moers : Bereit für die Schlacht im Ring

Durch ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle könnten solche ungleichen Wichtungen von Arbeit aufgehoben werden, war sich Fischer sicher. Darüber hinaus würde dadurch aber auch allen anderen die Möglichkeit zu einem selbstbestimmten Leben ohne Angst vor Armut, Ausbeutung und Arbeitsplatzverlust gegeben.

Leider, und auch das bekannte sie offen, seien die bisherigen Modellversuche zum Beispiel in Finnland, Namibia oder auch in Schleswig-Holstein wegen ihrer zeitlichen Begrenzung und der damit zum Teil verbundenen Sozialverpflichtungen nicht aussagekräftig gewesen. "Bedingungsloses Grundeinkommen ist wie Demokratie. Die kann man auch nicht vorher testen. Die muss man einfach machen", lautete am Ende ihr Fazit.

Fischer war auf Einladung des "Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt Duisburg-Niederrhein" und des "Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Nordrhein" in der Sparkasse zu Gast.

(lang)
Mehr von RP ONLINE