Kreis Wesel: Baufirmen im Kreis Wesel droht verschärfter Fachkräftemangel

Kreis Wesel : Baufirmen im Kreis Wesel droht verschärfter Fachkräftemangel

Die Bauwirtschaft im Kreis Wesel steuert auf einen immer größeren Fachkräfte-Engpass zu. 222 Stellen in der Branche seien hier im vergangenen Jahr durchschnittlich länger als drei Monate unbesetzt geblieben - 44 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Das hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt jetzt mitgeteilt.

Die IG Bau beruft sich dabei auf eine Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit. Insgesamt waren im Kreis demnach im Jahresmittel 363 offene Bauarbeiter-Jobs gemeldet. "Während die Baukonjunktur so gut dasteht wie zuletzt Ende der 1990er-Jahre, finden heimische Unternehmen oft keine Fachleute mehr", sagt Karina Pfau. Bezirksvorsitzende der IG Bau Duisburg-Niederrhein sieht ein "Alarmsignal". Vom Zimmerer bis zum Estrichleger fehlten in der Region Spezialisten in nahezu allen Bausparten. Pfau sieht dafür einen doppelten Grund: "Einerseits haben viele Firmen trotz anziehender Auftragslage ihre Personaldecke in den vergangenen Jahren nicht ausreichend aufgestockt. Andererseits hat der Bau mit einem großen Nachwuchsproblem zu kämpfen. Zwar verdienen Azubis hier mehr als in allen anderen Branchen - doch immer mehr Schulabgänger zieht es an die Uni." Ende 2017 zählten die Sozialkassen der Bauwirtschaft im Kreis Wesel 46 neue Ausbildungsverträge.

Die IG BAU schlägt vor, in Schulen verstärkt für eine Handwerksausbildung zu werben. "Vielen gilt ein Studium als Nonplusultra - obwohl Karriere- und Verdienstchancen in der Bauwirtschaft oft mindestens genauso gut sind", sagt Pfau. Aber auch die Betriebe seien gefordert: "Sie sollten auf Qualität und gute Arbeitsbedingungen setzen." Subunternehmen und Billigheimer aus dem Ausland kämmen der Branche am Ende teuer zu stehen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE