Haushaltsplanung Alpen kommt solide durch die Krise

Alpen · Trotz Pandemie und galoppierender Energiepreise entwickeln sich die Finanzen der Gemeinde positiv. Grund dafür sind vornehmlich wieder stärker sprudelnde Steuereinnahmen. Trotzdem erreicht die Verschuldung ein Rekordhoch.

Der Stadtumbau, der den Verkehrsfluss im Alpener Ortskern seit Monaten ausbremst, ist eine der letzten großen Investitionen, die die Gemeinde in den kommenden Jahren schultern muss.  Archivfoto: arfi

Der Stadtumbau, der den Verkehrsfluss im Alpener Ortskern seit Monaten ausbremst, ist eine der letzten großen Investitionen, die die Gemeinde in den kommenden Jahren schultern muss. Archivfoto: arfi

Foto: E. Kohl

Erst Corona, dann der russische Überfall auf die Ukraine und über allem der sich verschärfende Klimawandel mit langen Dürreperioden: Alle Welt ächzt unter den Krisen. Auch Alpen hat da sein Päckchen zu tragen. Trotzdem: In finanzieller Hinsicht geht’s wieder aufwärts in der von Kämmerin Andrea Brochtrup geführten Kasse der Gemeinde. Im Rat hat sie eine höchst erfreuliche Ergebnisrechnung vorgelegt, nachdem sie einen Strich unter das Haushaltsjahr 2021 gemacht hat. Fast vier Millionen Euro hat sie mehr eingenommen als ausgegeben. Den Überschuss kann sie auf die hohe Kante legen für den Fall, dass es mal nicht so gut läuft. Aber auch fürs nächste Jahr sieht’s wieder ganz gut aus, auch wenn am Ende ihres Etatentwurfs ‘23, den sie jetzt zur Beratung in die Fraktionen gegeben hat, ein Loch von knapp 1,4 Millionen Euro klafft. Vorerst. Angesichts bewährt konservativer Planung könnte das Defizit in der Realität durchaus kleiner ausfallen. Vom ungeliebten Dreh‘ an der Steuerschraube wie in anderen Rathäusern ist in Alpen – bislang jedenfalls – nichts zu erkennen.

Die Ausgangslage 2020 ist zwar wie die Jahre zuvor noch mit einem Minus zu Ende gegangen. Aber mit rund 100.000 Euro aus den Rücklagen musste nur ein vergleichbar kleines Loch gestopft werden. Da nimmt sich im Vergleich der Sprung im vorigen Jahr auf einen Überschuss von vier Millionen Euro gewaltig aus. „Sehr erfreulich“, nennt das die Kämmerin in aller Bescheidenheit. Hauptgrund sind die nicht so leicht kalkulierbaren Gewerbesteuereinnahmen. Die örtlichen Betriebe haben mit 9,6 Millionen Euro fast doppelt so viel aufs Konto der Gemeinde überwiesen wie ein Jahr zuvor (4,8 Millionen). Die Kämmerin räumt ein: „Wir haben mit deutlich weniger gerechnet.“ Der Anteil an der Einkommensteuer ist mit 7,7 Millionen auch um eine halbe Million höher ausgefallen als im Vorjahr. Immerhin: Die Eigenkapitaldecke kletterte in der Folge auf 28,5 Millionen Euro und erreicht fast wieder den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2014 (28,7 Millionen). Der Schuldenberg fiel um 750.000 Euro auf 13 Millionen Euro – 1,5 Millionen Euro unter der Höchstmarke in 2019 (14,4 Millionen).
Der Blick nach vorn Kämmerin Andrea Brochtrup blickt durchaus zuversichtlich ins kommende Jahr, obwohl wichtige Eckdaten wie die amtlichen Steuerschätzungen noch ausstehen und somit noch Veränderungen zu erwarten sind. Sie kalkuliert mit einem Finanzierungsloch von knapp 1,4 Millionen Euro. Das hatte in diesem Jahr noch einen Umfang von 2,2 Millionen Euro. Für das Jahr 2024 rechnet Brochtrup aber schon mit einem Überschuss in Höhe einer halben Million.

Einnahmen Andrea Brochtrup geht davon aus, dass die heimische Wirtschaft weiter gute Geschäfte macht und ihr knapp 6,2 Millionen Euro an Gewerbesteuer in die Kasse spülen wird. Im Etat für 2022 steht da noch ein Ansatz von 5,4 Millionen Euro. Bei der Einkommensteuer rechnet man im Rathaus erneut mit einer Steigerung um eine halbe Million. Da die Gemeinde anders als im Vorjahr wieder Bauland auf den Markt bringen will, sind hier Erträge von 725.000 Euro vorgesehen.

Ausgaben Die Personalkosten im Rathaus klettern um 450.000 auf fast 6,5 Millionen Euro. Der Ansatz allein für Strom verdoppelt sich, bemessen am Durchschnittsverbrauch in den öffentlichen Gebäuden, auf rund 800.000 Euro. Höchster Ausgabeposten bleiben die Transferleistungen – hier sind in erster Linie die Umlagen an den Kreis Wesel zu nennen – mit 12,5 Millionen Euro. Alpen reicht in der Summe aber fast eine Million weniger weiter als noch in diesem Jahr.

Eigenkapitaldecke Weil die Ausgleichsrücklage, die durch das sehr gute Abschneiden in 2021 auf 8,5 Millionen angewachsen war, durch das aktuell geplante Minus wieder auf 6,4 Millionen abschmilzt, geht auch das Eigenkapital der Gemeinde auf 25 Millionen zurück. Doch die mittelfristige Finanzplanung sieht eine solide Kassenlage. Danach steht Ende 2026 die Ausgleichsrücklage noch mit 2,4 Millionen im Plus. Der Griff in die Allgemeine Rücklage (fast 20 Millionen), also ins Eingemachte, ist absehbar nicht erforderlich. Die Vokabel Haushaltssicherung nimmt daher im Rathaus niemand in den Mund.

Investitionen Größte Investitionsmaßnahme, die sich aber später bezahlt macht, ist der Ankauf von Acker (vornehmlich auf der Bönninghardt) für 2,2 Millionen Euro, der zu Bauland veredelt werden soll. Ansonsten kosten die Umgestaltung der Burgstraße (400.000 Euro), die Sanierung der Umkleiden von Borussia Veen (375.000 Euro) sowie die Ausstattung der Naturwissenschaften in der Sekundarschule (260.000 Euro). Zur Deckung der Investitionslücke von 1,6 Millionen Euro muss sich Alpen das Geld von der Bank holen. Der Schuldenstand erreicht Ende ’23 mit 17,8 Millionen ein Rekordhoch. 330.000 Euro werden dafür an Zinsen fällig. Trost: Weil in den Folgejahren keine nennenswerten Baumaßnahmen der Gemeinde mehr geplant sind und bereits 2024 mehr als 3,5 Millionen Euro durch den Verkauf von Baugrundstücken erwartet werden, kann der Schuldenberg wieder etwas abgetragen werden. Er soll Ende 2026 knapp unter 15 Millionen liegen.