1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Automaten-Sprenger immer skrupelloser: Sparkasse am Niederrhein schließt Risiko-Standorte

Sparkasse schließt Risiko-Standorte : Automaten-Sprenger immer skrupelloser

Nach der Sprengung eines Sparkassen-Pavillons in Utfort hofft die Polizei weiter auf Zeugenhinweise. Auf Empfehlung des LKA überprüfen Geldinstitute ihre Automaten-Standorte. Die Sparkasse am Niederrhein schließt drei.

Die Wucht der Detonation muss gewaltig gewesen sein. Der Sparkassen-Pavillon am Aldi-Markt in Utfort ist jedenfalls völlig zerstört. Am frühen Samstagmorgen, 27. Juni, waren dort Geldautomaten-Sprenger am Werk. Zeugen sahen einen Roller vom Tatort wegfahren. Die Polizei hofft weiter auf Hinweise von Zeugen. Die Sparkasse hat in der vergangenen Woche beschlossen, den Pavillon nicht mehr neu aufzubauen. Bereits 2009 war dort ein Automat gesprengt worden. Und vor ein paar Monaten musste der Pavillon nach einem Versuch, den Automaten aufzubrechen, geschlossen und repariert werden.

Was die Sparkassen-Verantwortlichen besonders beunruhigt hat: Diesmal haben die Täter kein Gasgemisch für die Sprengung benutzt, sondern einen Festsprengstoff. Das kommt nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) immer häufiger vor. „Die Täter sind völlig skrupellos“, sagte LKA-Pressesprecher Andre Faßbender. „Sie nehmen in Kauf, dass Menschen verletzt werden.“ Jedenfalls dort, wo Automaten in oder neben Gebäuden stehen, in denen Menschen wohnen. So wie zuletzt in der Nacht auf Dienstag in Merzenich (Kreis Düren). Faßbender: „Da haben Menschen oben im Haus geschlafen. Ihnen ist zum Glück nichts passiert. Aber das war für sie brandgefährlich.“

  • Die Stadt-Sparkasse schließt nach einer Empfehlung
    Empfehlung des Landeskriminalamtes : Sparkasse schließt Geldautomaten im Außenbereich
  • Der SB-Standort der Sparkasse am Markt
    Reaktion auf Automatensprengungen : Sparkasse baut Geldautomat am Xantener Markt ab
  • Nach versuchter Sprengung eines Geldautomaten : Fünf Männer in Duisburger Garagenhof vom SEK festgenommen

Vor diesem Hintergrund, aber auch, weil Sprengungen immer häufiger vorkommen, hat das LKA Geldinstituten neue Schutzrichtlinien ans Herz gelegt. Landesweit haben Banken und Sparkassen Automaten-Standorte aufgegeben. Auch die Sparkasse am Niederrhein hat geprüft, ob die insgesamt 28 Standorte ihrer Automaten in der Region im Einklang mit den LKA-Empfehlungen stehen. In drei Fällen war dies nicht so. Konsequenz: Neben dem Pavillon in Utfort hat die Sparkasse das Foyer an der Homberger Straße in Moers sowie die SB-Stelle am Xantener Markt aufgegeben. Der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Giovanni Malaponti sprach von einer „völlig neuen Gefahrensituation“. Die Sicherheit der Menschen sowie der Schutz von Gebäuden hätten oberste Priorität. Auf Empfehlung des LKA hat die Sparkasse an ihren Automaten-Standorten die Nachtschließung (bisher 24 bis fünf Uhr) verlängert (23 bis sechs Uhr).

Auch die Volksbank Niederrhein hat ihre 38 Automaten-Standorte vor dem Hintergrund der LKA-Empfehlungen unter die Lupe genommen. „Wir sind in engem Kontakt mit der Kreispolizeibehörde“, sagte Volksbank-Chef Guido Lohmann. Schließungen seien zum Glück nicht notwendig. „Das ist für alle Banken ein großes Problem“, sagte Lohmann zur steigenden Zahl von Sprengungen. „Das letzte Risiko wäre nur auszuschließen, wenn alle Automaten abgebaut würden.“ Die Versorgung mit Bargeld sei aber für viele Menschen wichtig.

Beim Landeskriminalamt beschäftigt sich eine Ermittlungskommission namens „Heat“ schon seit längerer Zeit mit Geldautomaten-Sprengungen. Die Ermittler haben eine Tätergruppierung in den Niederlanden, im Raum Amsterdam/Utrecht, im Visier. Die Sprengung in Utfort geht möglicherweise ebenfalls auf das Konto dieser Gruppe. Es gebe Gemeinsamkeiten mit anderen Taten, die ihr zugerechnet werden, sagte Andre Faßbender. Oft fahren die Täter mit PS-starken Autos am Tatort vor, um dann mit Vollgas zu flüchten. Es sei aber durchaus nicht ungewöhnlich, dass wie in Utfort ein Roller benutzt wird, mit dem die Täter nach der Sprengung zum eigentlichen Fluchtfahrzeug davonsausen.

Das Landeskriminalamt hat im laufenden Jahr bereits 109 Geldautomaten-Sprengungen in Nordrhein-Westfalen registriert. Das sind mehr als im ganzen Jahr 2019 (104) oder auch 2018 (108). Es gibt Vermutungen, dass die Corona-Krise dabei eine Rolle spielt, weil die Grenzen zwischen den Niederlanden und Deutschland stets offen waren, während die Ausreise aus den Niederlanden nach Frankreich oder Belgien nicht so leicht möglich war.

Die offenen Grenzen sind eine mögliche Erklärung, sagte Andre Faßbender. Eine andere sei die große Dichte von Geldautomaten in Deutschland. Der LKA-Sprecher: „Deutsche sind Bargeld-affin.“ Deshalb gibt es bei uns sehr viele Geldautomaten.