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Aus England stammende Moerserin zum Brexit: „Ich will weiter Teil der EU sein“

Moerser Britin will keinen Brexit : „Ich will weiter Teil der EU sein“

Martina Dickmann ist gebürtige Britin und lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Moers. Aufgrund des bevorstehenden Brexits hat sie die doppelte Staatsbürgerschaft beantragt.

Seit etwa zwei Jahren hat Martina Dickmann zwei Pässe — den britischen und den deutschen. Geboren wurden sie als Tochter eines britischen Vaters und einer deutschen Mutter als Martina Hodges-Winkworth in London. Mit 21 Jahren kam sie nach Düsseldorf, das sie schon durch ihre Großmutter kannte und wo sie eine Stelle zur Ausbildung als Hotelfachfrau bekommen hatte. Sie heiratete, gründete eine Familie und zog ins beschaulichere Moers. Heute arbeitet die 52-Jährige als Englischlehrerin bei der Volkshochschule Duisburg. Und hatte die meiste Zeit nur die britische Staatsangehörigkeit. „Ich musste mir nie Gedanken darum machen, eine zusätzliche Staatsbürgerschaft war nicht nötig“, sagt Martina Dickmann. Bis zum Referendum im Juni 2016, bei dem für den Austritt des Vereinten Königreichs aus der Europäischen Union gestimmt wurde.

An dem Referendum beteiligen durfte sich Martina Dickmann nicht. „Obwohl ich ja trotzdem davon betroffen bin. Aber ich lebte schon zu lange außerhalb Englands“, erzählt sie. Hätte sie abstimmen dürfen, dann für den Verbleib in der EU. „Dass Großbritannien aus der EU austreten will, finde ich sehr schade. Vor allem für das Wir-Gefühl, gerade jetzt, wo es in so vielen Ländern nationalistische Strömungen gibt“, sagt sie. „Sauer bin ich nicht, aber traurig.“

Martina Dickmann hat in England noch eine große Familie. Zwei Schwestern, Nichten und Neffen und viele Cousins und Cousinen, die sie etwa zwei Mal im Jahr besucht. Alle sind gegen den Austritt. „Tatsächlich kenne ich niemanden, der für den Brexit gestimmt hat. Viele sind entsetzt. Bei einem erneuten Referendum, gäbe es bestimmt keine Mehrheit mehr für den Austritt“, sagt sie.

Im August 2016 beantrage Martina Dickmann zusätzlich die deutsche Staatsangehörigkeit. „Ich möchte weiter ein Teil der EU sein“, sagt sie. Außerdem hatte ich Sorge, dass die Einreise in andere Länder schwerer werden könnte, wenn ich keine EU-Bürgerin mehr wäre.“ Nur den britischen Pass zu haben, war vorher nie ein Problem. „Außer, dass ich oft zusätzlich eine Anmeldebescheinigung vorzeigen musste – aber nur weil auf dem englischen Ausweis keine Adresse steht.“ Wie es mit der doppelten Staatsbürgerschaft aussieht, wenn das britische Unterhaus heute dem EU-Austrittsvertrag zustimmt, weiß sie noch nicht. „Wenn ich meinen britischen Pass abgeben müsste, wäre das sehr ärgerlich. Da ginge etwas verloren. Britin und Europäerin zu sein – beides ist Teil meiner Identität.“

Im Falle des nahenden Austritts rechnet Martina Dickmann mit strengeren Kontrollen bei Reisen nach Großbritannien. Sonst würde sich für sie selbst wohl nicht viel ändern. „Schade ist ein Austritt aber für EU-Bürger, die erst kurze Zeit in England leben und vielleicht wieder gehen müssen. Oder umgekehrt. Und auch, dass Großbritannien dann ganz alleine da steht.“