Moers: Auf Kernenergie verzichten

Moers: Auf Kernenergie verzichten

Birger Gesthuisen und 60 weitere Moerser fordern per Bürgerantrag, dass "ENNI umgehend auf die Vermarktung von Atomstrom verzichtet". Das Energieversorgungsunternehmen selbst sieht sich bereits auf dem Weg.

Post für den Moerser Rat gab Birger Gesthuisen gestern im Moerser Rathaus ab. Mit seinem Bürgerantrag wird die Debatte um die Nutzung der Kernenergie auch zum lokalen Thema.

Der 58-Jährige fordert den Rat auf, sich dafür einzusetzen, dass "das Energieversorgungsunternehmen ENNI umgehend auf die Vermarktung von Atomstrom verzichtet". Mit seiner Forderung steht Gesthuisen nicht allein: 60 Unterschriften von überwiegend prominenten Moersern sind auf der Liste zu finden.

Gesthuisen betont, keiner politschen Gruppierung anzugehören. Im privaten Freundeskreis habe man sich spontan zu dem Antrag entschieden. Es sei an der Zeit, jetzt wirklich zu handeln und Fakten gegen die Nutzung der Kernenergie zu schaffen. Das Thema beschäftigt Gesthuisen schon seit jungen Jahren. Damals kämpfte er mit einer Bürgerintiative gegen den Bau des "Schnellen Brüters" in Kalkar. Man habe bewusst darauf verzichtet, in der Fußgängerzone Unterschriften zu sammeln.

Es komme nicht auf die Menge, sondern auf die Qualität an. Und so beteiligten sich Pastoren und Rechtsanwälte, Gastronomen und Unternehmer oder auch Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb an der Aktion.

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Der Ausschuss für Bürgeranträge oder der Rat könnten durchaus seinen Vertreter in den Gremien der ENNI auffordern, entsprechend Einfluss zu nehmen. Die Stadt Moers ist der größte Eigentümer der ENNI.

Beim Unternehmen sieht man das Thema gelassen. Vertriebsleiter Oliver Felthaus: "Die ENNI arbeitet seit Jahren aktiv daran, die regenerativen Anteile beim Stromeinkauf zu erhöhen und vermehrt Strom selbst zu produzieren. Rund 23 Prozent des Stroms stammen mittlerweile aus Ökoquellen. So betreibt ENNI in Moers und Neukirchen-Vluyn neun Fotovoltaikanlagen und ein Biomasse-Heizkraftwerk."

Den mit 17 Prozent heute schon unter dem Bundesdurchschnitt liegenden Atomstromanteil wolle das Unternehmen weiter deutlich und perspektivisch bis auf Null senken. "Wir haben unsere Strategie schon im Jahr 2006 auf einen neuen Kurs gebracht und spüren durch die aktuelle Diskussion um den Atomausstieg in Deutschland Rückenwind", so Felthaus. "Wir sind sicher, unsere Kunden trotzdem weiter zu Preisen unter dem Durchschnitt beliefern zu können."

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(RP)
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