Moers: Auf der Suche nach dem Kirmes-Gefühl

Moers : Auf der Suche nach dem Kirmes-Gefühl

Große Kinderaugen, Herzrasen, ein bisschen Angst und viel Spannung – das ist Kirmes. Fünf Tage steht die Grafenstadt im Zeichen des Rummels. Die RP hat sich auf die Suche begeben nach dem Gefühl dahinter – und das sitzt im Bauch.

Große Kinderaugen, Herzrasen, ein bisschen Angst und viel Spannung — das ist Kirmes. Fünf Tage steht die Grafenstadt im Zeichen des Rummels. Die RP hat sich auf die Suche begeben nach dem Gefühl dahinter — und das sitzt im Bauch.

Fünf Kirmestage sind ganz schön anstrengend. Für die "Gewinne, Gewinne, Gewinne" rufenden Schausteller. Für die hellhörigen Anwohner, für die Straßenkehrer. Und für den Magen.

Ganze zwei Stunden haben Carlo Sedda und seine Kumpels gewartet, um die Ersten zu sein. Die Ersten, die mit dem "Voodoo Jumper" auf und ab und um sich selbst gewirbelt werden. So wie die anderen Fahrgeschäfte auch, hat die Karussellneuheit auf dem Friedrich-Ebert-Platz mit dem Fassanstich um 17 Uhr die erste rasante Fahrt auf der Moerser Kirmes 2013 aufgenommen. Dass diese in den ersten 15 Minuten umsonst ist, war jedoch nicht der ausschlaggebende Grund für Carlo, so lange vor dem Kassenhäuschen anzustehen.

Nein. Gewartet hat er wegen der Aufregung des Wartens an sich. Wegen der Bauchschmerzen, dem Sprung, den der Magen macht, wenn die Gondel für einen kurzen Moment im freien Fall hinabstürzt, bevor sie sich fängt und wieder nach oben katapultiert wird. Pures Adrenalin. Und wegen der Endorphine, die mit der Erleichterung kommen, wenn der Nervenkitzel vorbei ist. Carlo grinst. Genau deswegen liebt der 13-Jährige die Kirmes.

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Bauchschmerzen. Sie gehören einfach dazu beim Besuch auf dem Rummel. Nicht nur bei der Fahrt auf dem spektakulärsten Fahrgerät, schon beim bloßen Zusehen. Für viele der Kirmesbesucher scheint es ein viel größeres Erlebnis zu sein, andere bei ihrer turbulenten Höllenfahrt zu beobachten — aus sicherer Entfernung und mit festem Boden unten den Füßen. Auch der 26-jährige Dennis aus Köln bekommt bereits ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, wenn er seiner Freundin auf der "Rocket" zusieht. Die Vorstellung, dass das häufigen Auf- und Abbauen der sich überschlagenden Schaukel negative Auswirkungen auf die Sicherheitsstandards hat, macht ihn skeptisch. "Da warte ich lieber hier unten."

Wahrhaftige Bauchschmerzen bereitet jedoch vor allem der Respekt vor dem Abenteuer. Dafür braucht es in diesem Jahr noch nicht einmal eine Geisterbahn, auch keine maskierten Erschrecker, die mit röhrender Motorsäge durch die kreischende Besuchermenge wanken: Das Erlebnishaus "Pirates Adventure" sorgt für große Kinderaugen und den vorsorglichen Griff nach der Hand der Eltern.

Über die wackelige Hängebrücke unter dem aufgerissenen Maul des riesigen Plastikhais trauen sich tatsächlich überwiegend ältere Kirmesbesucher. So auch die Eltern des dreijährigen Lucio. Er sitzt eingeschüchtert mit Oma Christa vor dem Piratenhaus und knabbert an seinem Lebkuchenherz — gegen die Bauchschmerzen.

Natürlich. Die wohlige Übelkeit von zu viel Zuckerwatte Kirmeseis und heißen Reibekuchen sorgt immer noch für das wahre Kirmesflauen im Magen. Genauso der Blick ins Portemonnaie: Nach der ersten Runde verzweifeln bereits die ersten Besucher beim Blick auf die Preisschilder an den Kassenhäuschen. Aber schön sind sie jedes Jahr, diese Bauchschmerzen. Diese Mischung aus Nervenkitzel und Freiheit schmeckt einfach zu gut.

(kno)
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