Interview: Auf den Tag genau 20 Jahre bei der Stadt

Interview: Auf den Tag genau 20 Jahre bei der Stadt

Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt will sich einer vierten Amtszeit stellen: "Ich fühle mich in Kamp-Lintfort wohl." Ob die Wahl 2014 oder erst 2015 stattfindet, darüber will der promovierte Jurist nach der Sommerpause entscheiden.

Gefeiert wird heute im kleinen Kreis. 1993 nahm Christoph Landscheidt seinen Dienst bei der Stadt Kamp-Lintfort auf. Knapp zwei Jahre später wurde der promovierte Jurist mit damals 36 Jahren jüngster Stadtdirektor im Land. Seit 1999 ist er hauptamtlicher Bürgermeister in Kamp-Lintfort. In den vergangenen drei Legislaturperioden hat er mit seiner Rathausmannschaft in der Stadt viel auf den Weg gebracht. Jetzt strebt Christoph Landscheidt eine vierte Amtszeit an.

Dr. Christoph Landscheidt heute und vor 20 Jahren als junger Beigeordneter in Kamp-Lintfort. Foto: Privat

Herr Dr. Landscheidt, steht es denn schon fest, ob Sie sich wie der Moerser Bürgermeister Norbert Ballhaus bereits 2014 zur Wahl stellen werden oder erst nach Ablauf der regulären Amtszeit im Jahr 2015?

Landscheidt Es gibt zwar noch einige rechtliche Fragen, die wir klären müssen. Der Zeitpunkt der Bürgermeisterwahl spielt für mich allerdings keine Rolle. Ich möchte noch ein wenig Bedenkzeit und mit meinen politischen Freunden abstimmen, ob Bürgermeister- und Kommunalwahl im nächsten Jahr wieder parallel stattfinden sollen. Ein wichtiger Punkt in dieser Diskussion ist aus meiner Sicht der Bürgerwille. Kann man die Bürger, die mich 2009 für sechs Jahre ins Amt gewählt haben, einfach übergehen?

Befürchten Sie es nicht, dass es 2015 schwierig wird, die Bürger noch einmal zur Wahlurne zu bewegen?

Landscheidt Die Mobilisierung der Bürger kann 2015 natürlich schwieriger werden. Es gibt aber auch die Meinung, dass ein Alleinauftritt bei der Bürgermeisterwahl für mehr Aufmerksamkeit sorgen kann. Die Entscheidung über den Wahltermin in Kamp-Lintfort wird nach der Sommerpause getroffen.

Wenn die Bürger Sie für eine vierte Amtszeit wählen sollten, würden Sie eine volle Legislaturperiode zur Verfügung stehen? Es kursieren immer wieder Gerüchte, dass Sie andere Ambitionen haben — eine Position als Sparkassendirektor in Duisburg?

Landscheidt Solche Gerüchte begleiten mich seit meinem ersten Arbeitstag im Rathaus. Es hieß immer: Der will Karriere machen und bleibt nicht hier. Inzwischen arbeite ich seit 20 Jahren in der Kamp-Lintforter Verwaltung. Das zeugt doch von Beständigkeit und auch Bodenständigkeit. Ich fühle mich in Kamp-Lintfort wohl und kann mir keinen besseren Ort vorstellen, an dem man Arbeiten und Wohnen so ideal miteinander verbinden kann.

Apropos Sparkasse: Im Stadtrat haben sich Fraktionen dagegen ausgesprochen, dass der Vertrag des Duisburger Sparkassenchefs Uwe Haddenhorst verlängert wird — weil er Kamp-Lintfort betreffende Entscheidung zu spät kommuniziert haben soll. Wenn es berechtigte Gründe gibt, gegen die Verlängerung des Vertrags zu votieren, warum findet dies in nicht-öffentlicher Sitzung statt?

Landscheidt Weil es bei Personalien, Qualifikationen und Fähigkeiten eine wichtige Frage ist, inwieweit man dies öffentlich behandeln kann, ohne die Person oder den Ruf des Hauses zu beschädigen. Und die Sparkasse ist ein hervorragend arbeitendes Kreditinstitut. Der Antrag im Stadtrat beinhaltete ein von drei Fraktionen getragenes Interesse. Das ist aus meiner Sicht legitim. Es ist ein Signal des Juniorpartners Kamp-Lintfort, dass er mit der Empfehlung nicht einverstanden ist.

Bevor Sie nach Kamp-Lintfort kamen, haben sie als Anwalt, Richter und Referent in der Staatskanzlei gearbeitet. Warum haben Sie sich damals für die Verwaltungslaufbahn in Kamp-Lintfort entschieden?

  • Moers : Kamp-Lintfort

Landscheidt Ich habe als Referent in der Staatskanzlei gearbeitet — und zwar in der Verfassungskommission. Damals ging es darum, nach der Wiedervereinigung die Landesverfassungen und das Grundgesetz zu überprüfen. Ich bin als junger Jurist in Bonn vielen politischen Größen begegnet. Das war sehr reizvoll. Dass ich nach Kamp-Lintfort kam, war reiner Zufall: Ich entdeckte eine Anzeige, in der die Stelle eines Beigeordneten ausgeschrieben war und entschied mich dafür, auf eine andere Weise einzusteigen — obwohl ich damals völlig unerfahren und überrascht war, wie wichtig Parteipolitik doch ist.

Sie waren noch nicht in der SPD?

Landscheidt Nein, ich wurde erst 1997 Mitglied in der SPD Kamp-Linfort. Damals habe ich zum ersten Mal für das Amt des Bürgermeisters kandidiert. Ich stand den Sozialdemokraten immer nahe und fand, dass die Bürger und Wähler dies wissen sollten.

Also ist die berufliche Laufbahn, die Sie in Kamp-Lintfort eingeschlagen haben, für Sie folgerichtig?

Landscheidt Sie war nicht nur folgerichtig, sondern auch goldrichtig.

Wenn Sie auf die vergangenen 20 Jahre zurückblicken, auf was sind Sie besonders stolz?

Landscheidt Ich möchte vorwegschicken, dass ich nichts alleine bewirkt habe. Es ist wichtig, in der Verwaltung die richtigen Leute am richtigen Ort zu haben. Und das ist bei uns der Fall. Die Gründung der Stadtwerke war auf jeden Fall ein großes Projekt. Dazu gehört jedoch auch der Umbau der Innenstadt, der mit dem Abriss des alten Kaufhofs, der Ansiedlung von Real und dem Neubau des Kreisverkehrs am Alten Rathaus begann. Ohne Real hätte es den Prinzenplatz nicht gegeben.

Welchen Herausforderungen wird sich die Stadt Kamp-Lintfort in den nächsten Jahren stellen müssen?

Landscheidt Es ist nicht möglich, Kommunalpolitik über die nächsten zehn Jahre hinaus zu planen. Die Entwicklung von der Bergbau- zur Hochschulstadt bedeutet aber einen Paradigmenwechsel. Ich sehe darin eine große Chance für die Stadt. Auch die Studenten werden das Stadtbild verändern. Die Entwicklung des Zechengeländes wird Politik und Verwaltung noch Jahre in Anspruch nehmen.

(RP)
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