Moers: Archivar Spillings Spuren der Geschichte

Moers: Archivar Spillings Spuren der Geschichte

Christoph Spilling hat heute seinen letzten Arbeitstag als Archivar der Stadt Moers. Nach acht Jahren Pionierarbeit in der Organisation der historischen Dokumente der Grafschaft zieht es ihn zurück in seine Heimatstadt Oberhausen.

Archivare treten im öffentlichen Leben eher selten in Erscheinung. Das trifft auch auf Christoph Spilling zu, der acht Jahre lang das Archiv der Stadt Moers geleitet hat. Doch für das Leben einer Stadt ist die Arbeit der Menschen, die die historische Erinnerung einer Stadt organisieren, kaum zu unterschätzen. Das haben gestern Peter Boschheidgen und Wilfried Scholten, die beiden Vorsitzenden des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins (GMGV), an Spillings vorletztem Arbeitstag in Moers noch einmal unterstrichen. Ab Oktober wird Spilling (43) Archivar in seiner Heimatstadt Oberhausen.

Doch zuvor nahm er in Moers dann doch einen seiner seltenen öffentlichen Termine wahr. Auf dem bahnhofsvorplatz präsentierte er eine vom GMGV gesponsorte Übersichtstafel, die ankommende Besucher auf die 44 Moerser Geschichtsstationen im Stadtgebiet hinweisen.

Ein wenig stehen diese Geschichtstationen, die auf eine Idee von Andrea Dieren zurückgehen und maßgeblich vom GMGV gefördert worden sind, für Lust und Leid eines Berufslebend als Archivar in einer deutschen Mini-Großstadt. "Es ist kaum vorstellbar, mit wie vielen Stellen man sprechen muss, bevor so eine Station einmal steht", sagte er gestern vor dem Moerser Bahnhof. Das sind nicht nur Historiker und Autoren, sondern auch Layouter, Agenturen, Behörden, die Enni und nicht zuletzt die Feuerwehr. Natürlich sind es schöne Erfolge, wenn etwas so handgreiflich Bürgerfreundliches herauskommt wie die Moerser Geschichtsstationen, die Spilling als Vorsitzender eines GMGV-Arbeitskreises betreute, aber mit der Aufgabe eines Archivars hat das nur am Rande zu tun. In Oberhausen, so hofft er, wird er wieder mehr archivarisch arbeiten können.

"Spilling hat die Moerser regelrecht verwöhnt", lobte Boschheidgen den Scheidenden. "Sein Weggang hinterlässt eine große Lücke im kulturellen Leben der Stadt." Auch Boschheidgens Kollege im GMGV-Vorstand Wilfried Scholten betonte, wie überaus hilfreich Spillings Arbeit für ihn gewesen sei. Scholten ist Autor mehrerer Werke zur Moerser Geschichte.

Spilling war der dritte Moerser Stadtarchivar nach dem Krieg, aber der erste, der sein Handwerk auch studiert hatte. Eine seiner Hauptaufgaben sah er darin, die Bestände zu digitalisieren und einer möglichst großen Öffentlichkeit zugängliuch zu machen. "Das Archiv ist heute besser aufgestellt als vor acht Jahren", stellt der scheidende Leiter fest. "Mein Nachfolger könnte die Bestände jetzt über Internet zugänglich machen. Die Vorarbeiten dafür sind geleistet worden."

21 Stunden in der Woche ist das Moerser Stadtarchiv für die Öffentlichkeit zugänglich. Das soll auch in der Zeit weiter so bleiben, in der das Archiv nur eine kommissarische Leitung hat. Spillings Stelle soll dem Vernehmen nach in den nächsten Tagen ausgeschrieben werden. Ob sich so zeitnah ein Nachfolger finden lässt, ist indes ungewiss. Denn der Arbeitsmarkt für Archivare ist in Deutschland leer gefegt. Spilling: "In NRW werden in diesem Jahr acht Archivare mit ihrer Ausbildung fertig. Und alle haben bereits eine feste Stelle bekommen."

(RP)