1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

App "Immuny" aus Moers soll Öffnungen ermöglichen

Kreis Wesel als Modellregion : App aus Moers soll Öffnungen ermöglichen

Der Kreis hat sich offiziell als Modellregion für sichere Öffnungen beworben. Als Türöffner im übertragenen wie tatsächlichen Sinn soll der digitale Test-, Impf- und Antikörpernachweis „Immuny“ eines Moerser IT-Dienstleisters dienen.

Es soll voran gehen, auf einem eigenen Weg: Die Stadt Moers will gemeinsam mit dem Kreis Wesel Modellkommune für kontrollierte Öffnungen werden. Als Türöffner im übertragenen wie im tatsächlichen Sinn soll dabei der digitale Test-, Impf- und Antikörpernachweis „Immuny“ des Moerser IT-Dienstleisters HMM Deutschland dienen.

Konkret bedeutet das: Eine App als Eintrittskarte fürs Shoppen, den Besuch von Restaurants oder des Schlosstheaters – dieses Stück Normalität soll es bald schon wieder in der Grafenstadt und der Region geben. Unterstützt wird das Konzept unter anderem vom Moerser Schnelltesthersteller nal von Minden und vom Krankenhaus Bethanien.

„HMM und nal von Minden sind bedeutende Unternehmen in der Pandemie. Wir haben in Moers also die technische und medizinische Kompetenz“, begründet Bürgermeister Christoph Fleischhauer den Schritt. „Wir wollen so den Menschen ein Stück des Alltags zurückgeben – und das mit einem hohen Maß an Sicherheit.“

„Gastronomie, Fitness- und Gesundheitseinrichtungen, Industrie, Sport, Kultur – alle können von dem Modell profitieren“, erklärt HMM-Geschäftsführer Istok Kespret. Ein aktuelles negatives Testergebnis, nachgewiesene Antikörper oder eine Impfung seien in der Anwendung hinterlegt. „Auch die Nachverfolgung wird mit der App vereinfacht.“

  • Der Impfstandort auf dem Gelände des
    Am Impfstandort in Moers : Kreis schickt Kind ohne Impfung nach Hause
  • Die Hanse-Halle Grieth im Wunderland Kalkar
    Impfzentrum im Kreis Kleve : Bürger im Kreis werden impfmüde
  • Gästeführerin Anne-Rose Fusenig als „Moerser Meisje“.
    Spendenführungen in Moers : Gutes tun und Moerser Geschichte erleben

Alle Daten werden laut Hersteller gemäß der Datenschutz-Grundverordnung verarbeitet und liegen in zertifizierten deutschen Rechenzentren. „Als Moerser Unternehmen fühlen wir uns der Stadt verbunden, deshalb freuen wir uns, dass wir uns schnell und unbürokratisch mit Bürgermeister Fleischhauer einigen konnten“, so Kespret.

Den lokalen Gedanken verfolgt auch Sandra von Minden: „Wir unterstützen diese Initiative sehr gerne und wollen den Menschen vor Ort damit eine Perspektive geben“, sagt die Unternehmerin. Auch Vertreter der lokalen Wirtschaft seien bereits über das Vorhaben informiert und wollten bei der Umsetzung helfen, teilt die Stadt Moers mit. Man hoffe jetzt auf die Zusage des Landes, heißt es.

Der Bürgermeister jedenfalls ist fest entschlossen: „Ich bin optimistisch, dass wir beste Voraussetzungen haben, die zum Zuschlag für die Modellregion Kreis Wesel führen werden. Wir wollen dieses Konzept auf jeden Fall umsetzen“, so Fleischhauer. „Mit Immuny helfen wir nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Menschen im Kreis Wesel.“ NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte in dieser Woche kurzfristig bekannt gegeben, dass es in NRW verantwortungsvolle Öffnungen in der Corona-Pandemie geben soll. Dabei soll als Basis das Projekt der Stadt Tübingen in Baden-Württemberg „Öffnen mit Sicherheit“ dienen. Nach einem negativen Corona-Test wird ein „Tagesticket“ ausgestellt, das den Besuch von Gastronomie, Geschäften und Kultureinrichtungen unter Auflagen ermöglicht. Das gesamte Verfahren wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

Der Kreis Wesel hat sich nun gemeinsam mit seinen 13 kreisangehörigen Städten und Gemeinden als Modellregion „Verantwortlich am Niederrhein – Öffnen mit Sicherheit“ beim Land Nordrhein-Westfalen beworben. Der Landrat, die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister hätten dem Ministerpräsidenten bereits eine erste Konzeptskizze vorgelegt, teilte der Kreis am Freitagmittag mit.

Darin sei die bereits jetzt vorhandene Testinfrastruktur im Kreis Wesel genannt, die im Rahmen einer Modellregion noch punktuell verstärkt werden müsste, heißt es. Ausreichend Testmaterial müsse in jedem Fall durch das Land abgesichert werden. Ebenso sei eine landeseinheitliche digitale Testinfrastruktur notwendig, die zum einen ein „digitales App-Testticket“ beinhaltet, zum anderen die Teststellen und die aufgesuchten „geöffneten“ Einrichtungen entsprechend digital vereinheitlicht und verbindet. Zudem sollte laut Kreisverwaltung eine entsprechende Datenerfassung auch für wissenschaftliche Auswertungen gesichert sein.

Sollte der Kreis Wesel als Modellregion ausgewählt werden, werden die kreisangehörigen Kommunen aufgefordert, dem Kreis räumlich gefasste Gebiete und Einrichtungen – zum Beispiel Museen oder Kinos – vorzulegen, in denen eine Öffnung unter anderem des Einzelhandels, der Außengastronomie und weiterer Einrichtungen stattfinden soll.

Der Kreis Wesel würde dann in Abstimmung mit den Kommunen die entsprechenden Voraussetzungen prüfen und das Gebiet freigeben. Im Hinblick auf die Erfahrungen mit der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort im vergangenen Jahr wollten Kreis und Kommunen gemeinsam mit Veranstaltern von Kulturangeboten entsprechende Durchführungskonzepte entwickeln, heißt es.

Bereits seit dem vergangenen Jahr setzt die kreiseigene Entwicklungsagentur Wirtschaft auf eine entzerrende Tagestourismusvermarktung, die Hotspot-Bildungen vermeidet und stattdessen die Weite und die Vielfältigkeit des Niederrheinkreis Wesel in den Mittelpunkt von Wander- und Fahrradaktivitäten stellt.

Hier, sagen der Landrat und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, wäre auch die Öffnung der Außengastronomie und der Bauernhofcafes eine Bereicherung. In einem späteren Schritt sei dann auch „Verantwortlicher Niederrheintourismus“ inklusive Übernachtungen mit einem stringenten Hygiene- und Testkonzept möglich.

„Der Kreis Wesel bietet sich in unseren Augen besonders für eine Modellregion an, weil er von großstädtischen Strukturen im Übergang zum Ruhrgebiet bis hin zu ländlich, dörflich geprägten niederrheinischen bis münsterländischen Strukturen, auch (fast) die gesamte Vielfalt von Nordrhein-Westfalen abbildet,“ heißt es in der gemeinsamen Bewerbung. Für eine Konkretisierung der Bewerbung erwarteten Kreis und Kommunen nun zeitnah die Nennung von Auswahlkriterien durch das Land, teilt die Verwaltung mit. In der Zwischenzeit fänden bereits Abstimmungen und Vorbereitungen aufgrund bisheriger Erkenntnisse mit den kreisangehörigen Kommunen sowie erste konzeptionelle Schritte statt.

Derweil spricht sich die Linksfraktion im Kreistag gegen die angedachte Bewerbung des Kreises Wesel zur Modellregion aus. Zum jetzigen Zeitpunkt sei eine solche grob fahrlässig, heißt es.

„Die Gefahr von schwerwiegenden Covid-19-Langzeitfolgen und einer drohenden Überlastung der Krankenhäuser war nie höher als in der anlaufenden dritten Welle durch die tödlichere und infektiösere Virusvariante B.1.1.7.“, erklärt der Vorsitzende der Linksfraktion, Sascha Wagner. „Auch wir wünschen uns, dass allen Bürgerinnen und Bürgern mehr Perspektive in dieser mehr als schwierigen Zeit aufgezeigt werden könnten. Ohne einen harten Lockdown im Vorfeld oder Ausgangssperren sind diese Perspektiven mit dem derzeitigen Infektionsgeschehen auf der einen und dem Fortschritt der Impfaktion auf der anderen Seite jedoch nicht zu bewerkstelligen.“ Modellregionen nach dem Gusto der NRW-Landesregierung seien gefährlicher Aktionismus zur kurzfristigen Linderung des Frusts und Vertrauensverlusts der Bürger gegenüber der Politik!“, so Wagner weiter.