Anwohner säubern die Lotharstraße in Moers.

Aktion in Moers: Anwohner säubern die Lotharstraße

Gemeinschaftlich haben Moerser Dreck und Müll vor ihrer Haustür gekehrt. Die Enni unterstützte die sonntägliche Aktion.

Von wegen heilige Sonntagsruhe. „Wir sind für die heilige Sache, nämlich eine saubere Lotharstraße, unterwegs. Wir machen mit“, lacht Fikret Günes vom Meerbecker Stadtteilbüro. Schaufel, Picker, Handschuhe und Straßenbesen hat er mitgebracht. Ricarda Würde ist die Initiatorin der Säuberungsaktion, die pünktlich am verregneten Sonntagmorgen startet. Sie hatte im vergangenen Jahr auf den vermüllten Zustand aufmerksam gemacht. Ein Bürgerantrag scheiterte, mäßig war die Unterstützung der zuständigen Stellen. Selber anpacken, so ihr Aktionsplan, den sie auch über soziale Netzwerke als Online-Petition in Gang setzte.

Aus den Häusern kommen die Anwohner, fragen nach den Arbeitsutensilien. Andere haben schon weit vor dem Startschuss den Besen in der Hand. Sengül Demircan kehrt einen Berg Dreck mit leeren Plastikflaschen zusammen. „Da liegen auch mal leere Wodkaflaschen im Gebüsch“, so ihre Beobachtungen. Für Ärger sorgt auch die freie Rasenfläche Ecke Lotharstraße/Königsberger Straße. „Ein Hundeklo“, so Sengül Demircan. Die Hinterlassenschaften der Vierbeine bleiben einfach liegen. Ob Hundekotbeutel aus dem Automaten das Problem lösen, bezweifelt sie. „Die Tüten liegen danach rum.“

Gerade mal knappe 500 Meter lang ist die Straße hinter dem Bahnhof, die ohne das Engagement der Anwohner langsam, aber sicher vermüllt. „Die Aktion finde ich gut“, sagt eine 78-jährige Anwohnerin. Früher habe nicht so viel Müll in den Straßenrinnen gelegen, so ihre Bilanz. Wo einmal Müll abgeworfen wird, häuft sich schnell Müll.

Mit von der Partie auch die Enni. Für Enni-Mitarbeiter Andreas Niederstraßer (47) ein normaler Einsatz, eben nur am Sonntag. „Wir machen so lange sauber, bis es wieder schön aussieht“, meint er mit Blick auf den einsetzenden Regen.

Über so viel Beteiligung freut sich Initiatorin Ricarda Würde. Auch bei ihr aus dem Haus machen alle sieben Parteien mit. Dass die Vermüllung zunimmt, habe einmal mit der Lage, direkt hinter dem Bahnhof, zu tun „Viele fühlen sich einfach nicht für das Reinigen zuständig oder haben resigniert. Denn nach ein paar Tagen sieht aus wie vorher“, so die Anwohnerin. Dass sich bei manch deponiertem Müllsack in den Hinterhöfen auch Nager an Essensresten bedienen, deutet auf einen weiteren Nebenschauplatz hin.

Internist Klaus Daniels ist ebenfalls mit Besen und Kehrschaufel unterwegs. Knackpunkt sei die zugeparkte Straße, die dem Kehrwagen keine Chance lässt. „Ich finde die Aktion in jedem Fall positiv. Damit setzen wir ein Zeichen.“ Ricarda Würde verbindet die Aktion mit einer Unterschriftensammlung für ein zeitgebundenes Halteverbot, „damit zu festen Zeiten die Enni saubermachen kann.“

Thomas Schwier hat an der Lotharstraße seinen Fahrschulbetrieb. „Viele Pendler stellen bei uns in der Straße ihre Autos ab, lassen dabei ihren Müll in der Straße“, so seine Beobachtung. Auch er sieht im Aufstellen von temporären Halteverbotsschildern einen praktikablen Weg. „Merkwürdig ist, dass es in Homberg, also auf Duisburger Gebiet, klappt. Nur nicht in Moers“, so der Fahrlehrer über die Argumentation von offizieller Seite.

Wie lange die Lotharstraße nun frei von Unrat bleiben wird, kann niemand sagen. „Wichtig ist doch, dass Nachbarschaft funktioniert und wir für die gemeinsame Sachen stehen“, sagt Schwier.

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