Moers: Anwohner: "Deponie zerstört Biotop"

Moers: Anwohner: "Deponie zerstört Biotop"

Die geplante Wiedereröffnung der Halde Lohmannsheide im Jahr 2019 hat Bürger in Duisburg und in Moers auf die Barrikaden getrieben. Aber auch geschützte Tierarten wie der Kammmolch wären von dem Vorhaben betroffen.

Die Halde Lohmannsheide kennt in Moers kaum jemand. Die meisten verwechseln sie mit der benachbarten wesentlich höheren Halde Rheinpreußen und ihrem markanten "Geleucht". Tatsächlich aber sei die Halde Lohmannsheide, die zwar auf Duisburger Gebiet liegt, aber nur von Moers aus erschlossen ist, ein bemerkenswertes Biotop, sagt Rolf-Ingo Reiß. Der 63-jährige wohnt in der Nähe der Halde. Am kommenden Donnerstag wird im Moerser Umweltausschuss ein 13-seitiger Fragenkatalog vorgestellt, den Reiß geschrieben hat und den der Haldenbetreiber DH1, ein Zusammenschluss aus Ruhrkohle und Kommunalverband Ruhr gerade beantwortet hat.

Foto: Dieker Klaus

Die DH1 will aus der Halde, die seit den 90er Jahren nicht mehr benutzt wird, eine Deponie für gering belastete Abfälle der Gefahrenklasse DK1 machen. Das wäre etwa Bauschutt oder Aschereste aus Verbrennungsanlagen. Anders als bei der Deponie Eyller Berg ist hier nicht die Gefährlichkeit der neu aufgebrauchten Stoffe Anlass für Besorgnis in Moers und in Duisburg, sondern die zu erwartende Verkehrs- und Staubbelastung von täglich 80 bis 100 Lkw, die vornehmlich über Moerser Straßen rollen würden.

Rolf Ingo Reiß an einem Tümpel auf der Halde Lohmannsheide. Im Hintergrund verschwindet die Halde Rheinpreußen im Nebel. Den Aufgang zur Halde (rechts) kennen selbst viele Moerser und Duisburger nicht. Foto: Klaus Dieker

Hinzu kommt die Furcht vor einer Belastung des Grundwassers, die die CDU-Landtagsabgeordneten Petra Vogt (Duisburg) und Marie-Luise Fasse (Kreis Wesel) bereits im November 2013 veranlasst hatte, eine Kleine Anfrage im Landtag zu stellen. Wie man aus Analysen des benachbarten Waldsees weiß, treten durch Altlasten, die unter der Halde Lohmannsheide und der benachbarten Halde Rheinpreußen schlummern, Giftstoffe ins Grundwasser. Der Duisburger CDU-Mann Klaus Radny behauptete unlängst sogar unwidersprochen, dass "die unteren Gewässerschichten im Waldsee für Lebewesen, die dort eindringen, tödlich" seien.

Jedenfalls pumpt die Lineg aus dem See seit einigen Jahren Tiefenwasser in den Rhein. "Das hat sich deutlich auf die Wasserqualität ausgewirkt", berichtet Reiß. "Während ich vorher das Wasser aus meinem Brunnen nicht einmal zum Wagenwaschen nehmen konnte, hat es jetzt beinahe Trinkwasserqualität." Doch was, so fragt Reiß, geschieht, wenn durch drei Millionen Kubikmeter Müll auf der Halde zusätzlicher Druck entsteht? In ihrer Antwort auf die Anfragen des gelernten Chemielaboranten verweist die Stadt lediglich darauf, dass durch die befestigte Haldenaufschüttung entstehende Sickerwässer aufgefangen und somit nicht ins Grundwasser gelangen würden.

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Ungeklärt sind auch die Folgen der Emissionen. Dazu heißt es in einer Stellungnahme der DH1: "Das notwendige Planfeststellungsverfahren - das noch gar nicht eingeleitet wurde - wird unter Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgen und auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung beinhalten. Weiterhin werden im Rahmen verschiedener Immissionsprognosen u. a. für die Bereiche Geruch, Lärm und Luftschadstoffe die Auswirkungen der Erweiterung dargestellt. Zum Antrag zählt auch ein Verkehrsgutachten."

Für völlig unterschätzt hält Reiß die ökologischen Folgen auf dem bis jetzt lediglich 18 Meter hohen Haldenkörper selbst. Dort hat sich auf dem extrem mageren Boden ein Biotop aus Sanddornbüschen gebildet. "So etwas finden Sie sonst nur an der Nordsee", sagt Reiß. Auf dem Haldenplateau gibt es sogar einen Tümpel. "Hier leben Kammmolche", sagt Reiß. "Das ist eine geschützte Spezies, die auf der Liste bedrohter Tierarten steht."

Die Moerser Politik ist derweil noch unschlüssig, wie sie das Projekt werten soll. Es fehlten derzeit einfach noch die Fakten, betonten sowohl Julia Zupancic (CDU) als auch Ibrahim Yetim (SPD). Beide kennen die Sorgen der Anlieger und nehmen sie ernst. Aber Yetim, sagt auch: "Es ist klar, dass wir in NRW zu wenig Deponiefläche haben. Dafür müssen wir eine Lösung finden."

(RP)
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