Moers: Ambulante Pfleger beklagen Zeitdruck

Moers: Ambulante Pfleger beklagen Zeitdruck

Wegen zu geringer Vergütungssätze für den ambulanten Pflegedienst gehen Mitarbeiter der Wohlfahrtsverbände heute auf die Straße. Sie sagen, dass durch die Unterfinanzierung zu wenig Zeit für die Pflege zur Verfügung steht.

Petra Vogel ist seit zwölf Jahren ambulante Krankenpflegerin. Und noch immer hat sie Spaß an ihrem Job. Doch macht ihr, wie allen anderen Mitarbeitern der Grafschafter Diakonie sowie anderen Wohlfahrtsverbänden, der Zeitdruck schwer zu schaffen. Bis zu 25 Kundenbesuche stehen für eine Tagestour in ihrem Kalender — das heißt 25 Mal anfahren, 25 Mal Parkplatz suchen, 25 mal auf die jeweiligen Bedürfnisse des Patienten eingehen und ihm das Gefühl vermitteln, Mensch zu sein. Doch gerade das kommt spätestens seit Beginn des Jahres 2013 zu kurz — jetzt wird landesweit demonstriert.

Der Auslöser für die Zeitnot ist der Personalmangel — dieser wiederum entsteht durch die geringen Vergütungssätze der Krankenkassen für die ambulanten Pflegedienste. Von 2002 bis 2012 seien die Kosten der ambulanten Pflege um ein Fünftel gestiegen, die Sätze der Krankenkassen im selben Zeitraum nur um sieben Prozent, sagt Dietrich Mehnert, Sprecher der Geschäftsführung der Grafschafter Diakonie.

"Dadurch ist die Taktung der Kundenbesuche für jeden Mitarbeiter höher geworden, irgendwann fehlen uns Mitarbeiter", befürchtet Mehnert. Und seit Januar 2013 seien die Leistungen der Kassen nochmals um 0,6 Prozent verringert worden. Dagmar Balluf, Leiterin des Pflegediensts der Diakonie in Moers rechnet vor: "Manche Kunden brauchen nur einen Verbandswechsel — das wird fix mit 9,12 Euro von den Kassen vergütet und dauert knapp 15 Minuten", sagt sie. "Andere Kunden brauchen aber fünf neue Verbände und trotz fünffachen Arbeitsaufwands bleibt die Vergütung gleich." Deswegen ist bei jedem Patienten Eile geboten — zum Leidwesen aller Beteiligten.

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"Viele Kunden brauchen auch mal eine Umarmung, oft sind wir die Einzigen die sie am Tag besuchen", erzählt Petra Vogel. "Und dann verabschiedet man sich immer mit einem beklemmenden Gefühl im Herzen", sagt die 51-Jährige weiter. Doch sie muss — allein aus wirtschaftlicher Sicht. Zum anderen wartet auch schon der nächste Kunde. Denn die meisten Patienten verlassen sich auf Pünktlichkeit.

Doch die Termine einzuhalten scheint nahezu unmöglich. Ein Viertel der Arbeitszeit verbringen die Pfleger allein mit der Verwaltung — der elektronischen Abrechnung, die die Pfleger beim Patient durchführen. "Auch das Autofahren kostet Zeit. Selbst wenn die Touren effizient geplant sind", wie Leiterin Balluf sagt. Diese Zeit bleibt ebenfalls unvergütet.

Insgesamt geht dabei soviel Zeit verloren, dass zusätzliche Pfleger eingesetzt werden müssten. Oft sieht es aber so aus, dass entweder Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt werden müssen, oder die Pflegediensleiterin aushelfen muss. Annegret Peldszus, Leiterin der Grafschafter Diakonie in Kamp-Lintfort, verbringt bereits ein Viertel der Arbeitszeit draußen. Und dabei soll sie doch eigentlich alles koordinieren.

(RP/rl)
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