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Am Sonntag jährt sich zum 74. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz.

Befreiung Auschwitz : Lieber vergessen?

Möchten Sie nicht auch manchmal einfach vergessen, was Sie an einen Fehler, an eine Peinlichkeit erinnert, für die Sie verantwortlich waren? Vergessen wollen ist so menschlich wie das Vergessen selbst.

Am morgigen Sonntag, dem 27. Januar, jährt sich zum 74. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz. Damit endete die massenhafte Tötung von Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen und politisch Andersdenkenden. Erwachsene, Alte, aber auch Kinder fielen der Ideologie der Nazis zum Opfer. Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland und seit 2005 weltweit ein offizieller Gedenktag. Auschwitz als Symbol für die millionenfache Peinigung und Vernichtung menschlichen Lebens in Deutschland.

 Pfarrer Martin Gres, Scherpenberg
Pfarrer Martin Gres, Scherpenberg Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Lieber vergessen? In der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel findet sich das Wort: „Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung!“ Erinnerung ist mehr als eine Pflichtübung mit Kranzniederlegung. Erinnerung geht an das Innere, an mein Inneres. An mein Denken, an meine Einstellung Anderen, Fremden gegenüber. Sie betrifft mein Reden über Minderheiten. Wenn schon wieder Verallgemeinerungen an die Stelle von Informationen und Wissen treten: die Juden, die Roma, die Muslime . . .

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Erinnerung hilft gegen Generalverdacht und Vorurteil. Das gilt auch für uns Deutsche. Jesus selbst schätzte die Erinnerung an die Glaubensworte seiner Vorfahren. Wie oft erscheinen in den Evangelien Bezüge auf die hebräische Bibel, unser Altes Testament. Sein letztes Wort am Kreuz war ein Wort aus dem reichen Schatz der jüdischen Psalmen: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Er kannte seine Tradition. Er lebte in ihr. Vergessen der Erinnerung kam für ihn als Juden überhaupt nicht in Frage.

Mit der Erinnerung an Jesus und sein Volk leben wir Christen seit 2000 Jahren. Wir sind eben nicht nur Heutige, sondern auch Gestrige und Morgige. Wir hoffen miteinander, dass wir nie wieder diese unsere Herkunft vergessen und dass wir uns für eine für alle lebenswerte Zukunft einsetzen, zusammen mit Gutmeinenden in anderen Religionen und auch mit Menschen ohne Religion.

Lieber vergessen? Besser nicht!