Unsere Woche: Am Sonntag ist Wahlkrimi-Abend

Unsere Woche : Am Sonntag ist Wahlkrimi-Abend

Die Landtagswahl verspricht im Wahlkreis Wesel IV (Moers/Neukirchen) zu einem Kopf- an Kopf-Rennen zwischen Ibrahim Yetim (SPD) und Ingo Brohl (CDU) zu werden.

Landtagswahlen pflegten in Moers stets eine langweilige Angelegenheit zu sein. Das einzige, das die Bürger hier interessierte, war das Zweitstimmenergebnis im Lande. Mit wie viel Prozentpunkten Vorsprung der SPD-Kandidat, respektive die Kandidatin, am Ende die Nase vorne haben würde, war allenfalls für die Statistik interessant.

Das wird am Sonntag mit Sicherheit anders werden. Ob Ibrahim Yetim (SPD) oder Ingo Brohl (CDU) das Direktmandat holen, ist völlig offen. Für Yetim steht dabei mehr auf dem Spiel als für Brohl. Beide sind nicht über die Landesliste abgesichert, aber nur Yetim kann sein Mandat verlieren, während Brohl auch bei einer knappen Niederlage seine erfolgreiche Arbeit als CDU-Fraktionsvorsitzender fortsetzen würde.

Trotzdem gibt Yetim sich gelassen. Er glaubt nicht daran, dass es möglich ist, einen Vorsprung von mehr als 20 Prozentpunkten innerhalb einer Legislaturperiode zu verlieren. Zudem hat er als Integrationspolitiker Profil gewonnen und auch in sozial- und sicherheitspolitischen Feldern gepunktet. Schwere politische Fehler hat er nicht gemacht.

Doch mit Brohl hat er einen Kandidaten gegen sich, der in der Lage ist, das CDU-Wahlpotenzial voll auszuschöpfen. Und das ist im Wahlreis nicht eben klein, wie ein Blick auf das Zweitstimmenergebnis bei der Bundestagswahl 2013 belegt. Da lagen SPD und CDU gerade einmal 3,1 Prozentpunkte auseinander. Zudem befindet sich die CDU bundesweit im Aufwind. Das belegen sowohl die Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig-Holstein, als auch jüngste Meinungsumfragen.

Deshalb dürfte die Wahlkampagne, die Brohl mit viel persönlichem Aufwand und breiter Unterstützung seiner Parteifreunde geführt hat, auf fruchtbaren Boden gefallen sein. Auch Yetim hatte starke Wahlkampf-Momente. Aber was nutzen Momente, wenn man das Momentum nicht auf seiner Seite hat?

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

(RP)