Neukirchen-Vluyn: Altenheimat Vluyn: Empörung über "Oma-Export"

Neukirchen-Vluyn: Altenheimat Vluyn: Empörung über "Oma-Export"

Die Grünen Damen der Altenheimat Vluyn fragten NRW-Politiker nach ihren Standpunkten.

Ein Zeitungsartikel in der Süddeutschen Zeitung brachte den Stein ins Rollen. Journalist Herbert Prantl schrieb über die von Kommunen mittlerweile praktizierte "grenzüberschreitende Altenverbringung". Reicht das Einkommen des älteren, pflegebedürftigen oder dementen Menschen nicht aus, muss die Kommune die Pflege finanzieren. Pflegeheime in Osteuropa boomen. Für Erika Köth, Vorsitzende der "Grünen Damen" in der Altenheimat Vluyn, Grund genug, Alarm zu schlagen und den sogenannten Oma-Export öffentlich zu machen. "Wir wollten wissen, gibt es mittlerweile auch den Oma-Export in NRW, denn etliche Kommunen befinden sich im Nothaushalt", erzählt Erika Köth, die in den eigenen Reihen schnell Mitstreiterinnen wie Ursula Schmidt, Margit Schofenberg, Sigrid Zahalka und Monika Schmidt fand.

Erste Wege führten zu Bürgermeister Harald Lenßen, der sich besorgt zeigte und solche Vorgehensweise vor Ort ausschloss. Im nächsten Schritt wurden Landtagsabgeordnete angeschrieben und um Stellungnahme zu den osteuropäischen Billigheimen gebeten. "Wir wollten wissen, ob Kommunen im Land solche Vorgehensweise praktizieren und ob die Parteien, sich in der Lage sehen, derartige Problemlösung zu verhindern", führt Monika Schmidt aus.

Auf die Antwort der Landesmutter Hannelore Kraft warten die Grünen Damen immer noch. FDP-Chef Christian Lindner machte darauf aufmerksam, dass "die soziale Pflegeversicherung in den Zuständigkeitsbereich des Bundes fällt." Er habe das Schreiben weitergeleitet. MdL Reiner Priggen (Grüne/Bündnis 90) war kein Fall bekannt. NRW-Ministerin Barbara Steffens ließ mitteilen, dass selbst unter dem Gesichtspunkt des Kostenvorhalts der Sozialhilfe ein solches Verhalten "unserer Auffassung nach rechtswidrig" sei, "da den Wünschen des Pflegebedürftigen der Wahl seines Wohnortes Rechnung zu tragen ist." Als ein Horrorszenario bezeichnete es Margit Schofenberg, die auf die steigende Zahl der Menschen mit Demenz hinwies. "Familien können einen Heimplatz nicht bezahlen", sagt sie.

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Die Empfehlung, die Lage weiter zu beobachten, sei wenig hilfreich. "Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen etwas tun. Der Oma-Export ist Ausdruck einer verrohten Gesellschaft", sagt Monika Schmidt. Ob eine Betreuungsvollmacht eine Möglichkeit ist, Menschen vor einer "Altenverbringung" zu bewahren, sei zu überlegen.

Axel Loobes, Einrichtungsleiter der Altenheimat Vluyn, setzt auf niederschwellige Angebote, unter anderem auf Elemente wie Quartiersarbeit und Seniorenbegleiter.

(sabi)
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