Alt werden auf dem Land: „Senioren bleiben länger mobil“

Alt werden auf dem Land : „Senioren bleiben länger mobil“

Gertrud Bongers und Christa Hoeps kennen die Seniorenarbeit im Haus Quademechels seit fast 35 Jahren. Sie stellen strukturelle Veränderungen fest.

Von den ersten Senioren, die kamen, hängen gerahmte Fotos im Haus Quademechels. Darauf sind Frauen in Röcken zu sehen, die meisten davon geschätzte 60 bis 70 Jahre alt. Wie ihre Arme und Hände zeigen, haben sie in ihrem Leben anzupacken gehabt, zum Beispiel in der Landwirtschaft oder in einem Handwerksbetrieb. „1984 wurde das Haus Quademechels eröffnet“, erzählt Christa Hoeps. „Damals sind die Senioren mit Anfang 60 das erste Mal gekommen. Heute sind sie deutlich älter.“

Die Vorsitzende der Deutschen Roten Kreuzes Ortsverein Rheurdt/Schaephuysen arbeitet von Anfang an im Haus Quademechels mit und übernahm 1990 mit 45 Jahren dessen Leitung. Die „gute Seele des Quademechelshauses“, wie sie genannt wird, erlebte die strukturellen Veränderungen mit, genauso wie Gertrud Bongers, eine der vielen Ehrenamtlichen.

„Die Besucher waren deutlich jünger, als sie das erste Mal kamen“, blickt Hoeps zurück. „Die ersten Besucher waren in den 1920er Jahren geboren. Sie haben den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Sie haben, als sie 18 waren, noch keinen Führerschein gemacht, später auch nicht. Deshalb hatte aus der ersten Generation nur einer einen Führerschein und ein Auto. Deshalb sind sie schon gekommen, als sie in den Ruhestand gegangen sind“, erzählt Gertrud Bongers. „Heute besuchen sie uns, wenn sie kein Auto mehr fahren können. Sie wohnen meistens in der Nähe und gehen zu Fuß. Oder sie lassen sich von ihren Töchtern und Söhnen oder ihren Nachbarn bringen und abholen. Die Nachbarschaft im Dorf funktioniert gut.“

Die Interessen der Besucher haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten kaum geändert, selbst wenn deren Anzahl von früher 70 je Woche auf heute 50 zurückgegangen ist. Sie unterhalten sich und spielen im Haus Quademechels bei den offenen Treffs am Montag und Mittwoch, jeweils von 15 bis 18 Uhr. Das ist am Freitag von 9 bis 12 Uhr anders, wenn sich die Männer im Haus neben der Kirche St. Nikolaus treffen, um Skat zu spielen, während ihre Frauen die Häuser der Besucher auf Vordermann bringen. „Diese Rollenverteilung ist in dieser Generation einfach so“, sagt Christa Hoeps.

Die Senioren unternehmen in zwei Gruppen Fahrradtouren. Oder sie machen in einem Kurs Handarbeiten. „Früher hatten wir uns die Angebote zu überlegen“, blickt Christa Hopes zurück. „Heute melden sich die Senioren und fragen, ob wir nicht dieses und jenes anbieten könnten. Das versuchen wir dann.“

Alle vier Wochen essen die Senioren dienstags gemeinsam, meist deftige Hausmannskost. Beim nächsten Essen am 8. Januar steht Grünkohl durcheinander mit Kassler auf dem Programm.

Neben Feiern, zum Beispiel im Advent, unternehmen die Besucher einmal im Jahr eine Busreise. Die letzte führte im August zum Hariksee in der Hinsbecker Schweiz. Immer ist eine Schifffahrt integriert. „Die Reisen haben sich kaum geändert“, berichtet Gertrud Bongers. „Nur die Reiseziele sind weniger weit entfernt als früher.“ Wie die Vorsitzende hält sie das Angebot für Senioren in Rheurdt für gut: „Rheurdt hat eine Kirche, einen Supermarkt, Gaststätten, Ärzte und ein Vereinsleben. Die Vereine bieten etwas für Senioren an, zum Beispiel der Schwimmverein oder der Turnverein.“

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